So, die Klausuren sind geschafft. Die Abschlussfahrt ist gemeister. Jetzt fehlt nur noch etwas Urlaub. Ich habe meinen kompletten Jahresurlaub, die mir für meine letzten 9 Monate bei DaimlerChrysler zustehen, zusammengehalten und verprasse sie jetzt in einem riesigen 4-wöchigem Konglomerat aus Lernen, Auszugsbemühungen, Papierkram, Prüfungen und Urlaub. Letzteres sollte nach langfristiger Planung entweder nach Ungarn oder nach Spanien gehen. Nachdem auf der Abschlussfahrt jedoch schmerzlich aufgefallen ist, dass wir zwar tolle Ideen hatten, die Umsetzung jedoch der Umsetzung bedarf (wie logisch) und wir uns bis dato noch keinem Reisebüro genähert hatten, konzentrierten sich unsere Bemühen schlagartig Richtung Ostsee um dort bei dem perfekten Wetter dem Sonnenbaden und Beachvolleyball zu frönen.
Reiseziel:
Unterkunft:
Was läßt sich über Graal Müritz sagen? Der Ort liegt direkt am Meer und so auch unser Hotel. Um genau zu sein waren es gerade mal 2 Minuten Fußweg und man stand mit den Beinen im Wasser.
Ein Beachvolleyballfeld lag nur knapp entfernt und so konnten wir uns dem Strandleben hingeben. Das Hotel selbst hatte sich seine 4 Sterne bereits vor einiger Zeit verdient und so stellte sich bei näherer Betrachtung der Plakette am Eingang heraus, dass diese bereits abgelaufen war. Wenn sich also nicht noch irgendwo eine zweite offiziell aussehende Plakette befindet waren wir faktisch in einem Null-Sterne-Wellness-Hotel mit Pool, Saunalandschaft, Fahrradverleih, Lounge, Tischtennis und Kinderspielplatz. Das Gebäude an sich war vermutlich vor mindestens 20 Jahren, vermutlich eher vor 50 Jahren für irgendwelche Bonzen erbaut worden. Ob sich noch irgendwelches Stasizubehör in den Plattenbauwänden versteckte konnte nicht herausgefunden werden (wir hoffen jedoch auf das beste). Liebvoll verziert und frisch tapeziert konnte das Haus zwar nicht über seinen geschichtlichen Ursprung hinwegtäuschen. Ein Hauch von Luxus wollte jedoch trotzdem aufkommen.
Das Gästeklientel setzte sich zu großen Teilen aus Rentnern zusammen und nur vereinzelt konnte man Familien sehen.
Verpflegungsmöglichkeiten in Graal Müritz:
Fatal wurde es vor allem, als wir uns am ersten Tag gegen 23:00 Uhr auf die Suche nach einem Restaurant im “Ortskern”machen wollten. Beim Italiener wurden wir darauf hingewiesen, dass der letzte Zug nach Rostock um 22:58 Uhr fuhr und sich die Köche folgerichtig bereits aus dem Staub gemacht hatten. Einzige und letzte Möglichkeit war dann noch der Grieche in der “Nähe”, der uns zwar nur etwas widerwillig die ersten Ouzos auf den Tisch stellte, uns jedoch trotzdem nicht verhungern ließ. Ich selbst finde diese Mangelausstattung mit Restaurants in einem Touristenort zwar katastrophal, den Großteil unserer Hotelnachbarn wird es aber vermutlich eh nicht gestört haben, da diese eh schon gegen 21:00 Uhr das zeitliche… ähh.. geschlafen haben werden.
Norddeutsche Gastfreundlichkeit:
An dieser Stelle noch ein Wort zur Norddeutschen Gastfreundlichkeit. Vor dem Urlaub hatte ich ja so einige Theorien: Mecklenburg Vorpommern leidet an Überalterung der Gesellschaft bzw. an Landflucht der jüngeren Generation. – Das konnten unsere Eindrücke einigermaßen bestätigen. Zweitens: MP zählt zu den strukturschwachen Regionen. Folglich sollten sie sich über jeden zahlenden Gast freuen und in den Restaurants ein Mindestmaß an Service und Gastfreundlichkeit an den Tag legen. Dittens: Da Graal-Müritz offiziell als Kurort ausgeschrieben ist, sollte damit gerechnet werden können, dass sich die Geschäfte auf mehr als 20 Touristen eingestellt haben. – Was bei unserem Hotel ganz gut klappte, suchten wir in der Ortschaft bzw. an der Strandpromenade selbst vergeblich. Oft wird den Hauptstädtern ja der “Berliner Charme” vorgeworfen. Deshalb bin ich ja der Meinung, dass wir recht abgehärtet waren. Aber auf’s übelste angeranzt zu werden, weil man in einer Fischbude an der Theke steht und damit dem Besitzer/Gastwirt im Weg steht, muss nicht wirklich sein. (Schon garnicht, wenn ein freundliches Wort genauso effektiv gewesen wäre.)
Um nicht die gesamte Region schlecht zu reden muss natürlich gesagt werden, dass das Einzelerlebnisse waren. Und zumindest bei dem Italiener gab es auch Aushilfen, denen der Servicegedanke nicht fremd war. Sowas wird dann natürlich auch mit entsprechend hohem Trinkgeld belohnt (nicht ohne sich vorher zu erkundigen, ob derjenige das Trinkgeld auch wirklich behalten darf).
Gordon aka. Chuck Norris:
Aber nicht alle waren unfreundlich. Für Herren unseres Alters gibt es ja quasi nur ein paar Gründe, sich dem Beach-Volley zu widmen.
- Wir sitzen nicht wie alle anderen nutzlos in der Sonne rum und braten im eigenen Fett,
- durch die Bewegung merkt man nicht, ob man Sonnenbrand hat (ob das jetzt gut ist sei mal so dahingestellt),
- die sportliche Betätigung vermindet das schlechte Gewissen so lange nix mehr gemacht zu haben und
- und der wohl wichtigste Grund: Beachvolleyballfelder sind der Magnet für alle halbwegs Sportbegeisterte zwischen 18 und 28
Hansesail:
Mit den Öffentlichen machten wir uns jedoch nicht gleich Richtung Rostocker Hafen auf sondern besuchten zuerst Warnemünde um uns neben dem Strand auch etwas zu Essen reinzuziehen. Nach kurzer Suche und mit Hilfe des ortskundigen Christoph trafen wir auch bald auf einen Mexikaner, der uns köstliches Essen anpries. Blauäugig wie wie waren, hatten wir natürlich nicht damit gerechnet, dass sich Nachmittags um 16:00 Uhr bereits ein Restaurant Happy-Hour auf die Fahnen geschrieben hatte. Als wir nach einiger Zeit aus der Örtlichkeit heraustorkelten, war der Rest des Abends schon vorprogrammiert.
So schnell wir konnten, machten wir uns auf den Weg zur Hansesail um dort von einem rummelartigem Gebilde mit hunderten von Menschen empfangen zu werden. Am Horizont waren vereinzelt Bote zu erkennen die jedoch nur mithilfe einer Machete zu erreichen gewesen wären. (Und selbst dann wäre es keine schöne Sache geworden…) Folglich versuchten wir uns erst einmal entsprechende Kleidung oder besser gesagt Kopfbedeckungen zu besorgen und in das Volksfestleben einzutauchen. Diese fanden wir auch an der ersten Havanna-Club-Bar: robuste Strohhüte für nur jeweils 5 Cuba Libre – also quasi geschenkt. Noch geschädigt vom Pokerspielen der letzten Abende, brachte Stefan die tollkühne Wette, dass er Christoph und Matze, die beide “nicht mehr ganz nüchtern” waren eine Fahrt mit der Riesenschaukel zu bezahlen unter der Bedingung, dass diese ihm den gleichen Betrag zahlen würden, wenn Sie ihren Mageninhalt nicht behalten könnten. Die beiden Havanna-geschädigten gingen All-In und hofften, dass ihnen bei der Fahrt nicht plötzlich alles All-Out kommen würde. Besagte Riesenschaukel war ein ca. 25 Meter hohes Konstrukt, dass die Insassen in furchteinflößende Höhen hebte und anschließend in einer Kreisbewegung zu Boden fallen ließ (inklusive Überschlag der Schaukel und der Gondel). Später in der Nacht würde Matze die Höhe der Schaukel großzügig auf 100.000 Meter aufrunden um dem ganzen die angemessene Tragweite seines Mutes angedeihen zu lassen.
Nach weiteren Getränken machten wir uns schließlich auf in einen Club und feierten noch ein wenig, um dann schließlich mit dem Taxi die Heimreise anzutreten. Alles in allem war das auf jeden Fall eine sehr lustige Partynacht. Dass ich zwar nicht ein einziges Boot/Schiff/Yacht/Fregatte angemessen begutachtet habe ist dabei genauso gut zu verkraften wie Stefans Kommentar zu dem Abend (“Matze, du warst mir zeitweise nicht nur peinlich, sondern richtig unangenehm.”). Dass wir am nächsten Morgen pünktlich aus dem Bett kamen spricht auf jeden Fall für unsere Fitness, die wir uns in den Tagen vorher beim Beachvolleyball, Baden, Tischtennis spielen und bei der Fahrradtour auf den Darß sowie einem 4,5 km-Lauf zugelegt hatten.