Ein ganz tolles Argument ist ja, dass durch die verlängerte Vorratsdatenspeicherung mehr Sicherheit geschaffen wird und Schwerverbrechen besser aufgedeckt werden können. Bei mir hat es ungefähr 5 Minuten gedauert dieses Argument zu entkräften. Ein kurzer Klick auf das TOR-Projekt und eine Installationsroutine später kommt meine IP-Adresse nicht mehr aus Deutschland sondern aus Las Vegas. Damit wären dann die von meinem Provider gespeicherten Vorratsdaten nutzlos. Für besagte Schwerkriminellen sollte es wohl kein Problem sein das gleiche zu tun um zumindest sein Surfverhalten zu verschleiern. Wie bei so vielen Sachen im Netz lebt und wächst das TOR-Projekt durch die Teilnehmer. Unterstütze ich jetzt Kriminelle, wenn ich so einen TOR-Server laufen lasse?
Ich behaupte mal, dass pro Krimineller mindestens 100 Investigativ-Journalisten und 5000 normale User weltweit kommen, die auf so etwas ebenfalls angewiesen sind. – Das hoffe ich zumindest. Sonst fallen bald alle, die so einen Server am laufen haben in irgendein Raster. Auf dieser Seite kann man sich wie ich finde recht übersichtlich anzeigen lassen, welche Information jederman über einen einsehen kann sobald man online ist. Von einer Anonymität kann also nicht gesprochen werden. Umso entscheidender ist der Unterschied, wenn man sich die Ergebnisse mit und ohne eingeschaltetem TOR vergleicht.
Schade nur, dass der “normale User” – Ich möchte das Wort DAU vermeiden – wohl eher nicht in der Lage bzw. nicht Willens sein wird sich die teuer erkaufte Bandbreite seiner DSL-Flatrate durch ein solch nützliches Tool verkleinern zu lassen. Andererseits tut man was für die weltweite Pressefreiheit. Das ist doch mal ein gutes Gefühl.
Allerdings muss es garnicht so weit gehen. Als handelsüblicher Terrorist muss ich ja noch nicht einmal eine Mail verschicken um das nächste Bauchweg-Gürtel-Treffen zu koordinieren. Ich lasse einfach alle meine Mails als Entwurf im Mailaccount liegen, so dass sich meine “kollegen” das ganze direkt dort vor Ort angucken können. Solange nur Verbindungsdaten und keine Inhalte gespeichert werden, sollte das also kein Problem darstellen. Das all diese tollen Methoden also letztendlich nicht am Ziel ankommen, werden auch unsere Herren/Damen Politiker irgendwann merken und vorschlagen, dass für eine bessere Bekämpfung der organisierten Kriminalität künftig auch die Server der Provider direkt untersucht werden können bzw. Inhalte nach bestimmten Kriterien erfasst werden sollten. Das ist dann das Gleiche als ob die Polizei (oder sonstwer) in deine Wohnung geht und schon einmal vorsorglich alle Schmierzettel konfisziert bzw. jede abgeschickten Brief vorsorglich liest. (Der private Lebensbereich wird dabei natürlich außen vor gelassen… *LOL* – Wie denn das?)
Andererseits: “Es kann doch nicht sein, dass Daten, die vorhanden sind nicht zur Verbrechensbekämpfung genutzt werden.” – Oder höre ich da etwa Gegenstimmen? – Huch, hat sich da etwa jemand Regierungskritisch geäußert? – Sowas kann ich einem Rechtsstaat ja wohl nicht geduldet werden… Mit wehret den Anfängen war wohl doch was anderes gemeint.
Für alle, die sich zu dem Thema Vorratsdatenspeicherung informieren wollen und sich zum Beispiel an einer Sammelklage beteiligen wollen:
mein Problem ist immer: Auf wieviel Freiheit wollen wir verzichten, um selbige aufrecht zu erhalten ??? Die technische Unmöglichkeit mal außen vor gelassen, leben wir dann irgendwann demnächst in einer ziemlich sicheren “freien” Welt (da ja alles kontrolliert wird), haben damit aber die absolute Unfreihet geschafften (siehe “1984″). Davon abgesehen war schon immer erst das Verbrechen (in diesem Falle die Attentäter) da und dann erst die Aufklärung bzw. der Schutz. Solche Teilerfolge wie neulich in Deutschland stellen bei der Bekämpfung ja wohl eher kleine Achtungszeichen dar…
Tja, gute Frage.
Passend dazu hat der CCC noch folgenden Podcast zum Thema Sicherheit aufgezeichnet. Hier wird unter anderem beschrieben, warum eine 100%ige Sicherheit nicht gefährleistet werden kann (außer eben im besagten “1984″).
Ich finde es nur bedenklich, dass sich aus technischer oder geschichtlicher Unwissenheit niemand darüber Gedanken macht bzw. ein Problem damit hat, dass Gesetze für eine vergleichsweise temporäre Situation geschaffen werden, die auf lange Sicht oder in Summe ein wesentlich größeres Gefahrenpotential bergen. Beschlüsse wie etwa die des Bundesverfassungsgerichts werden dann plötzlich ignoriert und Grundrechte einfach einmal ausgehöhlt.
Hoffe nur, dass unsere liebe Demokratie noch soweit funktioniert, dass sich das aufhalten lässt. Ich schreib das ja schließlich auch nicht zur Panikmache, sondern um meinen demokratischen Pflichten nach zu kommen.
Da wir nun ja zum Beispiel unsere Figerabdrücke für Perso und Pass abgeben dürfen, sollte man auch erfahren können, dass ein wenig Sekundenkleber an den Fingerkuppen als probates Boykottmittel helfen kann. Illegal ist das allerdings (noch) nicht, da auch ein Pass ohne auslesbare Fingerabdrücke gültig ist. Also entweder Finger beträufeln oder gleich den kompletten Chip punktieren. (Zu letzterem habe ich aber noch keine Anleitung gefunden.)