WTF is Jesse James?

Die Antwort auf diese Frage sollte man wohl kennen, bevor man sich den aktuellen Streifen mit Brad Pitt anguckt. “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” ist mal wieder einer dieser Biographien bei denen man sich am besten schon vorher eine paar Infos besorgen sollte. Der Film handelt allerdings nicht vom Leben bzw. Tod des berühmten Banditen, sondern von dessen Mörder und deckt einen Zeitrahmen von nicht einmal einem Jahr ab. Für eine Einführung des Banditen bleibt also keine Zeit – obwohl diese gut angelegt gewesen wäre.

Irgendwie wäre es einmal interessant zu erfahren, warum dieser Name so bekannt geworden ist. Schließlich handelt es sich bei Mr. James um einen waschechten Banditen, der Banken und Züge überfällt und dabei schon mal eine blutige Spur hinterlässt. Also nicht unbedingt ein Puplikumsmagnet möchte man meinen. Andererseits gab es schon zu seinen Lebzeiten diverse Groschenromane, was damals wohl das Maximum der Medienpräsenz darstellte und wohl auch die infantile Verehrung seines Mörders erklärt.

Der Film ist kein Western im eigentlich Sinne. Viel mehr Wert legt Regisseur Andrew Dominik, den man sonst nur aus Musikvideos und Werbespots kennt, darauf, den psychologischen Verfall von Jesse James und die daraus resultierende Auswirkungen auf seine Umgebung zu beschreiben. Die Stimmung des scheinbar depressive Banditen wird durch die triste Farbe des Films überzeugend vermittelt und Sunnyboy Brad Pitt sah noch nie so herruntergekommen aus ;) . Schauspielerisch wird er nur noch durch seinen Kollegen Casey Affleck übertroffen, den man bereits aus Filmen wie Oceans 11-13 oder auch Hamlet (’99) kennt.

Ist dieser Film zu empfehlen? Gute Frage! Generell scheint es sowas wie eine Regel für verfilmte Biographien zu geben: Lass es sein.
In den letzten Jahren hatte man die Ehre sich Howard Hughes (Leonardo di Caprio in “The Aviator”), Alfred Kinsey (Liam Neeson in “Kinsey – Let’s talk about sex”) oder auch Johnny Cash ( Joaquin Phoenix in “Walk the Line”) anschauen zu können. Wirklich gefallen hat mir davon nur Walk the Line und das mag wohl zu 50% an der Musik und zu 50% an Reese Witherspoon gelegen haben. The Aviator war zwar eine grandiose schauspielerische Leistung, aber der Film selbst dauerte einfach zu lange und konnte irgendwie nicht wirklich fesseln. Kinsey enttäuschte auf ganzer Linie, da die Story wohl nur im prüden Amerika für Skandal sorgen kann und sich das Ende des Films elendig lange hinzog. Jesse James & Bob Ford sind da sicherlich etwas besser aufgestellt. An den Unterhaltungswert eines wirklich guten Films kommt der Streifen jedoch nicht ran. Zu monoton – die Umgebung. Zu vorhersehbar – die Handlung. Zu fade – die Dialoge. Wer die Biographie einer Person breitentauglich in die Kinos bringen will, sollte sich schon eine richtige Handlung einfallen lassen… oder zumindest sicher gehen, dass sich das Puplikum mit dem Protagonisten identifizieren kann. Das wird in Deutschland vermutlich schwieriger werden als anderswo, denn ein ausgeprägter Personenkult existiert hier glücklicherweise nicht.

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