Okay, bevor mir meine Erinnerungen noch vollkommen abhanden kommen, möchte ich kurz meine Eindrücke zur zweiten (selbsternannten) Hauptstadt dieses Landes los werden. Nachdem ich ja jetzt einen neuen Job… naja, sagen wir lieber mal… endlich einen Job in einer neuen Firma, in einem neuen Bereich (Junior Consultant SAP Bereich Rückversicherungen) mein Eigen nenne, musste ich selbstverständlich erstmal nach Strich und Faden geschult werden. Da sich der Hauptsitz der msg-systems jedoch in München befindet, hieß das für mich früh – im Klartext 4:00 Uhr(!!!) – aufstehen und ab in den Flieger in den Süden.
Während der Startertag nur einen Freitag umfasste, kam ich bei den nun folgenden Schulungstage in den Genuss der örtlichen Hotels. Kurz hervorgehoben werden soll dabei das Telekom Tagungshotel in Ismaning. Telekom Hotel? Ich dachte die halten Telefonnetze aufrecht und sind ansonsten damit beschäftigt sich als Möchtegernmonopol aufzuspielen? Tja, weit gefehlt. Vor mir erstreckt sich ein Kleinod der zeitgenössischen Jugenherbergsbaukunst inklusive Aula und Kantinenartige Essensausgabe. Den vergleich mit Bundeswehrkasernen will ich trotzdem nicht bemühen… immerhin: keine Gemeinschaftsduschen ;o). Der Blick in das Zimmer läßt mich verstummen. Sollte hier etwa tatsächlich ein Multifunktionfernsehgerät stehen mit dem man sein Gehirn nicht nur dank RTL2 durch den intellektuellen Häcksler ziehen kann? Nein, die in die Fernbedienung integrierte Tastatur läßt einen sogar hoffen die Vorzüge des 21. Jhd. (Internet) in diesem Zimmer genießen zu können. Ich hab die Telekom anscheinend vollkommen falsch eingeschätzt. Also schnell mal ausprobiert… *ZONK* “Aufgrund eines Netzwerkfehlers konnte diese Box leider nicht initialisiert werden!” Okay, da ist er wieder: Der Magenta-Riese den wir alle so lieben. Glücklicherweise gibt es in München ja einiges mehr zu tun, als nur im Hotelzimmer zu liegen und auf die Fehlermeldung zu starren. Hörchen ist nämlich ebenfalls im Lande. Jetzt nach dem Studium kann man die wenn schon nicht exzessiv gepflegte aber dennoch liebgewonnene Rivalität zwischen den einzelnen Kursen unseres Jahrgang endgültig zur Seite legen. Also auf ins Getümmel. Durch die dichte zusammenlegung verschiedener Schulungen konnte ich nämlich ein komplettes Wochenende in München bleiben und mir die Stadt etwa genauer angucken. Da es in einem Hotel praktisch unmöglich ist, das Frühstück weiter als bis 10 hinaus zu schieben bleibt einem auch garnichts anderes übrig als auf Tourispuren zu wandeln. Aber selbst ohne Hörnchens Gesellschaft hätte ich mir keine Sorgen machen müssen. Denn wenn ich eins an diesem Wochenende gelernt habe, dann: “Wer glaubt, ist nie allein!” Und da ich ja bekanntlich Glaube, dass die meisten, die sich 5 Stunden lang in eine Gasse stellen nur weil an dem Wochenende zufällig eine alter Knacker im Aquarium vorbei gefahren kommt, vollkommen beknackt sind, düfte es mir ja nicht an Gesellschaft fehlen. Die Innenstadt war also Menschenüberfüllt und überall wurden weiß-gelbe Schnupstücher.. Pardon, Fähnchen verschenkt mit denen man dem herranrollenden Papst zuwinken konnte (außerdem hätte man sich aus 5 von den Teilen einen bequemen Turban basteln können ;o)). Natürlich waren nicht nur hochgläubige Christen am singen, tanzen und Halleluja schreien. Einige hatten sich auch nur auf die Straße begeben um dem Tokio-Hotel-artigen Schauspiel zuzugucken. In JEDEM Schaufenster war etwas zum Papstbesuch ausgestellt. Und wirklich JEDER meinte sich irgendwie mit seiner Heiligkeit Ratze identifizieren zu können. Da waren Friseursalons, die ein Papst-Bild im Schaufenster zu hängen hatte (Anti-Werbung) und Schneidereien verkauften Kardinalskutten im Sonderangebot. Alles in allem also ein Bayernklischee wie man es sich vorstellt. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Berlin kann ich allerdings trotzdem nicht leugnen. Zumindest das Polizeiaufgebot weckte Erinnerungen an den 1. Mai. Was gibt’s sonst noch an Gemeinsamkeiten? An einem Abend bin ich mit Heike (eine Freundin aus Südafrika) durch die Gegend gezogen. Abgesehen von den Unterhaltungen haben wir uns auch mal kurz im Tischkicker versucht. Und da ist sie auch schon, die Gemeinsamkeit mit Berlin. Die Freaks sind hier genauso freakig wie in Berlin.Unterschiede gibt’s natürlich auch. Zum Beispiel sind die Bahnen hier so ausgelegt, dass sich die Türen nach einer gewissen Zeit automatisch selbst schließen. Diese Zeitspanne ist jedoch so kanpp kalkuliert, dass es das ein oder andere mal sehr eng werden kann. So geschehen an einem Abend, als sich die Bahn an einer Endhaltestelle genau zwischen einer Mutter und ihrem kleinen Kind schloss und die Bahnden Bahnhof verließ. Ich hab zwar noch versucht den Kerl im Aufsichtshäuschen darauf aufmerksam zu machen, dass da noch ein kleines Kind alleine im Wagon sitzt. Dieser löste sofort seinen Blick von seiner Zeitung und reagierte promt… mit Schulterzucken!!! Ist schon nicht schlecht so ein Ansprechpartner am Bahnhof. Selbstverständlich hab ich mir auch einmal ein klassisch bayrisches Frühstück gegönnt. Na Okay, Frühstück ist eigentlich übertrieben – schließlich war es schon nach 12:00 Uhr – aber immerhin gab’s Weißwurst und Weißbier. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir das ganze sogar geschmeckt hat und ich zur Zeit ein paar Weißwürste inklusive süßen Senf in meiner Wohung beherberge. Nach dem Frühstück ging’s dann an den Isarstrand und nach einem ausgiebigen Sonnenbad zurück in die WG von Hörnchen. Dieser hat übrigens einen Japanologie studierenden Mitbewohner dessen Freundin natürlich auch Jabanerin ist. Damit aber nicht genug. Da man ja nicht von Beruf Japanerin sein kann, hat sie sich noch was anderes ausgesucht… und zwar Köchin. Folglich gab’s an dem Abend auch noch ein frisches typisch japanisches Essen. Man könnte also sagen, dass das ein denkbar perfekter Tag war… ;o) Viel wichtiger als der Papst und das Weißwurstfrühstück ist natürlich das Oktoberfest. An die Dienstreisen und Schulungen kann man viel besser gewöhnen, wenn man immer da hinfliegt, wo gerade ein Fest ist. (Ob ich zum nächsten Spring Break eine Schulung in Florida ranorganisiert bekomme?) Mit Heike hab ich mich auf jeden Fall auf den Weg auf die Wiesn gemacht. Ich war selbstverständlich vollkommen underdressed, aber mich für den kurzen Auftritt in Unkosten zu stürzen um damit eine Lederhose zu finanzieren, wäre vermutlich übertrieben gewesen. Heike hatte ja schließlich auch kein Dirndl an und so sah ich lediglich neben ihrer Freundin Doreen etwas unpassend gekleidet aus. Der Abend selbst war auf jeden Fall ein echter Hammer. Gut, dass ein Kerl an unserem Tisch meinte sich mit einem Tischnachbarn schlagen zu müssen hat die Stimmung kurzzeitig getrübt, aber diese Wolke haben wir sofort wieder mit einer Maß weggespült. Von diesen waren es an dem Abend genau 3 an der Zahl und ich kann nur dankbar sein, dass man pünktlich um 23:00 Uhr aus den Zelten getrieben wird, da ich es sonst vermutlich nicht wieder pünktlich zur Schulung geschafft hätte.