Es gibt ein paar Plätze, die man einmal in seinem Leben besucht haben sollte. Ich kann nun nicht von mir behaupten, dass ich besonders viele davon gesehen habe. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, welche Orte das im Einzelnen sein sollten. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass folgende dazu gehören (auch wenn ich inzwischen weiß, dass sie einem nicht automatisch gefallen müssen):
- Karneval in Köln
- Oktoberfest in MĂĽnchen
- Central Park in New York City
Nachdem ich ja fast ein Jahr in Köln gelebt habe um dann vor 2 Jahren nach München umzusiedeln, erscheint es somit also nur logisch, dass ich mich schon wieder auf den Weg mache um mir die nächsten 2 Jahre den großen niemals schlafenden Apfel unter die Lupe zu nehmen.
Und nun sitze ich also gerade am Flughafen (JFK). Neben mir starten die Flieger in schöner Regelmässigkeit und ich habe ein wenig Zeit die letzten 4 Tage Revue passieren zu lassen. Aber immer der Reihe nach…
Letzten Samstag ging es von München aus los und dank der Zeitverschiebung landete mein Lufthansa-Flieger nach 9 Stunden (-6 Stunden Zeitverschiebung) in Newark. Warum dieser Flughafen in der Nähe von Jersey City so heißt, weiß ich nicht. Es drängt sich jedoch der Gedanke auf, dass hier jemand das Image der wohl bekanntesten Metropole nutzen wollte um… ja warum eigentlich? Der Flug an sich wiederum war garnicht so schlimm wie erwartet. Durch meinen Südafrika-Trip war ich ja schon abgehärtet was längere Strecken angeht. Allerdings, hatte ich nicht wirklich Glück. Mal davon abgesehen, dass der Herr neben mir sich bereit am Anfang des Fluges mit Bier und Wein in rauen Mengen zuschüttete… Nein, natürlich darf auch das genauso liebenswerte wie lebhafte Kind nicht fehlen. Besagte junge Dame, konnte den Flug über nur mit einer intensiven Therapie aus Malbüchern, Pinochio-DVD und den von der Lufthansa angebotenen Filmen gebändigt werden.
Apropos „Lufthansa-Filme“: Genau die hätte ich auch gerne gesehen. Jedoch stellte sich gleich am Anfang heraus, dass mein Touchscreen auf keine Eingaben reagieren wollte. Ein Reset-Versuch durch die Stewards war leider nicht von Erfolg gekrönt sondern offenbarte nur das tieferliegende Problem (Windows CE)…
Das klingt jetzt alles schlimmer als es war… Ich wollte ja sowieso mein Buch fertig lesen…
In NY angekommen, galt es erst einmal sich bis zu den Rental-Cars durchzufragen und den Weg Richtung Hotel anzutreten. Allein dabei Fallen einem schon einmal die kleinen Unterschiede auf, von denen man zwar schon oft gehört, es jedoch nie selbst erlebt hat. Meine „Best-of“s dazu gibt’s später.
Ansonsten stand folgendes Program an:
1. Abend: Arbeitskollegen treffen und sich ein wenig das Nachtleben von New Jersey erkunden
2. Tag: Brunchen in Jersey City Downtown und Fahrradtour durch New Jersey und New York.
Dieser Trip war wirklich Wahnsinn. Zum einen habe ich festgestellt, dass ich alles andere als fit bin, zum anderen muss ich sagen, dass es auch ein wenig verrückt war, sich um 13:00 Uhr auf ein Fahrrad zu schwingen um (ohne Sonnecreme) den Weg von Jersey City bis nach Staten Island anzutreten… grandiose Aussicht hin oder her! Dort angekommen, dachte ich schon, ich müsste sterben und der Gedanke an meine noch nicht gültige Auslandskrankenversicherung stieg in mir auf. Nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre (vorbei an Liberty Island und der Freiheitsstatue) kamen wir jedoch direkt in Manhatten an. Der positive Nebeneffekt: Wesentlich sauberer, viel zu sehen und annehmbare Radwege (ohne „Berge“). Also ging es immer weiter am Hudson River Richtung Central Park (inkl. Zwischenstopp im Biergarten). Dort angekommen ging es auch gleich wieder zurück Richtung Süden. Um genau zu sein quer durch den Central Park und dann weiter auf der Straße. Ich wollte mich schon wundern, warum wir uns eigentlich an so vielen (mit wahnsinnigen Fahrern bestückten) Taxis vorbeischlängeln mussten. Aber als dann der Time-Square vor uns auftauchte, wurde mir einiges klar… Der Abschluss bildete der obligatorische Besuch des WTC und anschließend die Fahrt mit der Path Train rüber nach New Jersey um die Skyline noch einmal bei Nacht zu betrachten. Alles in allem eine sehr gelungener Tag, den ich trotz Sonnenbrand nicht hätte missen wollen.
3. Tag: House Hunting Trip in Jersey City. Hier habe ich wieder mal eine Menge Dusel gehabt. Nachdem ich meine Maklerin schon überzeugen musste, dass es für mich keine Alternative ist, an den totalen A**** der Welt zu ziehen, haben wir uns direkt in Jersey City umgeguckt. Ich hatte mir ja auch auf anraten meiner Kollegen vorgenommen nicht gleich die erste Wohnung zu nehmen. Letztendlich ist es aber trotzdem genauso gekommen. Diese komplette möbelierte Wohnung, die in den nächsten 2 Jahren mein Heim sein soll, liegt in der Pavonia Avenue Nähe Hamilton Park und gehört ursprünglich einem Mittarbeiter der Panamanesischen (???) Botschaft. Eben dieser wird jetzt jedoch nach Brüssel umziehen und wird mir seine „Feng Shui“-konforme Wohnung überlassen. Dass ich den Mietpreis auch noch um $100 drücken konnte, schiebe ich jetzt einmal auf die Tatsache, dass ich ich auch noch persönlich kennen gelernt habe…
4. Tag: Princeton und Rückreise. Der letzte Tag stand im Zeichen des Papierkrams. Erst einmal wollte ich mich um das Thema Strom und Gas kümmern und anschließend ging es nach Princeton um schon einmal das ab nächsten Monat benötigte Equipment einzusammeln und ein paar Leute persönlich kennen zu lernen.
Anschließend blieb noch genügend Zeit um sich Princeton einmal genauer anzugucken. Ich muss ja sagen, dass man beim über den Campus laufen schon eher das Gefühl hat gleich einem der U.S.-Gründungsväter über den Weg zu laufen. Alles in allem aber eine sehr schicke Stadt, der man schon allein wegen der umgebenden Wälder und Flüsse einen Besuch abstatten sollte.
Tja, und das war im Grunde schon mein erster Schnupperkurs in den Staaten. Das komplette Touri-Programm werde ich lieber durchziehen, wenn mich dann mal jemand besuchen kommt.

Ansonsten gibt es jetzt noch ein paar Grundregeln bzw. Erkenntnisse, die man beachten kann, wenn man das erste Mal nach New York kommt.
- Mietwägen gibt nur mit Automatikgetriebe
- Auf den Autobahnen, kann man die Hauptstrecke sowohl nach links als auch nach Rechts verlassen. (Es ist garnicht so einfach sich darauf einzustellen, wenn die biologische Uhr einem bereits 2:00 Uhr Nachts vorgaukelt.)
- Amerikaner scheinen echte Literaturliebhaber zu sein. Zumindest bekommt man diese Eindruck, wenn man sich die Straßenschilder anguckt. Im Sinne der besseren Völkerverständigung ziehe ich einen durchgestrichenen Pfeil jedoch immer noch einem „Do not turn here“ vor.
- Es ist warm! Während es in München 25°C sind, sind es in NY schon 35°C. Ich bin allerdings der Meinung, dass sich diese Temperatur um bis zu 5° drücken lassen ließe, wenn die Leute einfach mal ihr Klimaanlagen ausschalten würden. Die warme Suppe, die einem entgegengeschleudert wird, sobald man an einem der in die Fenster eingelassenen Gebläse vorbei läuft, grenzt schon an Körperverletzung. (Wenn man sich dann noch wie ich einen Sonnenbrand angeradelt hat, wirkt das ganze natürlich noch besser). In meinem Hotelzimmer konnte ich aber wenigstens die Klimaanlage auf Hochtouren laufen lassen. Was kümmern mich die Deppen, die draußen vorbei laufen… ;o)
- Irgendwann habe ich mal gehört, dass es Leute gibt, die Mineralwasser anstatt Leitungswasser zum Kochen benutzen. Was mir damals noch total versnoppt erschien, ist mir jetzt umso verständlicher. In den Staaten gibt es offenbar keine biologische Wasseraufbereitung (also mit Bakterien usw.). Stattdessen wird fleißig mit Chlor hantiert um das Wasser zwar nicht genießbar aber zumindest trinkbar zu machen. Mal schauen ob ich mich daran gewöhnen kann.
- Am Flughafen von USA Richtung Germany sollte man sich darauf einstellen zahllose 18-jährige O’pair-Mädels zu treffen, die sich von irgendwelchen Arrival-Veranstaltungen kennen und sich lang und breit erklären, was alles in den letzten Monaten passiert ist. Dazu gehört das obligatorische „Die 3 Kinder waren so lieb…!“ natürlich genauso wie „Ich hab mich so verändert…!“ oder „Nein, ich bin auch nicht mehr mit meinem Freund zusammen.“ Na dann Prost…!
PS: Wenn man vom JFK-Airport aus fliegt, macht es Sinn, ein paar Stunden mehr fĂĽr den Anschlussflug einzuplanen. Wir durften geschlagene 2 Stunden auf dem Rollfeld warten, bis ein Slot fĂĽr uns frei wurde.
PPS: Der „Royale mit Käse“ heißt hier „Quarter Pounder“…
Hi Janek,
es ist schoen zu hoeren, dass Dir NY so gut gefaellt…ich bin auch ganz begeistert von der Stadt. War das jetzt nur ein Schnupperbesuch zum Wohnungsuchen oder bist du nun schon staendig da drueben? Fotos von der Wohnung?
Viele Gruesse von der anderen Seite der Weltkugel,
Robert