Nieder mit dem Winterschlaf! Es lebe die Frühjahrsmüdigkeit. Nach meinem 2-wöchigen Winterurlaub ist mein Bedarf an Wintersport erst einmal gedeckt und ich kann sagen, dass das wirklich Spaß gemacht hat. Während der übliche Flachland-Germane maximal für eine Woche den Weg in die Berge findet, hat es sich bei mir ergeben, dass mehrere Freunde (und Verwandte) in zwei aufeinanderfolgenden Wochen die Hänge runter rutschen wollten. Im Klartext: Eine Woche St. Anton am Arlberg und eine Woche Aschau im Zillertal. Sporterlebnis pur, denn wir standen praktisch jeden verfügbaren Tag an den Hängen und Pisten.
St. Anton oder – wie es die schier endlosen Massen an Engländern nennen: Stanton bezeichnet sich selbst als Wiege des Alpinen Skilaufs. Was das genau bedeuten soll ist auf den ersten Blick nicht so ganz klar… Was haben sie nun erfunden? Den Schnee? Den Hang? Das gleiten auf 2 Brettern? Weit gefehlt! Das ganze ist viel trivialer. Hier ein Ausschnitt aus dem Pistenplan:
Er ist legendär, er steht für Leidenschaft, er ist die Krönung! Der Arlberg – Wahlheimat all jener, die der Faszination des Alpinen Winters verfallen sind und Wiege des alpinen Skilaufs. Hannes Scheider beispielsweise revolutionierte hier mit der Arlberg-Schule die Technik des Skifahrens, der erste Schlepplift Österreichs wurde in Zürs und die erste für den Winterbetrieb konzipierte Seilbahn, die Galzigbahn, in St. Anton erbaut. Der Arlberg – ein mit Schneekristallen besetzter Diadem der Natur, in dem fünf Orte – Lech, Zürs, St.Anton, St. Christoph und Stuben – wie Juwelen gefasst ihren jeweils eigenen Charme, sprich sprich ganz besonderen Charackter, zeigen…
Ähnlich bescheiden sind auch die Preise in den spärliche gesähten Bauden … Pardon Restaurants… in denen sich die Skifahrergemeinde trifft. Tatsächlich mussten wir am ersten Tag in den Ort laufen um etwas zu Essen zu bekommen. Da es dort aber eher nicht so lecker war mussten wir unsere Fahranfängerin am nächsten Tag den Berg hinaufjagen um uns in luftiger Höhe einen Germknödel zu genehmigen. Hmm, lecker gestreckte Vanillesauce…! Was ich damit subtil andeuten will: Mir ist nicht ganz klar warum St. Anton einen so guten Ruf hat. Dass es die Wiege des alpinen Skisports sein soll ist zwar ganz nett und wird einem auch bei jeder Gelegenheit unter die Nase gerieben. Aber was bringt mir das? Hier also einmal meine Kritikpunkte:
- praktisch keine Essgelegenheiten an der Talstation
- die Skischule hält sich 3 komplette Tage auf dem Babyhang auf
- Preisniveau ist verhältnissmäßig hoch
- St.Antoner Skigebiet könnte größer sein
- Kein Funpark für Snowboarder
- Wetterbedingt erinnert das alles eher an Wassersport (okay, dafür können sie nix
)
Aber nicht alles ist schlimm am Arlberg. Unser Trip nach Lech bzw. Zürs hat mir gut gefallen. Am Ende der Schlegelkopfbahn wurden zwar einige 4-Sterne-Hotels mit entsprechenden Restaurants hingesetzt, die eindeutig nicht für Snowboarder geeignet ist, ich muss jedoch sagen, dass wir dort wohl das leckerste Mittagessen und die mit Abstand freundlichsten Angestellten getroffen haben. Da bezahlt man auch gerne ein paar Euro mehr. Aber die wollen schließlich auch verdient sein. Dem berühmt-berüchtigten Aprés-Ski konnte ich dagegen gut aus dem Weg gehen. Um ehrlich zu sein habe ich davon generell ziemlich wenig mitbekommen.
Der Wechsel ins Zillertal verlief leider nicht ganz so flüssig wie zuerst gehofft. Nicht nur, dass ich die abfahrende Bahn um 5 Minuten verpasste… Nein, nach 2 Stunden (!) Wartezeit gab es noch einmal 2 Stunden (!!!) Verspätung. Hätte es draußen nicht wie aus Eimern gegossen, hätte man den Bahnhof ja wenigstens noch verlassen können. So war ich und zahlreiche andere Reisende dazu verdammt am Bahnhof auszuharren und von einem Zeitungskisok zu träumen, der einem die Wartezeit hätte verkürzen können. Weise genug um zu wissen, das dies zu den Dingen gehört, die ich nicht ändern kann, kam ich dann also nach 6 Stunden und einer Dalai Lama-artigen Gelassenheit in Aschau an.
Das Zillertal ist ja quasi so etwas wie die Wiege meines alpinen Skisports und kann auch mit einigem aufwarten. Am ersten Tag hatte man jedoch eher den Eindruck, dass es sich um die Wiege des alpinen Sonnenbadens handelt. 12°C sprechen für sich und an ein Ski-fahren war wetterbedingt nicht zu denken. Zeit genug also, durch den Ort zu schlendern, die müden Knochen auszuruhen und die Beine hochzulegen. Gänzlich faul waren wir (immerhin 10 Leute=Kommilitonen+Anhänge) dann allerdings doch nicht. Die Sommerrodelbahn in Zell am Ziller als Sport zu bezeichnen würde allerdings doch etwas zu weit gehen.
Am nächsten Tag verschwand die Hitze und machte einer willkommenen Kältefront Platz, die uns in den darauffolgenden Tagen mit Neuschnee versorgte. Die letzten paar Tage war dann wieder bestes Wetter… Was will man mehr?!
Wir sind jeden Tag in ein anderes Skigebiet im Zillertal gefahren und so konnte von Langeweile keine Rede sein. Diesmal war kein Fahranfgänger dabei, so dass ich keine Aussage über die Skischulen machen kann. Allerdings hatte sich in den vergangenen Jahren niemand beschwert. Die Liftkarte kostete immerhin 50,- € weniger, wofür man dennoch das komplette Zillertal befahren konnte und so auch in den Genuß des hiesigen Fun-Parks kommen konnte, der seit meinem letzten Besuch extrem aufgestockt wurde. Hier hat Red-Bull wohl so richtig Geld investiert. Die Bauden waren wie gewohnt gut verteilt und ließen nichts zu beanstanden. Ein 4-5 Sterne Hotel habe ich allerdings nirgends auf der Piste gesehen. Dafür muss man dann wohl doch in die Wiege des alpinen Skilaufs.
Die guten Bedingungen, die nette Gesellschaft und natürlich der Tiefschnee sorgte dafür, dass diese 2. Woche schon verdammt nahe am Optimum war. Aprés Ski gab’s übrigens wieder nicht… Gott-Sei-Dank!
Weitere Highlights:
- kostenlose Schnappsverkostung
- kostenlose Sauna im Haus
- Spontane Mitfahrgelegenheit direkt zurück nach München (Danke nochmal an dieser Stelle)
Was bleibt zu sagen: Eigentlich nix. Ich freue mich auf nächstes Jahr. Dann werden wir es bestimmt auch schaffen ein ordentliches Gruppenfoto hinzubekommen. Wo es hingeht? Keine Ahnung. Ich finde, man könnte ja auch mal nach Canada oder die USA. Ich habe das regelrechte Legende von Pulverschnee und leeren Pisten gehört. (Und natürlich von Mikrowellen anstelle von Holzhütten mit Bedienung… Amis eben!
PS: Und der Dennis wird nächstes mal bestimmt auch länger durchhalten als einen Tag. (Ich hoffe es geht wieder besser. Ansonsten: Gute Besserung)
Also wenn ich ein Fan des Wintersports wäre, würde bei mir jetzt etwas Neid aufkommen
Ich war dafür 10 Tage in Wien und Budapest. Hatte mit Sport zwar eher weniger zu tun (nun gut, Stadtbesichtigungen werden irgendwann auch sportlich) dafür aber sehr viel mit Kultur.