BA-Abschlussfahrt
So langsam neigt sich das Studium dem Ende zu und man muss sich fragen, wie man das Ganze abschließen kann. Um genau zu sein hat sich mein Kurs in einer klassisch demokratischen Abstimmung unter berücksichtigung aller vereinbaren Einzelwünsche auf das schöne Abschlussfahrtsausflugziel Center-Parcs geeinigt. Allein schon die Beteiligung von rund 88% des Kurses soll dabei lobend Erwähnung finden. Dazuhgehörige Fotos findest du hier.
Was ist passiert? Am Freitag morgen des 21.07.2006 versammelten sich ca. 21 angehende Wirtschaftsinformatiker an der Autobahnauffahrt in Pankow um den beschwerlichen Weg Richtung Hannover bzw. Hamburg anzutreten. (Der Park liegt da irgendwo in der Nähe.) Zwei weitere machten sich aus entgegengesetzter Richtung (nämlich Düsseldorf) auf ins geheiligte Land.
Geblendet von Werbespots, die vor einigen Jahren im Fernsehen zu sehen waren, hatten wir uns schon ein genaues Bild gemacht und uns sicherheitshalber auch den betsen Park (5 anstatt 4 Sterne wie die anderen Inländischen Parks):
Soweit zur Theorie: Obwohl wir unsere Erwartungen, schon aufgrund des Realismusgehalts etwas nach unten geschraubt hatten, wurden wir etwas überrascht. Ich muss weder Geologe noch irgendwie anders bewandert sein, um die Lebensgeschichte eines Center-Parcs wieder zu geben. Ein Mitarbeiter (vermutlich aus Schweden) sucht auf einer Landkarte eine Stelle, die möglichst genau zwischen zwei Autobahnen liegt. Damit sorgt er schon einmal für die nötige Natur, und natürlich für die totale Unerreichbarkeit mit dem Auto. Hat er sich bis dahin durchgeschlagen, wird überprüft, ob genügend Wald vorhanden ist. Idealerweise sollte dies natürlich Nadelwald sein, damit man sich möglichst wenig Gedanken um am Boden angesiedelten Pflanzenbewuchs machen muss.
Anschließend rollen die Bagger an. Sie schlagen ein paar verschlungene Straßen in den Waldboden und asphaltieren das ganze zu. Krönender Abschluss wird ein Rundkurs, der den gesamten Park einschließt. Nun folgen die Häuslebauer. Alle 10 Meter wird ein Haus zusammengeschraubt und mit der Hauptstraße verbunden. Evtl. im Weg stehende Bäume werden sorgfältig abgeholzt oder so weit umgepflanzt, dass sie gerade nicht mehr die Wohnungstür blockieren. Zuguter letzt Rollen die Schaufelbagger an und verpassen dem zerfurchtem Stück Wald den Rest. Hinter jedem Haus werden Gräben ausgehoben, die anschließend mit Grundwasser vollaufen. Etwas mehr Arbeit macht man sich bei dem “großen” Badesee. Dieser wird mit Kunststofffolie ausgelegt und an entscheidenen Stellen mit weißem Sand fixiert, der dann gleichzeitig als Strand herhalten kann. Die ausgehobenen Stellen könne schlussendlich als blaue Flecken auf der Karte markiert werden. Was dann aussieht wie die Idylle pur entpuppt sich bei genauerem hinsehen als Brutstätte für Mücken und Algen. Nur dem geschulten Auge fällt auf, dass die einzigen Zuflüsse der Badeseen die Bungalows in der nähern Umgebung sind. Eine Entsprechende Farbe hat dann auch das Wasser, dass einen bräunlichen Film auf der Haut hinterläßt. Ein Besuch im Kleinkindergeschwängertem Hallenbad ist also Pflicht um größerem Unheil zu entgehen. Bei dem Ausmaß dieser Ernüchterung war es geradezu Ironie, dass des Öfteren Skandinavier im Park zu beobachten waren, die sich doch in ihrer Heimat ein viel lauschigeres Plätzchen hätten suchen können. …Sachen gibt’s!Unsere gemäßigte Stimmung bei der ersten Besichtigung der Örtlichkeiten war also verständlich. Da wir aber eh keine andere Wahl hatten… Geertjes Auto mußte in die Werkstatt. Der Fluchtweg war also abgeschnitten. …blieben wir und versuchten das beste draus zu machen. Der erste Abend verlief etwas schleppend und wurde vor allem durch den unermütlichen Einsatz von Alkohol am leben erhalten. Schlussendlich konnten sogar einige Pokerspieler aus dem Haus gelockt werden und dem gemeinsamen meckern über diesen Park (und nicht zu vergessen über das Studium – war ja schließlich eine Abschiedsfahrt) stand nichts mehr im Wege.Am nächsten Abend mußte auf jeden Fall etwas anders werden sagten wir und entschieden uns für einen Besuch in der nächsten Disco, die wir bereits auf dem hinweg ausgemacht hatten.
Zuvor jedoch sollte uns der sonnige Samstag den Tag versüßen und wir begaben uns zum hiesigen (und einzigem) Volleyballfeld, das gerade mal 15 Minuten Fußweg entfernt war. Das Netz ragte bis in zwergwuchsfreundliche Höhen empor und die Sonne tat ihr übriges um uns der Reihe nach in die braune Brühe zu stürzen. Erkenntnis über die Wasserqualität konnte man anschließend am sonnengetrockneten Körper sammeln. Noch immer hoffe ich, dass es die dreckkruste war, die abblätterte und nicht die oberste Hautschicht, die sich ablöste. Bis auf Torsten haben wir alle diese Badeausflüge schadlos überstanden und auch der Ekel vor dem morastigen Grund hielt sich in Grenzen, wenn man zwischendurch auf einen größeren Stein stieß, der sich aus dem Algen-Entenkot-Gemisch erhob und genügend Platz für einen Fuß bot. Der anschließende Besuch im “Aqua-Sana”, der hiesiegen Badeoase, brachte uns schlussendlich zu der Erkenntnis, dass…
1. große Rutschen nicht nur was für Kinder sind,
2. Outdoorbecken nicht immer kalt, sondern auch badewannewasserwarm sein können,
3. Wasserballrugby in großeren Menschenmengen doppelt soviel Spaß macht und
4. Wildwasserstrecken für Kleinkinder nur mit äußerster Vorsicht benutzt werden sollten, da man sich sonst die Knie aufschlägt.
Alles in allem auf jeden Fall ein gelungener Abschluss des Tages.Hab ich Abschluss gesa… ..schrieben? Der Abend war natürlich noch nicht zuende. Der besagte Diskobesuch sollte die vom planschen ermüdeten Lebensgeister wecken. Also auf zum “Welcome�” das uns schon durch seinen rellativ stylischen Schriftzug über der Tür auffiel. Geertjes Auto war inzwischen repariert und so machten wir uns auf den Weg.. nur um dann an der Tür die Aufschrift: “Sommerpause – Disco geschlossen” lesen zu dürfen. Ohne jetzt den Großstädter raushängen zu lassen: Das hab ich noch nicht gesehen! Glücklicherweise waren die Betreiber in der Nähe und erklärten uns den Weg zu einer anderen Disco in “der Nähe” nach einer viertelstündigen Autofahrt schlugen wir vor besagtem Club ein und suchten uns eine der zahlreichen leeren Ecken, um von dort aus auf die leere Tanzfläche zu starren. Nachdem der Alkoholpegel ein erträgliches Maß erreicht hatte machten einige den ersten Schritt und bevölkerten die Tanzfläche, die bis dahin ein einsames Dasein fristete. Auch wenn sich im Laufe des Abends nur wenige “Locals” zu uns gesellten, so kann man doch mit einiger Sicherheit sagen, dass wir den Laden GEROCKT haben. Abgesehen von einigen Entgleisungen war die Musik auch Tanzbar und so konnten einige Kommilitonen ihre Tanztechniken präsentieren. Dabei soll zum einen der Tanzstil der schwankenden Trauerweide und der Riverdance-DeLuxe besonders hervorgehoben werden. Verletzte gab es auf unserer Seite keine, allerdings hat sich beim pogen ein local eine Sehne angerissen (oder so ähnlich). Wir blieben auf jeden Fall bis zum Morgengrauen und verließen schließlich den Laden in einer Polonaise. Vermutlich wird der Laden danach auch zu gemacht haben, denn im Grunde konnte danach nichts mehr los sein.Am nächsten und Tag sollte es wieder etwas ruhiger zugehen. Früh am morgen – so gegen 12:00 Uhr – begann der Tag und man mußte seine Augen nicht nur wegen der strahlenden Sonne sondern auch wegen den nicht zu verachtenden Kopfschmerzen zusammenkneifen. Gordon hatte sich schon längst von seiner üblichen Schlafstätte befreit und war vermutlich schon wieder am Sport machen. Der Strand bot zumindest einigen Frühaufstehern ertragbaren Schatten und gegen 16:00 Uhr hatten sich auch die letzten aus den Betten gequält, so dass wieder einmal unsere sagenumwobenen Beachvolleyball-Skills geschult werden konnten. Am Abend machten wir uns dann noch auf den Weg zum Fußballplatz und konnten dort sehen, wo das Wort “Bolzplatz” erfunden worden sein muss. Bis an den Rand der Erschöpfung wurde dort gespielt, wobei zum Schluss ein faires Unentschieden zu begießen war. Das Kopfballduell mit Ecke konnte ich zwar nicht für mich entscheiden, aber dafür hab ich aus der Begegnung eine schöne Gehirnerschütterung… nee, Schädel-Hirn-Trauma klingt besser. …mitnehmen können, die mich noch weitere 1,5 Wochen beschäftigen sollte. Den Abend verbrachten wir anschließend wieder auf der Straße zwischen unseren Bungalows. Dort konnten dann auch noch die ein oder anderen Erlebnisse aufbereitet werden. So zum Beispiel die Anekdote “Wie Christoph, Matze und Stefan zu einer Bratwurst kamen.” – die ich hier jedoch nicht weiter erläutern will. Merken kann man sich nur eins: Wer sich mit einem Bademeister anlegt, der sollte 1. verdammt dreist sein und 2. genügend Glück. Hat man genügend vom letzteren, so bekommt man evtl. vom Geschftsführer einen Ausgegeben. Den Abend beendeten wir nach ettlichen Runden Mafia in denen sich ganz klar das kriminelle Potential von einzelnen Kommilitonen erahnen ließ, während andere wiederum (z.B. ich)noch nicht einmal einen Lolli aus dem Supermarkt klauen könnten ohne dabei rot zu werden.
Wie dem auch sei. Die Fahrt war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Entgegen der anfänglichen Befürchtungen hat sich der Centerparc als erträgliche Bleibe präsentiert und wir können wenigstens behaupten, dass wir sowas wie eine Abschlussfahrt hatten.
PS: Zum Schluss soll noch Gordon lobend erwähnt werden, der nicht nur auf sein eigenes Bett verzichtet und auf der Couch genächtigt hat damit Thomas schlafen konnte sondern auch, weil er am Disco-Abend mehr als einmal den Shuttlebus spielen musste, den Einkaufsfahrer miemte und im Durchschnitt nur 4 Stunden Schlaf hatte. Folglich gibt’s nochmal ein dickes *Applaus* !!!
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