Wann war ich eigentlich das letzte mal im Urlaub? Die Antwort ist einfach: Letzten Winter. Wann war ich eigentlich das letzte mal im Sommer-Urlaub? Tja, da wird’s schon schwieriger.
Wenn ich genau nachdenke und dabei Bedenke, dass ein Urlaub erst so genannt werden kann, wenn es auch irgendwohin geht und diese Reise auch länger als ein Wochenende dauern muss, dürfte das vermutlich so um die 3,5 Jahre her sein. Und damit meine ich dann eigentlich auch wieder einen Winterurlaub, nur dass dieser in Südarfika stattfand wo ja damals (weil südliche Hemisphäre) Sommer war.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich hab jetzt doch tatsächlich mal wieder Urlaub gemacht. Das bedeutet im Klartext: 4 Tage Gardasee im schönen Italien. Als Wahlmünchener liegt das ja quasi um die Ecke und durch zahlreichen 2 Empfehlungen kristalisierte sich auch schnell das konkrete Ziel heraus.
Ziel der Reise war Malcesine, dass am östlichen Ufer des Gardasee auf die Entdeckung wartete. Hinweg über den Brennerpass lehrten mich die Vorzüge eines TomTom. Es gibt keine, da zumindest dieses Gerät ständig den GPS-Empfang verlohr oder mich 100 Meter weiter westlich lokalisierte. Ein Umstand, der gerade wenn man den Gardasee entlang fährt recht unrealistisch anmutet. Sei es drum. Der Umstieg auf analoge Methoden (Faltpläne und Straßenschilder) ist mir zwar zuwider aber hat immerhin einen gewissen mittelalterlichen Charme
. Allerdings macht es in solchen Fällen doch Sinn, sich vorher zu informieren wo man hin will und nicht erst bei der Anfahrt zu überlegen in welche Himmelsrichtung man überhaupt gucken muss.
Malcesine besticht durch eine sehr urige Altstadt, die wir jedoch erst später kennen lernen durften. Da sich der gesamte Urlaub recht spontan entwickelt hat – die “Planung” war wie folgt: Wir mieten ein Auto (einen Tag vorher) und fahren dann nach Malcesine (wo auch immer das liegt) – mussten wir uns nach der Ankunft erst einmal ein nettes Hotel suchen. Gesagt, Getan! Am Ortsanfang fanden wir das Hotel Anna, dass nicht nur nette Zimmer, einen günstigen Preis und einen schönen Strand direkt gegenüber zur Verfügung stellte. Sondern auch Fahrräder und Liegen kostenlos verlieh. Erst später bemerkten wird, dass wir noch ein gutes Stück vom eigentlich Ortskern entfernt waren. Aber alles nicht so schlimm. Als ambitionierter Wanderer (immerhin eine Wanderung innerhalb der letzten 5 Jahre) sollte das alles nicht so schwer sein.
Ich könnte nun lang und breit erzählen, was wir alles gemacht haben, aber das erspare ich dem gelangweiltem Leser einfach mal und lasse stattdessen ein paar Fotos sprechen und geben meine durch intensivste Feldforschung gewonnenen Eindrücke zum Besten.
1. Tag: Anreise, Wanderung und Spaghetti Bollognese wir sie im Buche stehen.
2. Tag: Erkundung der Altstadt und “Besteigung” des Monte Baldo.
3. Tag: Fahrt nach Verona inklusive „Casa de Giulietta“.
4. Tag: Abstecher nach Arco und Rückreise.
Italienisches Essen
Dazu kann ich eigentlich nur wenig sagen. Immerhin war ich am Gardasee und nicht wirklich in Italien. Wenn auf den Speisekarten nicht nur alles in Deutsch sondern neben dem obligatorische Wiener Schnitzel auch ein “Schweinshaxe (auf Bestellung)” steht, dann weißt du, dass du immer noch in Deutschland bist.
Dennoch haben mich die Spaghetti Bolognese am ersten Tag schwer beeindruckt. Ich kann nun ernsthaft behaupten, dass ich meine Pasta noch nie “al dente” bekommen habe. Diese hohe Kunst des Teigwaren Aufwärmens wurd durch die leckere Soße komplettiert. Dass das aber nicht überall in Italien so ist, wurde mir in Verona offenbart. Als ich mich über eine Lassagne hermachen wollte, die liebend gerne gegen eine Aldi-Mikrowellen-Lasagne eingetauscht hätte, wurde mir klar, dass nicht alle italienischen Küchen mit Gewürz-Göttern gesegnet sind.
Auch die italienischen Pizzen werden meiner Meinung nach total überschätzt. Sie mögen zwar überdurchschnittlich gut sein, aber herrausragend würde ich sie nicht nennen. Weltklasse wird einem dagegen in den Gelaterien (zu deutsch: Eisdielen) geboten. Allein dafür lohnte sich beispielsweise die Fahrt nach Arco. Aber das hatte ich ja schon früher festgestellt…
italienischer Straßenverkehr
Den italienern geht ja auch der Ruf voraus, sie könnten nicht Auto fahren. Nun ja, sowas ist schnell gesagt. Und wenn ich genau drüber nachdenke, wird mir das gleiche ebenfalls nachgesagt.
Was die Italiener aber offenbar wirklich nicht kennen ist das Reißverschlussprinzip. So kommt es dann also schon einmal vor, dass sich hinter einer simplen Spursperrung ein 5-km-Stau bildet der aber nicht einfach langsam weiterrollt, sondern immer wieder zu längeren Stehzeiten nötigt. Ist man dann so dreist und fährt ganz nach vorne durch (so wie ich es gelernt habe) wird man wild gestikulierend darauf “hingewiesen” dass ich mir sowas einfach nicht erlauben darf. Freilich kann man derartigen Grabenkämpfen mit einer Vollkasko-Versicherung in der Hinterhand recht entspannt begegnen.
Ich habe mal einen interessanten Bericht über das Verhalten von Menschen im Straßenverkehr gesehen. In diesem Beitrag wurde die Frage aufgeworfen, wie es auf den Gehwegen zugehen würde, wenn sich alle wie im Straßenverkehr benehmen würden. Ich sag ja: Ich brauch ne Hupe in der Fußgängerzone und Rolltreppendeppen gehören sowieso im Bußgeldkatalog verewigt.
Italienisches Wetter
Was soll man dazu schon sagen? Wir hatten blendendes Wetter. Obwohl für’s Wochenende Regen angesagt wurde schien fast durchgehend die Sonne (unterbrochen von ein paar Stunden Nacht) und das bisschen Wind, war eine willkommene Abkühlung. Aber was soll man am Wochenende der Sommersonnenwende auch schon erwarten? Merkwürdig nur, dass punktgenau beim überqueren der Österreichisch-Deutschen Grenze der Platzregen einsetzt. Damit ist ja wohl klar welche Nation immer aufisst…
An dieser Stelle könnte man noch das klassische Goethe-Gedicht zitieren, dass immer dann ausgekramt wird, wenn es die Deutschen nach Italien zieht.
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
Apropos “ziehende Geliebte“: Eben jene ziehen nicht einfach nur nach Italien sondern genauer gesagt nach Verona um sich dort den Balkon von Shakespeares Guiletta (a.k.a. Julia) anzugucken. Wer sich nicht direkt auf dem Balkon fotografieren lassen will, kann auch die rechte Brust der Julia-Statue im Hof streicheln (neben viel Glück gibt es dann auch noch höchste Sinnesfreuden).
Ob es der Beziehung besonders zuträglich ist an fremden Brüsten rumzukneten muss vielleicht von Fall zu Fall unterschieden werden. Außerdem wichtig: Eine Unterschrift des Paares auf der Mauer, die zum Innenhof führt in dem der Balkon rund 350 Jahre nach der Tragödie (Romeo & Julia) an die Fassade rangeflanscht wurde. Hach nee, is das ramontitsch.
Zu meiner Überraschung hat es übrigens inzwischen auch der Döner in die italienischen Imbissläden geschafft. Ich habe mich allerdings nicht getraut einen zu essen…
Sehr schoener Artikel…und erholt siehst Du auch aus! Sehr gut!
…und irgendwie ist es mir schon an den Fotos aufgefallen…Flickr hat’s dann bestaetigt…ich beglueckwuensche Dich zur Canon EOS450D…ich bin damit super zufrieden. Du auch?
Viele Gruesse aus dem Sommer in dem es im Moment regnet,
Robert
Merci,
ich kann nur sagen, dass das gute Stück ein wirklich gelungenes Weihnachtsgeschenk an mich gewesen ist. Auch wenn ich die Möglichkeiten der Fotografie wohl nicht einmal ansatzweise ausnutze, fühlt man sich schon extrem professionell damit..
Wirklich zur Geltung kommt das natürlich nur, wenn man auch ein paar gute Motive hat (oder sich genügend Zeit für die Nachbearbeitung nimmt). Letzteres war aber in diesem Fall nicht unbedingt nötig.
Ich hoffe ja, dass mir die Kamera ab September noch ettliche Dienste leisten wird…
Ja, man kommt sich schon sehr professionell damit vor…und das Gute ist, dadurch dass die Kamera schon sehr professionell ist, sehen die Bilder auch professionell aus…auch wenn man nicht so richtig Fotograf ist.
Toll, da habe ich professionell of professionell gesagt. Ist schon fast kuenstlerisch
Hast Du schon ein Weitwinkel-Objektiv fuer die ganzen Wolkenkratzer?
Du scheinst mir schon ziemlich professionell zu sein. Aber ein Weitwinkelobjektiv wäre schon mal eine Überlegung wert. Naja, wir werden’s sehen.