Hurricane 2008

Alle Jahre wieder ruft die Festivalgemeinde zum Hurricane nach Steeßl. Dieser kleine Ort irgendwo zwischen Bremen und Hamburg – oder besser gesagt ein Feld vor den Toren der Stadt – wird einmal pro Jahr pünktlich von Donnerstag Abend bis Montag früh in reinster Heuschreckenmanier von Musikliebhabern besiedelt. Zeit also auch einmal vorbei zu schauen. Für sein erstes Festival hätte man sich zwar auch einen etwas näher Gelegenen Ort auswählen können (z.B. das Southside-Festival) aber sei’s drum.
Das Lineup begann bei großen Namen wie Beatsteaks, Foo Fighters, Chemical Brothers, Mando Diao, Billy Talent, The Kooks, Razorlight, Panic at the Disco, NOFX, Kaiser Chiefs und Donots, The Wombats, The (International) Noise Conspiracy, The Subways, Blackmail, Radiohead über Klassiker wie Madsen, Deichkind, Kettcar, Tocotronic und Jan Delay bis hin zu einigermaßen unbekannten Bands wie Sigur Rós – um nur einige zu nennen. Aufgeteilt wurden die jeweils etwa 1,5 Stunden langen Auftritte auf zwei Bühnen. Die dritte Location in Form eines Zeltes habe ich dagegen nie betreten. Warum auch? Das Wetter zeigte sich von der Sonnenseite und verwandelte die Steppe deshalb nicht in eine Schlammgrube. Wenn man da die Wahl zwischen Sonnenbad und einem kleinen Zelt inkl. Warteschlange hat, wird man spontan entscheidungsfreudig.
Die Anfahrt war ziemlich unspektakulär. Ich hatte mir am abend vorher mit einigen Mädels in Weißenfels das EM-Viertelfinale angeguckt (alle Klischees sind wahr) und so ging es in aller Ruhe auf in den Norden. Kurz vor Scheeßl wurden wir von komplett eingestaupten Helfern in unsere Parkkolonne eingewiesen. Bändchen abholen. Freie Stelle auf dem Zeltplatz finden. Elementare Fragen beantworten: Wo bin ich eigentlich? Ahh, C16!
IMG_0310 Idealerweise konnte ich mich noch dunkel an die Frage eines ehemaligen Kommilitonen erinnern, wer denn noch zum Hurricane gehen würde. Et voilá: schon waren wir zu fünft. In unserer Nachbarschaft befand sich unter anderem eine Gruppe von Schülern, von denen ich mir immer noch nicht glaube, dass sie sich in die horde von Abi2008-Shirt-Trägern einreihen lassen. Musikalisch gesehen ist mir vor allem einer im Gedächtnis geblieben, der früh um 6:00 Uhr meinte wie ein singender Tanzbär die komplette Zeltlandschaft zu unterhalten. Glücklicherweise hat er das nicht das ganze Wochenende durchgehalten. Ob das an seiner Fitness lag oder an dem Umstand, dass er aufgrund von steil aus dem Boden ragenden Zelt-/Paviliongestänge bewegungsmäßig beschnitten wurde, wage ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen.
IMG_0306 Viel wichtiger als die Mitbesucher sollten aber natürlich die Bands sein. So viel schon einmal vorab: erstaunlicherweise waren die groß angekündigten Hauptacts nicht so phänomenal, wie man es vielleicht erwarten konnte. Das musste nicht einmal unbedingt an der Band liegen. Die Beatsteaks zum Beispiel machten kein schlechtes Konzert. Dummerweise war die Akustik an diesem Tag so schlecht, dass die “Lauter! Lauter!”-Rufe nach einem Song bis zum Anfang des nächsten Songs nicht aufhörten. Das drückte natürlich auf die Stimmung und zeitweise kam das Bedürfnis auf wieder auf die andere Stage zurück zu wechseln um sich Jan Delay noch weiter anzuhören, der eine passable Bühnenshow auf die Beine gestellt hatte.
Appropos Bühnenshow. Den zweitskurilsten Auftritt hatte erwartungsgemäß Deichkind. Die ehemalige Hip-Hop-Band, die inzwischen auf das elektroufer gewechselt ist und aus Personalnot auf noch Ferris MC ins Boot genommen hat, lieferten nicht nur die verrücktesten Verkleidungen oder die einfallsreichsten Requisiten. Sie lieferten auch eine Songauswahl, die vom Tiefgang einer durchschnittlichen Pfütze und vom Musikalischen Modern Talking entsprach. Den Smash-Hit “Yippie, Yippie, Yeah” hätte man zu jeden einzelnen Song mitsingen können.
Den Pokal für die skurilste Musik bekommt jedoch Sigur Rós verliehen. Und das schon allein deshalb, weil sich der Sängers der Isländischen Band streckenweise wie ein paarungswilliger Buckelwal unter Wasser anhörte.

Um mich nicht zu verlieren gibt es nun noch eine Aufzählung der Bands, die ich wärmstens empfehlen kann:
Madsen – gute Musik, unterhaltsame Show und symphatische “Familien”-Band, die rockt!!!
Jan Delay – grooviger Sound, phasenweise etwas zu verspielt (und was hat es mit den Seitenhieben auf Revolverheld auf sich?), trotzdem gut
Billy Talent – Große Klasse, man bekommt genau das, was man erwartet, geniale Stimmung
Kettcar – Sänger-Stimme klingt super, Die Texte sollte man sich aber noch einmal alleine anhören
Panic at the Disco – einfach gute Musik, die auch nach dem x-ten Song nicht nervt
Razorlight - perfekt Musik für einen Festival-Sonntag Nachmittag, auf der Wiese liegen und einfach genießen
Patrice - EINSAME KLASSE: Geniale Stimmung, Geniale Songs, Geniale Stimme, Perfekt 1+
The Kooks - etwas zu viel Kokain für den Frontman (daher kommt also der Name), aber dafür ordentliche Musik an der es irgendwie nichts zu mäkeln gibt
Panteón Rococó - Party-Musik die in Richtung Ska geht. Einer der gründe, warum ich überlege zum Chiemsee Reggae Festival zu gehen.

IMG_0315 Das sind wie gesagt bei weitem nicht alle Bands, aber trotzdem die, wegen denen ich wohl nochb einmal zu einem Festival fahren würde. dann aber evtl nicht nach Hamburg. Das Southside- oder Chiemsee-Reggae-Festival würde schließlich etwas näher liegen.
Fazit: Ein Spitzen-Wochenende! Gute Musik, Glück mit dem Wetter, nette Leute, ein weiterer Haken auf meiner Was-ich-im-Leben-noch-machen-muss-Liste und so dreckige Beine, dass es nicht mehr feierlich war. ;)

Madsen “Vielleicht”:


Billy Talent mit seinem neuen Song “Turn Your Back”:

2 Comments

  1. hi janek,

    jetzt bin ich mittlerweile im asiatischen teil unseres planeten angekommen und fuehre auch wieder mehr oder weniger regelmaessig tagebuch…also wenn du lust hast… http://www.mistarix.de/singapore … ich wuerde mich freuen.

    Lieber gruss,
    Robert

  2. Ey, hier passiert ja gar nix mehr ;-)

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