Die Amerikaner (Part 1)

Vor meiner Abreise habe ich unter anderem ein Buch geschenkt bekommen, das auf den schönen Namen “Streiflichter durch Amerika” hört und aus einer Sammlung von Anekdoten bzw. Kolumnen besteht, die helfen sollen Amerika und die Amerikaner etwas besser zu verstehen. Natürlich ist mir klar, dass es “den Amerikaner” genauso wenig gibt wie “den Deutschen”. Trotzdem sind die einzelnen Klischees recht lustig und …jetzt sind wir mal ehrlich… irgendwo müssen die Vorurteile ja herkommen… Ein Funken Wahrheit wir also auch hier drin stecken.

Ich für meinen Teil werde also auch einmal versuchen die ein oder andere Geschichte zum Besten zu geben. Ob das helfen wird die USA besser zu verstehen, weiß ich natürlich nicht… ;)

Eines meiner Lieblingsthemen ist ja inzwischen das Bankwesen. Aus der heilen europäischen Welt kommend, hatte ich ja keine Idee, wie es auf anderen Kontinenten abläuft. Soviel schon einmal vorweg: Die Amerikaner stehen auf Schecks (also auf Papierfetzen mit einer Zahl und einem Namen). Ich persönlich habe Schecks ja bisher nur einmal im Urlaub benutzt. Diese Traveller Checks waren jedoch alles andere als praktisch, zumal man sie immer wie rohe Eier behandeln musste, damit sie nicht kaputt gehen… doch ich schweife ab…

Zuerst einmal scheint es hier bei manchen Banken (also zumindest bei HSBC) schwierig zu sein eine Kreditkarte zu bekommen. Bei mir hat es nun sage und schreibe 3 Monate gedauert, bis ich meine bekommen habe. Dem voraus ging ein reger Schriftverkehr, etliche Adressenänderungen, zahllose Anrufe und die mehrfache Aufforderungen den Versand erneut zu beauftragen. Während dieses Zeitraums habe ich so oft meinen Namen, Geburtstag, Wohnort… ja, sogar Mädchennamen meiner Mutter so vielen Mitarbeitern nennen müssen, dass von persönlichen Informationen wohl keine Rede mehr sein kann. Woran es letztendlich lag, dass es so lange dauert, weiß ich natürlich nicht. Aber das liegt wohl weniger an denen sondern vielmehr an der Post… doch ich schweife schon wieder ab…

Widmen wir uns lieber den Überweisungen… Pardon! Überweisung gibt es hier nicht wirklich. Das was wir unter einer Überweisung kennen, ist ein Wire Transfer und ist mit einer Gebühr von stolzen 20$ nichts, das man für Summen im 1-3 stelligen Bereich benutzten würde. Dafür kann der Wire Transfer auch für internationale Transfers genutzt werden (dann wird allerdings keine Garantie darauf gegeben, dass wirklich der komplette Betrag ankommt, vom verwendeten eher prophetisch anmutenden Wechselkurs mal ganz zu schweigen).

Im Inland werden Überw… Pardon! Transfers in der Regel mithilfe von Schecks erledigt. Man kann nämlich einen Online-Scheck ausfüllen. Das europäische Ohr wird da hellhörig und denkt sich: “Na also! Es geht doch. Hier hab ich doch meine Überweisung.”… Weit gefehlt. Ein Online-Scheck macht genau das, was der Name sagt. Ich fülle einen Scheck online aus. Dieser wird in einen Briefumschlag gepackt und an die Adresse des Betroffenen geschickt. Dieser darf dann zur Bank rennen und den Scheck einlösen… Verrückt!

Ansonsten gibt es natürlich die allgegenwärtigen Kreditkarten. Bis auf wenige Ausnahmen kann man überall mit Kreditkarte bezahlen. Faszinierenderweise schließt das auch normale Bars mit ein. Ich traue der ganzen Sache allerdings noch nicht so richtig über den Weg. Dem Barkeeper meine Kreditkarte für einen Abend zu überlassen und zu hoffen, dass am Ende wirklich nur das abgezogen wird, was man getrunken hat, verlangt schon ein gewaltiges Maß an Gutgläubigkeit oder auch Gottvertrauen. Aber wenn man schon Gott und der Welt x mal seine Daten nennen muss um ein paar simple Informationen von seiner Bank zu bekommen, dann macht das wohl auch nichts mehr aus.

Nachtrag:
Es ist übrigens hier in den USA doch möglich eine Überweisung zu machen. Dafür muss man lediglich das Konto auf das man Geld überweisen will vorher bekannt geben. Naja, ganz so einfach ist es nicht. Man muss das andere Konto nämlich sogar verifizieren. Das läuft dann so ähnlich wie bei Paypal ab: es werden 2 kleine Cent-Beträge überwiesen, dessen genauen Betrag man nach Erhalt im Online-Formular eintragen muss. Soweit so kompliziert.
Ich habe das auch tatsächlich versucht dies für meine Mietzahlungen einzurichten. Leider stellte sich dann heraus, dass diese Art von Bank-2-Bank-Transfer nur für die eigenen Konten zugelassen ist. Weiß der Teufel warum das nicht auch mit Konten anderer Konteninhaber gehen soll. Fuer mich klingt das erst einmal nach Willkür. Aber ich reg mich schon wieder auf. Zeit an die frische Luft zu gehen. Und wenn ich schon draussen bin, kann ich ja gleich noch bei der Bank vorbei und meinen monatlichen Scheck auf das Konto meines Vermieters einzahlen lassen…

2 Comments

  1. Hi Janek…das Problem mit den “ueberweisungen” kenne ich, obwohl das hier in Singapur ein wenig anders gelagert ist. Einfache Ueberweisungen koennen online gemacht werden..nachdem der Empfaenger des geldes zugestimmt hat, dass du ihn/sie in deine Liste der Empfaenger aufgenommen hast. Also Ueberraschungen sind fast ausgeschlossen.

    Hier dauert es sage und schreibe 3 Monate um einen Dauerauftrag einzurichten. Ich muss also, um jemandem (bspw. meinem Vermieter) jeden Monat den gleichen Betrag ueberweisen zu koennen, ein Stueck Papier ausfuellen und dieses persoenlich zur Bank bringen (natuerlich nur in die Filiale in der ich auch mein Konto eroeffnet habe…und zu den bankueblichen Oeffnungszeiten). dann wird vielleicht nach einiger Zeit der Antrag auf staendige Ueberweisung genehmigt…aber dem Kunden nicht mitgeteilt. Also doch ein paar Ueberraschungen.

    Nur so nebenbei bemerkt..sei froh, dass du die “persoenlichen” Daten nur vorwiegend bei der Bank angeben musstest…um hier eine Kinokarte(!) online zu reservieren(!) wird neben der Kreditkartennummer auch noch die komplette Anschrift inkl. der ID-Card-Nummer und Passnummer benoetigt…andere Laender, andere Sitten ;-)

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