Ich muss mir langsam angewöhnen Kölsch zu lernen, damit ich mich auf Arbeit voll integrieren kann. Bis jetzt habe ich mich durch zahlreiche Schulungen geschlagen und dabei nicht nur eine Menge über SAP und Rückversicherungen gelernt sondern auch, welche Hotels es so in München und Umgebung gibt. Inzwischen hab ich damit schon fast einen Monat zugebracht und war inzwischen öfter in München als in Köln. Aber was soll’s. Es gibt ehrlich gesagt auch schlimmeres. (Obwohl ich dann vermutlich doch erst Bayrisch und erst danach Kölsch lernen sollte.) München ist zumindest eine nette Stadt. Das Wetter ist auch gut und ich kenne ja zum Glück noch ein paar Leute. Doch das werde ich wohl noch in ein paar anderen Beiträgen verarbeiten. Erstmal ein paar Gedanken zu meiner neuen Heimat in Köln.
Das heißt eigentlich wohne ich ja nicht in Köln, sondern in Hürth. Das ist ein Dorf-Verbund südlich von Köln. Was man über Hürth wissen muss? Tja, keine Ahnung. Die Gebrüder Schumacher wurden hier geboren, auch wenn ich noch nicht herausgefunden habe wo hier ein Krankenhaus sein soll (toi toi toi
). Davon abgesehen, ist hier denke ich nicht viel los. Ich wohne ca. 2 km von meiner Arbeitsstelle entfernt (obwohl ich hier wohl eher wenig Zeit verbringen werde, da ich ja schließlich beim Kunden arbeiten soll).Am ersten Tag musste ich natürlich erstmal meinen Kühlschrank… ach, was red’ ich… meine ganze Küche füllen. Da aber weder ich noch meine Schwester wußte, wo es einen Supermarkt in der Nähe gibt, mussten wir uns auf die Angaben meines Vermieters und eines Passanten berufen. Dummerweise lauten diese Angaben immer: “Ach, das ist gleich in der Nähe. Da fahren sie einfach hier runter, biegen rechts ab und dann… Wie, sie haben kein Auto? Oh, dann müssen sie wohl laufen. Das ist aber gleich in der Nähe. Keine Sorge.” Wir folgten den Beschreibungen nach bestem Wissen und fanden nach einem Gewaltmarsch einen Aldi. Obwohl einem der Rückweg statistische gesehen kürzer vorkommen müßte, sorgten die Taschen für das Gegenteil und ich bin mehr als glücklich, dass ich 2 Tage später ein komplettes Einkaufszentrum inklusive Kino, Saturn und Fischbrötchenverkauf entdeckt habe.
Apropos Einkaufen… Letztens habe ich noch den verzweifelten Versuch unternommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum örtlichen IKEA zu fahren. Angespornt durch die vollmundigen Beschreibungen auf der Homepage, die mir weiß machen wollte, dass dieser IKEA nicht nur mit dem Auto gut zu erreichen wäre (immerhin neben der Autobahn) NEIN, auch mit öffentlich wäre es kein Problem dort in kürzester Zeit anzukommen. Also hab ich mich auf den Weg gemacht und stieg – wie mir beschrieben – an einer Haltestelle aus von der man das Ende der Welt sehen konnte. Ein Abstecher auf die Fußgängerbrücke ließ mich am Horizont das IKEA-Wappen erkennen. Jedoch in so großer Entfernung, dass ich zwangsweise einen Bus bemühen müßte. Ein solcher kam auch gleich und ich wagte es den Fahrer zu fragen, ob dies der Bus zum IKEA wäre. Dieser guckte mich erst einmal entgeistert an. Akustisch verstanden hatte er mich schon, aber anscheinend hatte er einfach nicht mit einer Frage gerechnet. Stattdessen schien sein Blick zu fragen: “Du bist nicht von hier, oder?” Ganz klar! Wer hier aussteigt, der wohnt hier schon seit 10 Jahren und länger. Touristen und Besucher gibt’s hier quasi nicht und wenn dann sind das vermutlich Angestellte der Krankenkassen, die den hiesigen Genpool auffrischen sollen.
Es war auf jeden Fall der falsche Bus, wie er mir mehr oder weniger freundlich mitteilte. Ein Blick auf den Fahrplan ließ mich jedoch danach erstummen. Nicht nur, dass die Busse lediglich alle 20-30 Minuten fuhren. Der letzte Bus schlug hier um 19:49 auf. Das war mir dann doch etwas zu knapp und ich machte mich wieder auf den Heimweg oder besser gesagt zu meiner Schwester um noch einen Cocktail zu trinken. Glücklicherweise hatte ich zwischendurch noch an einem Baumarkt angehalten und kann so trotzdem behaupten, dass ich shoppen war. Ich werd’s wohl demnächst nochmal versuchen. Dann aber mit nem fahrbaren Untersatz und genug Reiseverpflegung.
Vollkommen abgeschnitte von der Zivilisation kann ich ja Gott-Sei-Dank nicht sein. Meine neue DSL-Flatrate vo 1&1 hat mir bisher in puncto Benutzerfreundlichkeit und Service nur Freude bereitet. Am beeindruckensten fand ich die Einrichtung des WLANs mit dem mitgelieferten USB-WLAN-Stick. Einfach in den USB-Anschluss des Routers/Modems reinstecken und schon überspielt der die Konfigurationen. Danach musste ich das Ding nur noch am Rechner reinstecken und nach einigen Installationsroutinen hatte ich ne Verbindung. Wenn das so weiter geht mit der Benutzerfreundlichkeit, sind alle Servicekräfte bald arbeitslos (wer braucht denn noch nen UHD?). Auch die Anbindung meines Telefons inklusive Einrichtung der Telefonnummer funktionierte reibungslos. Hab mir deshalb extra ein nettes Telefon gekauft, dass nicht nur über einen prolligen Touch-Pad-Nummernblock verfügt, sondern farblich auch perfekt zu meiner stylischen Schrankwand passt.
Einziger Nachteil: Das Ding hat keinen Anrufbeantworter. Aber nachdem ich gestern nach Hause kam, wurde mir mitgeteilt, dass die Telekom ungefragt eine T-Net-Box konfiguriert hat. Mein AB steht also digital in irgendeinem Serverraum. Perfekt!
Zum Schluß noch ein paar andere kleine Unterschiede zu Berlin:
1. Schwarzfahren verursacht hier überhaupt keine Magenschmerzen, da sich in den Bahnen selbst Fahrkartenautomaten befinden. Bis jetzt habe ich diese jedoch noch nicht eine einziges mal benutzt.
2. Die Kölner versuchen ihren ÖPNV wie den einer Großstadt aussehen zu lassen. Um das zu erreichen, gibt es hier sogar S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn. Das lustige ist nur, dass eine einzige Linie alles drei sein kann. Im grunde sehen die nämlich alle aus wie Straßenbahnen. Aber je nachdem wie sie gerade fahren (Unterirdisch, auf der Straße, extra Schienenbett) werden sie anders benannt. Vermutlich haben sich die Stadtplaner mal mit alternativen Beförderungsmitteln auseinander gesetzt und sind dann zu der ur-rheinischen Erkenntnis gelangt: “Kenne mr nit, bruche mr nit, fott domet.” (§4a Rheinisches Grundgesetz)
In diesem Sinne…