Lange Nacht der Musik

Lange Nacht der Musik

Lange Nächte gibt es ja bekanntlich viele. Die lange Nacht der Museen, die lange Nacht der Künste, die lange Nacht der Bahnverspätungen und natürlich die lange Nacht der Musik. Genau diese fand nun auch in München statt. Mit einem Überangebot an rund 400 Künstlern wurde also jung und alt auf die Straße gerufen. Persönlich bringt einem das natürlich recht wenig. Traditionsgemäß durchpflügt man nämlich mit Steuerprüferaugen die komplette Angebotsbroschüre und sucht sich rund 10 Vorstellungen/Museen/Ausstellungen aus, die man um nichts in der Welt verpassen will. Nachdem dann 3-5 dieser Location abgegrast wurden – wobei man auch die weniger spektakulären Vertreter über sich ergehen ließ “weil sie gerade auf dem Weg lagen” – ist man vollkommen fertig und hofft auf eine schnelle Erlösung in Form eines Bettes oder zumindest einer indischen Ganzkörpermassage.

Mit diesem Erfahrungschatz bewaffnet ließen wir erst einmal gut 3/4 der formschönen Broschüre links liegen. Nach kurzem Blättern standen unsere Anlaufpunkte dann auch fest.

1. Men Under Cover (Soul, Funk, R’n'B)
Spielte im bayrischen Hof dass nicht durch die edlen Limousinen vor der Tür sondern auch durch den im Hotel (!) angesiedelten Nachtclub punkten konnte. Leider war das Publikum (inklusive uns) noch nicht in der richtigen Stimmung. Evtl. lag es aber auch an der Musik. Keine Ahnung!

2. Neue Jazzschool München e.V. (Jazz Mainstream)
Neue Jazzschool München e.V. 2Im Innenhof des Künstlerhauses lauerte die erste angenehme überraschung des abends. Die zwei Sängerinnen versprühten mit ihren stimmen den soul, den die Musikrichtung erforderte. Parallel dazu gab der erfahrene Sänger den Ton an und wagte den ein oder anderen Scherz um das zahlreich erschienene Publikum bei der Stange zu halten. Wirklich unterhaltsam Musik zu hören, die nicht durchgeplant ist sondern vom improvisationstallent und der Abstimmung innerhalb der Combo lebte.
Mit eigenen und gecoverten Songs hat das insgesamt 5-köpfige Ensemble jedenfalls bleibenden Eindruck hinterlassen. Vormerken!

3. Oedipus Rex
Oedipus RexDen wohl anspruchsvollsten aka skurillste Ensemble dieses Abends stellt die Vorstudie für eine Opern-Oratorium dar, das in Form einiger Tänze auf den schmissigen Namen “Oedipus Tyrann” hörte. Zu der Musik von Strawinsky konnte man sich hier Schatten- und Stabfiguren in Aktion angucken. Nicht jedermans Sache aber zumindest interessant. Ob ich am 25.Juli in die Premiere ins Künstlerhaus gehen werde, wage ich jedoch trotzdem zu bezweifeln.

Der Weg zum nächsten offiziellen Event erforderte einen kleinen Fußmarsch, der uns direkt am Karlsplatz vorbei führte. Aufgrund der zentralen Lage in der Nähe des Marienplatzes bin ich ja nun recht regelmäßig hier. Aber anscheind immer zu früh oder aber zu spät. Um ca. 23:00 Uhr treiben sich hier die merkwürdigsten Gestalten rum, die ich eher im Berliner Märkischen Viertel oder am S-Bahnhof Gesundbrunnen (allerdings vor 6 Jahren) erwartet hätte. Ein Mütburgür A erklärt dem Mütbürgür B warum der ihm gefälligst RESPEKT zeigen soll, während eine vermutlich direkt aus dem Koi-Club kommende Horde Japaner die Straße für sich gepachtet haben. Ihre Frisuren erwecken dabei den Eindruck, sie seinen direkt aus einem Manga entsprungen… Ich werde alt…

4. ???
Der vierte Akteur des Abends war im Grunde garnicht eingeplant, viel uns jedoch durch die Menschentraube um ihn herum auf. Mit seiner Show auf offener Straße und den Parodien diverser Bands, Nationalitäten und Musikstylen fesselte uns der offensichtlich Englischstämmige Straßenmusiker. Sher unterhaltsam und praktisch nicht zu beschreiben, wenn man nicht da war. Man muss jedoch anerkennen, dass die Vorgehensweise der Münchener Stadtväter jeden Straßenmusiker vorher im Bezirksamt vorspielen zu lassen eventuell doch einen Einfluss auf die Qualität der Unterhaltung hat.

Nach einem kleinen Marsch bis tief ins Glockenbachviertel (so eine Art Münchener Friedrichshain) schwenkten wir noch kurz in einen T-Shirt-Laden ein, der obwohl bereits nach 0 Uhr noch immer geöffnet hatte und versuchte mit akzeptabler Beschallung und Caipitüten die Kundschaft bei Laune zu halten. Naja, der komerzielle Zweck dieses Ladens darf an dieser Stelle durchaus bezweifelt werden. Symphatiepunkte gab es auf jeden Fall. Schon allein für die tollen Visitenkarten die mit dem tollen Slogan “Objekte | Design | Modes | Katzenkratzbäume” auf sich aufmerksam machte.

5. Tekkelklub
TekkelklubDie fünfte offizielle Anlaufstelle präsentiert sich anderntags ebenfalls als T-Shirt und Taschenladen. In dieser Nacht wurde jedoch die obere Hälfte des Ladens als Bühne genutzt, während das Publikum den Gehweg für Ovationen zweckentfremdete. Dem Erfolgsrezept zu später Stunde “Coversongs und zwar alles” wurde hier in Form von Red Hot Chillie Peppers und anderen Größen der Rock-Pop-Szene entsprochen. Nette Atmosphäre zu der auch der mitten auf der Straße positionierte Tischkicker beitrug. Was die Anwohner dazu zu sagen hätten? Keine Ahnung.

6. Pop mal anders
Pop Mal Anders 2Der letzte Auftritt des Abends galt der Münchener Band “Pop mal anders” und sollte einen Krönenden Abschluss darstellen. Die Lokation in Form der “Nero”-Lounge bot neben der Musik auch noch frische Pizza bis in die frühen Morgenstunden an. Ein Service der mit geradezu wüstenwitzdimensionierten Temperaturen erkauft werden musste, denn der riesige offene Steinofen heizte erbarmungslos.
Im Zentrum stand jedoch die Band, die diverse Pop-Songs als Rockversion adaptierte und über die quietschfidele Frontfrau an die Massen weitergab. Da klangen dann sogar die Backstreet Boys akzeptabel. Gegen 3 Uhr, nach ettlichen Zugaben, einer Anzeige wegen Ruhestörung und dem Anblick einer johlenden Masse sowie einer überwältigten Band ging der Abend zu Ende.

Fazit: Einer der genialsten Abende, die ich hier bisher erlebt habe. Schade nur, dass mein Kollege demnächst das Land verlässt. Sowas sollte man eigentlich wiederholen. Und es ist recht schwierig Leute mit ähnlichem Musikgeschmack zu finden. Zumal die Lange Nacht der Musik nur einmal pro Jahr stattfindet.

  1. "Kollege" Says:

    Hallo Janek,

    das Kompliment geb’ ich gern z’ruck…das war auch für mich einer der “snizeren” Abende hier in MUC…und ich bin ja auch nicht so lange weg und bin dann bestimmt auch bald mal wieder in MUC! ;o)

    Bis nachher,
    Sascha

  2. Reisender, formerly know as Kollege Says:

    Guten Morgen,
    aber hallo! Was hast Du denn fuer eine hammergeniale Tag Cloud!!! Und die Startseite mit der Scrollbar ist ja auch ganz neckisch!

    Ich glaub´, ich mal wieder beim Admin meines Vertrauens vorbeischauen.
    Guten Start in den Tag und Gruess´le aus Lima,
    Sascha

  3. Reisender, formerly know as Kollege Says:

    …hab´s schon gefunden und bereits installiert! Danke dir fuer die “Inspiration”! ;o)

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