Des Pudels Kern…

Immer wieder gibt es Filme, die sich weit über die Kinoleinwand hinaus in das “alltägliche” Leben einbringen. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist Werner Beinhard, der wohl genauso viele Formulierungen und Sprüche in den deutschen Wortschatz hat fließen lassen, wie seinerzeit Goethes Faust. Huch, ein Aufschrei… Nein! Ich will natürlich nicht beide Werke über einen Kamm scheren. Andererseits kann ich hier ja schreiben was ich will.

Während sich der gute Johann Wolfgang eher auf das literarische Medium konzentrieren musste, kann Werner seine markigen Sprüche optisch verstärkt und mit einem deftigen Akzent zum Ausdruck bringen. Wäre mal interessant herrauszufinden, wer mehr geflügelte Worte aufzubieten hat. Aber wer bestimmt, ob ein “Eckhard hohl ein Pflaster! Ich verblute” oder ein “Tut das Not, dass das hier so rumoxidiert?” es mit einem begrabenen Hund oder dem Kern der Köters (sofern es ein Pudel war) aufnehmen kann? Mit seinem Buch “Geflügelte Worte” hatte Georg Büchmann wohl die Definitionshoheit. Aber solange der nicht nach 106 Jahren Verwesung kurzzeitig wieder auferstanden ist, wird er sich den Film niemals gesehen haben.

Ebenfalls unbekannt dürfte ihm das allseits beliebte Internetz sein, in dem einen inzwischen ständig irgendwelche gelben Avatare anlachen. Unter simpsonizeme.com können sich alle Willigen ein Foto ihrer Wahl in ein Matt-Groening-Portrait verwandeln und gleichzeitig mit überflüssiger Burger-King-Werbung zuschütten lassen. Nachdem diese Seite praktisch nie zu erreichen war (über 400 Folgen in den letzten 16 Jahren führen zu vielen Fans aka viel Traffic) hab ich das nun auch mal versucht. Ich verzichte jedoch darauf diese Foto auf die nächste Bewerbung zu kleben.
Von der Inflation dieser liebevoll generierten “Zeichnungen” mal abgesehen, muss ich beeindruckt feststellen, dass sich hier etwas ähnliches wie bei Werners Faust abzuspielen scheint. Nur, dass diesmal die StudiVZ und Facebook-Accounts dieser Welt beeinflusst werden und nicht der normale Sprachgebrauch. Auch wenn ich inzwischen schon öfters jemanden “Spider-Schwein” habe Trällern gehört. Wenn man dann noch daran denkt, dass im Grunde jeder das “D’oh!” von Homer kennt, darf man auf den nächsten Meilenstein in der Sprachentwicklung gespannt sein. Die Gretchenfrage ist natürlich, ob das der Sprache gut tun wird oder nicht.

Aber was soll’s. Ich persönlich fand Bücher wie “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.” einfach nur übertrieben und zu bieder. Ich geh jetzt erstmal in den Keller und guck, ob die Russen schon da sind…

One Comment

  1. Jutta Niefeldt

    ..und? Russen gefunden? Oder vielleicht ein vermodertes Exemplar des Goethe-Werkes?
    Danke für diesen schönen Artikel – die Sprache lebt und das lässt hoffen (vielleicht komme ich über Mangas in Verbindung mit Tokio-Hotel an die verschütteten literarischen Seelen meiner Schülerchen?)

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