Durban

Inzwischen sind mehr als zwei Wochen seit meiner Rückkehr nach Deutschland vergangen und trotzdem habe ich es nicht geschafft meinen letzten Beitrag zu schreiben. Das soll natürlich nachgeholt werden.

Nachdem meine Mutter sich auf den Weg nach Hause machte und war ich natürlich bereit die letzte Woche einzuläuten. Eigentlich war der Urlaub viel zu kurz und eigentlich war ja auch das ganze Praktikum zu kurz. Zu kurz auf jeden Fall, um noch ein zweites mal an den Indischen Ozean zu fahren… dachte ich. Für das letzte Wochenende waren nämlich zwei Geburtstagspartys angesetzt mit exquisiten Gästen. Soll heißen: Alle deutschen Praktikanten, die sich in den letzten drei Wochen verabschiedet hatten würden noch einbmla für einen letzten Tag da sein um noch einmla richtig zu feiern. Den erzählungen zufolge war es auch sehr lustig… Naja, logisch. Zur Feier des Tages ging es schließlich ins Teazers, einer Stripbar in Johannesburg mit Table-Dance und allem was dazu gehört. Allerdings wußte ich das noch nicht, als mir der Alternativvorschlag angeboten wurde. Nämlich eine Fahrt nach Durban. Das ist nicht nur die zweitgrößte Stadt Südafrikas, sondern auch noch eine “Metropole” am Indischen Ozean. Lange Rede kurzer Sinn: Während sich meine Mutter geschlagene zwei Stunden auf dem Johannesburger Flughafen wartete und sich das Gewitter vom Rollfeld aus anguckte, saß ich mit Johann, Charl und Corn im Wagen gen Osten. Selbst wenn ich gewußt hätte, was mir am Wochenende in Pretoria/Johannesburg entgehen sollte, hätte ich meine Entscheidung wohl nicht geändert. Schließlich gab es zwei entscheidende Gründe: 1. Den Ozean und 2. ein letztes Wochenende mit meinen Mitbewohnern.

Die Fahrt an sich war ganz lustig. Eine kleine Herrausforderung bildete natürlich das Surfbrett, das Corn mitnehmen wollte. Mit eingeklappter Rückbank hat es dann aber doch geklappt. Freilich wirkte Corn weder elegant noch verkehrszulässig. Aber was will man schon erwarten, wenn man auf einem Brett liegt und versucht nicht in den Kofferraum abzudriften. Neben extra angefertigten Mixtapes (ja, ich rede von Kassetten) hatten wir uns noch das Hörspiel “Hitchhiker Guide to the Galaxy” besorgt. Damit hab ich jetzt vermutlich jeden Variante dieser Bücher gesehen/gelesen/gehört. Wenn es noch eine alternative Variante gibt (Stummfilm etc.) bitte ich um eine sofortige Benachrichtigung.
Nach ettlichen Mautstellen kamen wir in unserem Backpacker an. Angel Rock befindet sich nur wenige Meter vom Strand entfernt. Die Leute dort begrüßten uns nicht nur mit einem freundlichen Hallo, sondern auch mit einigen kühlen Bierchen. Die Abrechnung wurde dabei sehr clever und gemein zugleich ausgeklügelt. Sobald man sich was zu trinken bestellt mußte man nämlich seinen Namen angeben. Auf diesen Zettel wurden dann nicht nur alle Getränke sondern auch gleich die Miete und das optionale Frühstück vermerkt. Dabei hat man garnicht gemerkt wieviel man eigentlich vers..verbraucht. Am späten Abend kamen dann auch die restlichen Franzosen an. So ganz stimmt das natürlich nicht. Es war auch noch ein Deutscher und eine Amerikanerin dabei. Der komplette Haufen war in dem Backpackers jedoch schon berühmt berüchtigt. Vor einigen Monaten spielte hier nämlich die Französische gegen die Südafrikanische Rugby-Mannschaft. Das hatte dann zur Folge, dass 15 Franzosen in blau-rot-weißer Farbe durch die Straßen zogen. Das sollte an diesem Wochenende aber keine Rolle spielen. Der Abend war sehr lustig und man fragt sich ernsthaft wie so das Leben sein muss, wenn man ein solches Backpackers sein Eigen nennen kann.
Der nächste Tag führte uns in die Stadt. Dort sollte es nämlich einen Indischen Markt geben, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Also machte ich mich mit 6 anderen auf den Weg durch das Einbahnstraßenwirrwarr von Durban. Den Markt fanden wir jedoch nicht. Zwar waren da eine Menge Inder und indische Restaurants, aber einen Markt wie wir ihn erwartet hätten gab es nicht. Trotzdem war es ein Erlebnis. Normalerweise vermeidet man es ja sich als Weißer in einer Innenstadt aus dem Auto zu wagen. Demzufolge wurden wir auch etwas ungläubig angeguckt. Verständlich, denn in der Tat waren wir die einzigen Europäer, die wir in den nächsten drei Stunden zu sehen bekommen sollten. Das indische Essen war auf jeden Fall lecker und auf jeden Fall ein Grund, es mit dem Trinken am Abend nicht zu übertreiben. Sollte einem so ein Essen nämlich noch einmal hochkommen, so könnte das mehr als schmerzhaft werden.
Den Nachmittag verbrachten wir dann bei einem gemütlichem Billardspiel, während wir uns mental auf den Braai vorbereiteten. Tatsächlich habe ich es an diesem Abend geschafft, mich im Fireplay zu üben. Erstaunlicherweise klappte das sogar ganz gut. Soll heißen: Ich habe mich nicht verbrannt. Abgesehen davon war der Abend rellativ ruhig. Charl und Corn machten sich in einen Gothik-Club auf. Da mir danach an diesem Abend nicht der Sinn stand und ich mich auch nicht auf einer Filmparty mit Johann, aber ohne Übernachtungsmöglichkeit einlassen wollte, widmete ich mich den “Daheim”gebliebenen.
Am nächsten Morgen war natürlich wieder einmal Baden gehen angesagt. Das Wetter konnte ich zwar auch diesmal nicht überreden, ein wenig Sonne durchgucken zu lassen, aber wenn es etwas zu kalt wird, kann man ja einfach ins warme Wasser gehen. Um keinen Tag ohne Neuerung verstreichen zu lassen… und weil ich vermutlich in naher Zukunft keine andere Chance bekommen würde …versuchte ich mich im Surfen. Besonders elegant sah das allerdings nicht aus. Ich muss allerdings zu meiner Verteidigung sagen, dass die Wellen nicht gerade der Hammer waren. Dazu kam noch, dass eigentlich viel zu kleine Brett. Das brachte es nämlich mit sich, dass man schon eine beachtliche Geschwindigkeit drauf haben musste, damit einen das Board tragen konnte. Da mir das aber nicht so richtig gelingen wollte, scheiterten meine Versuche schon beim Aufstehen. Was soll’s! Zumindest hab ich es versucht und konnte mich so ohne schlechtes Gewissen am Sonntag Nachmittag auf den Rückweg machen…
Der Brüller des Wochenendes war natürlich das Backpackers. Das war nämlich einer von der Sorte: “Ich wollte Urlaub für zwei Tage und blieb ein ganzes Leben.” Genauso ist es Corn dann auch ergangen. Als die Besitzer ihr nämlich einen Job anboten, nahm sie ihn auch prompt an… Natürlich nicht unbedingt zur Freude von Charl. Trotzdem kann man es ihr nicht übel nehmen. Die Chancen in Südafrika an einen Job zu kommen sind minimal. Wenn man dann einen gefunden hat (und dann noch einen wo man surfen kann) sollte man die Gelegenheit natürlich beim Schopf packen.

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