25 Tage sind nicht etwa die Dauer einer ungewöhnlich kurzen Februars, sonder meine restlichen Urlaubstage, die es noch bis zum Ende des Jahres zu verbraten gilt. Einen guten Anfang macht man da schon einmal mit einer Woche Arco – nördlich des Gardasees. Allmählich musste man sich ja auch schämen, wenn man nach seiner Meinung zu Italien gefragt wird und nur mit einem knappen “können besser Hinfallen als Fußball spielen – im Land selbst war ich noch nie.” antworten konnte. Da sich mein Bruder, seine Freundin und eine Kollegin der beiden zu einem Kletterurlaub ins von Bergen umsäumte Arco aufmachten, war das die perfekte Gelegenheit um schon einmal ein paar Tage in ein verlängertes Wochenende zu investieren.
Du treibst Sport in der freien Natur und brauchst dazu im Grunde nur ein paar Grundausstattungen. Beim klettern wird das natürlich etwas teurer. Andererseits will man sich ja nicht einen Gurt oder Karabiner holen, der nicht ausreichend getestet ist. So ein Sturz vom Felsen kann schließlich empfindliche Beulen hinterlassen. Davon einmal abgesehen sollte man noch die entsprechende Kleidung haben, so dass einem das Wetter nicht den Spaß am ganzen verdirbt. Hat man alles zusammen, kann’s los gehen.
Dass man für die passenden Klamotten dann auch gleich eine Hypothek aufnehmen muss, wird einem natürlich erst klar, wenn man sich so einen Laden schon einmal von innen angeguckt hat. Andererseits: Eine Jacke für 800,-€ muss wirklich verdammt warm halten.
Nach der ersten Nacht wurde mir dann allerdings klar, dass ich auf eine solche Jacke gerne verzichten könnte, wenn es dafür entweder wärmer wird oder warme Schlafsäcke vom Himmel fallen… Letztendlich haben wir uns dann allerdings entschieden uns einen Bungalow zu mieten und das Zelten auf die Sommertage zu verschieben. Dem anfänglichen Gegrummel meiner outdoorgestählten Mitreisenden zum Trotz ging es also in die beheizten 25 m².
Am ersten Klettertag ging es zur Aufwärmung auf eine angeschrägte Platte, auf der man erst einmal geckoartig die Rutschfestigkeit der eigenen Schuhe und Hände ausprobieren konnte. Die Sonne scheint einem auf den Pelz und der Ausblick auf den Gardasee lässt die Frage aufsteigen, warum man nicht mit dem Rücken zur Wand klettern könnte. Die Antwort ist einfach: Sowas gibt’s nur in Filmen mit Tom Cruise! Der zweite Klettertour ging dann an einen richtigen Fels der im Kletterguide mit den Attributen “bei Regen lange nass und staubig” beschrieben wurde. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, auch wenn ich mir etwas Sorgen um meine Feinstaubbelastung mache und die Kraft in den Händen irgendwann deutlich nachlässt. Für den letzten Tag stand dann noch ein Klettersteig inklusive Begegnung mit einer Bergziege auf der Agenda. Natürlich sind wir nicht die ganze Zeit die Wände hoch gegangen. Einen Vormittag verbrachten wir an einem der örtlichen Bergseen. Auf dem Weg dahin konnte man mal wieder die italienische Autofahrkunst erleben. Die wahre Kunst des Überholens zeigt sich eben doch nur in der Kurve… Ansonsten hat mir italien gut gefallen. Anscheinend können sich die örtlichen Gärtner nicht entscheiden, ob ein Olivenbaum, Nadelbaum oder doch lieber eine Palme die angemessene Begrünung für die Gegend ist. Einig scheinen sich die Gelehrten jedoch dabei zu sein, wie man in den Zahlreichen Gelaterien das wohl leckerste Eis des Kontinents herzustellen hat. Das hat wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Und ich Tölpel dachte, dass die Eiskugeln am Potsdamer Platz in Berlin schon beeindruckend wären. Etwas merkwürdig war dagegen das Verständniss des lokalen Café-Betreibers in Bezug auf seine heiße Schokolade. Diese war nämlich nichts anderes als Puddingsuppe. Geschmeckt hat’s trotzdem. Ein paar ganz clevere Kletterer haben wir uns am 2ten Tag vom Zeltplatz aus angucken können. Bei Einbruch der Dämmerung hatten die beiden noch gut 5 Zeillängen bis zum gibfel vor sich, dachten jedoch nicht einmal ans Aufhören a.k.a. Abseilen. Für diesen Ehrgeiz wurden sie mit einem bitterkalten Abend belohnt und schon der Gedanke an deren Stelle am Fels gehangen zu haben, lässt mir ein Schauer den Rücken runter laufen. Als es dann gegen 21:00 Uhr schon viel zu dunkel war um die zwei Gestrandeten zu erkennen knippste die Bergwacht das Licht an. Andy Warhol meinte zwar mal was von 15 Minuten Ruhm. Die beiden standen noch geschlagene 2 Stunden im Rampenlicht. Stramme Leistung!
LOL…wie immer, wenn etwas als einfach und preiswert beschrieben wird, ist es das genaue Gegenteil
) Aber immerhin: überlebt ist überlebt !!! Für mich (Sport = Fremdwort) wäre der Spass bereits nach 10min. (also ca. 0,5m) vorbei gewesen. So hatte ich aber immerhin einen lustigen Start in eine (wie immer) grauenvolle Woche (und vielleicht gönne ich mir heute Mittag beim Italiener sogar ein Eis).
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