So, jetzt muss ich aber mal wieder ran und meine Urlaubserlebnisse niederschreiben. Wie der aufmerksame Leser ja mitbekommen haben wird, liegt mein letzter Beitrag schon wieder einige Zeit zurück. Das lag nicht etwa an meiner schwindenden Motivation, sondern am schönen Leben im sommerlichen Südafrika.
Sommer? Moment mal! In Deutschland ist Herbst, dann müßte hier doch Frühling sein, oder? Jaja, das ist rein rechnerisch natürlich richtig. Hier unten sagt man allerdings, dass es keinen Frühling in dem Sinne gibt, sondern der ausklingende warme Winter gleich in den heißen Sommer überschwappt.
Um der Hitzewelle zu entgehen habe ich mir also Urlaub genommen und mit meiner Mutter, die mich aus Berlin besuchen kam, 10 Tage lang die Gegend unsicher zu machen. Also sammelte ich sie am Mittwoch dem 5.10. nach einer zweistündigen Geduldsprobe am Flughafen auf um einen Tag später wieder beim selbigen vorbei zu schauen.
Wohin ging’s? Was für eine Frage. Nach Kapstadt natürlich. Das fehlte schließlich noch auf meiner Liste.
Tag 1: Vor einigen Wochen hatte ich uns ja schon eine Unterkunft und ein “Auto” unter www.adams-place.de und einen der Linienflüge von South African Airways gesichert. Nach dem Flug nach Südafrika mit Iberia konnte man sich nun also auf einen Flug mit Service freuen. Einzig die Tatsache, dass man bereits 1,5 Stunden vor Abflug am Flughafen sein musste trübte das Bild. (Aber dafür kann ja die Fluggesellschaft nichts.) Johann war so freundlich uns zum Flughafen zu bringen und so ging es nach einer kurzen Fahrt und einem kleinen Schreckmoment, als ein Stein einen fingelnagelgroßen Einschlag auf der Windschutzscheibe verursachte, auf zum Bordingbereich. Der Flug war angenehm und die Wolken, die einem in Johannesburg noch den Blick vernebelt hatten, verschwanden pünktlich nach dem Mittagssnack mit Sandwich und Tee. Irgendwann war dann der Ozean zu sehen und auch die ersten Häuser zeichneten sich ab. Hier und da ein Weinberg. Ab und zu ein paar Berge, als hätte sie dort jemand liegen lassen. Und endlich auch der heiß ersehnte Tafelberg, der mit seinen 1087 Metern aus dem Boden ragte.
Nichts dergleichen sollte uns widerfahren. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir unser Domiziel und könne und über ein Haus freuen, das quasi genau zwischen Partymeile und Tafelberg angesiedelt ist. Freudig werden wir von Verena (Pharmazie-Studentin) begrüßt. Sie, und alle anderen Mitbewohner kommen aus Deutschland und absolvieren hier ein kostenloses Praktikum. In einem Krankenhaus bekommt man es dann mit so netten Sachen wie Malaria, Kongo-Fieber und einem Haufen Aids-Patienten zu tun. Da wird mir klar, warum ich Wirtschaftsinformatik studiere.
Nach einem ersten Einkauf zu Fuß (der erste seit 2,5 Monaten) bekommen wir unser Auto. Ein weißer City-Golf, wie er hier in Südafrika des öfteren Angetroffen werden kann. Die Aussage, dass dieses Auto gerade neu gekauft wurde lässt in mir die Zuversicht keimen, einen zuverlässiges Gefährt gemietet zu haben. Inzwischen ist es 15:30 und wir machen uns auf den Weg zum Tafelberg als erste Touristenanlaufstelle. Wir parken unser Auto vor der Gondel und wundern uns plötzlich nicht mehr, wie es dieser Berg auf die stolze höhe von über einem Kilometer schafft. Ein Abstecher zu www.wikipedia.de informiert mich im nachhinein davon, dass dieser Kolloss sogar mal über 5000 Meter hoch war. RESPEKT! Oben angekommen machen wir uns auf die Wanderung. Nach 1,5 Stunden glauben wir schon ein gutes Stück des Plateaus überwunden zu haben und müssen erstaunt feststellen, dass wir gerade mal einen kleinen Zipfel abgelaufen haben, der gerade mal 10% des Durchmessers ausmacht. Zumindestens hat man nun eine Vorstellung, wie groß 6500 ha sein können. Der blaue Himmel und die langsam untergehende Sonne bieten uns einen unglaublichen Ausblick, der sich auf Fotos nur schlecht einfangen läßt. Wir genießen den Augeblick und lassen es erst einmal ruhiger angehen. Eine kurze Pause am Hang wird zum kurzen Klamottenwechsel genutzt (Ist ja doch etwas windig hier oben) und artet zu guter letzt in einer erzieherischen Maßnahmen aus. Nachdem ich mich nämlich wieder aufraffen möchte, werde ich um Haaresbreite von einer Wasserflasche verfehlt. Das hätte auch ins Auge gehen können, denk ich mir, denn im Gegensatz zu der Flasche ist mein Kopf nicht unkaputbar. Irgendsoein Lausebengel meinte doch tatsächlich er müßte der Aussage seiner Eltern (Zitat:“Wir hinterlassen diesen Berg sauber!”) folge leisten, indem er besagte Flasche in Richtung Abgrund wirft. naja, ist ja nix passiert und ich bin mir nicht sicher, was für den Knirps unangenehmer war. Dass er sich entschuldigen musste, oder dass der das auf Englisch tun sollte.
Gegen 18:30 Uhr erreichen wir den von deutschen Touristen geschwängerten Ausgangspunkt und können gerade noch so den feurig roten Sonnenuntergang genießen, bevor wir mit der letzten Gondel nach unten gondeln. In der Zwischenzeit hatte ich mich mit Chris und seiner Freundin verabredet, die ja ebenfalls in Cape Town waren und in zwei Tagen die Heimreise antreten wollten. Wir trafen uns im “Mama Africa” wo wir uns zu Reggea-Rock-Latino-Rythmen unserem schmackhaften Essen widmeten. Im Gespräch stellt sich herraus, dass sich die Beiden gestern im “Shark Diving” versuchten. Das Wetter war allerdings so miserabel, dass die 800 Rand pro Person vom Wellengang verschluckt wurden und ein Tauchen in keinstere Weise möglich war. Als Entschädigung bekamen die beiden zwei Gutscheine, die die Beiden mit dem Gedanken an den baldigen Heimflug annahmen und auch gleich wieder vergaßen. Da wir meinen ursprünglichen Plan, einen Abstecher zur “Garden Route” zu machen aus Zeitgründen zu den Akten gelegt hatten, bot sich für uns hier die Möglichkeit einer spannenden Alternative. 200 Euro grenzt zwar an Frechheit, aber wenn das ganze durch 4 geteilt wird, wird das Ganze doch schon wieder angenehmer. Als die Musik im Mama Africa eine weitere Unterhaltung unmöglich machte, ging es in die “Zula Sound Bar” um die Ecke im ersten Obergeschoss. Zuerst dachte ich mir: “Typisch Chris, kennt der Knabe auch Clubs, in den sich Weiße reintrauen?”, denn auf der Bühne war gerade ein südafrikanische Freestyler am texten und den Rest der Gäste sah man nur, wenn sie der Rapper zum Lächeln veranlasste. Nicht, dass ich den Laden nicht toll gefunden hätte. Ich war ehrlich gesagt sagr ein wenig enttäuscht, als wir auf dem Balkon plötzlich Weiße ohne Rythmus im Blut fanden. Mit freude stellte ich fest, dass man sich hier auch ein Becks bestellen konnte und so konnte der Abend gemütlich ausklingen.
Chris und Anna bringen uns schnell nach Hause und nach wenigen Minuten geht die Reise ins Land der Träume los…. AAAAAHHHHHHH. ***RUMPEL*** ***KRACH*** ***STAMPF*** ***GRÖHL**** etc…. Ach siehe da, die anderen Mitbewohner kommen von der Party wieder. Mit unverkennbarem Ruhrpott-Dialekt werden auch wir von der Erstklassigkeit der Party überzeugt. Okay, irgendwann wird’s ja aufhören denk ich mir und versuche den Krach zu ignorieren. (Ist eben kein Hotel.) Minuten vergehen… irgendwann schnappe ich mir ein Herz und weise die Meute darauf hin, dass man zumindest die Tür zu machen könnte, wenn man den Abend Revue passieren lassen will. Siehe da: Auf einmal wird es ruhiger, der Adrenalienspiegel meiner Mutter senkt sich wieder, meine Augen fallen zu und weiter geht’s mit … *schnaaarchhh*
Tag 2: Pünktlich um 9:30 Uhr klingelt der Wecker. Richtig Ausschlafen kann man ja schließlich wenn man Urlaub macht. Für heute steht das Kap der guten Hoffnung auf dem Programm. Dass man dort einen kompletten Tag zubringen kann hätte ich zwar auch nicht gedacht, aber man läßt sich ja gerne belehren. Also reingeschwungen ins Auto und auf zu neuen Ufern.
Nach einiger Zeit erreichen wir die Küste und haben am Horizont schon das vermendliche Kap im Blick. “Mensch, dass ging ja schnell!” denken wir uns und machen uns einmal diagonal über die Landmasse um auf der anderen Seite den Blick auf die “False Bay” zu genießen und uns durch ein kleines Fischerdorf zu schlagen. Nachdem wir auch nach mehrmaligen Versuchen immer noch nicht den südlichen Ausweg aus besagtem Fischerdorf aka Township gefunden haben, macht sich langsam eine Erkenntnis breit. Bei der “False Bay” handelt es sich offenbar um die falsche Bucht (Was für eine Erkenntnis). Ein erneuter diesmal kritischer Blick auf die Karte und wir wissen was passiert ist. Wir haben ja gerade mal einen kleinen Zipfel abgefahren. Irgendwie hatten wir das doch schon einmal? Naja, jetzt ist ja alles klar. Wir werden das Kap schon finden. Die gute Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Auf der Fahrt zum Kap mussten wir natürlich aufpassen, dass wir nicht irgendwelche Affen, genauer gesagt Baboons überfahren, die es sich anscheinend zu Aufgabe gemacht haben, hier am Kap den Touristen aufzulauern. Von Smash’n'Grep-Überfällen habe ich zwar noch nichts gehört, man sollte es jedoch tunlichst vermeiden seinen Kofferraum in Gegenwart dieser Paviane zu öffnen. So wurden wir in der Kurzen Zeit in der wir da standen Zeugen von einem Diebstahl und drei Attacken dieser egonzentrischen kleinen Biester. Instinktiv versuchten wir natürlich sofort uns auf dem höchstgelegenem Baum, Berg oder ähnlichem in Sicherheit zu bringen… Naja, vielleicht wollten wir auch eifach nur die Aussicht genießen, die sich uns auf dem mindestens 50 Meter hohen Felsen bot.
Oben angekommen, muss ich feststellen, dass die Welt tatsächlich ein Dorf ist. Steht doch plötzlich der Philipp vor mir, der sich seit über einer Woche mit seinen Eltern an der südafrikanischen Küste entlangschlägt. Eigentlich hatte ich damit gerechnet ihn erst am Samstag auf einer letzten Party in Pretoria zu treffen. War aber auch sehr praktisch, denn seine Eltern hatten ein Fernglas dabei mit dem sie in etwa 3 Kilometern Entfernung ein paar Wale ausgemacht haben (wollten). Aus dieser Entfernung war zwar nur eine Menge aufgewühltes Wasser zu erkennen, freudige Rufe à la “Ja, das war eine Schwanzflosse! Das sind sogar zwei Wale.” ließen uns annehmen, dass wir wieder einmal einen Strich auf unserer Hab-ich-gesehen-Liste machen konnten.
Anders, als man eventuell annehmen könnte ist Cape Point und das Kap selbst nicht das Selbe. Das Kap ist tatsächlich der südwestlichste Punkt und Cape Point beschreibt im Grunde den Leuchtturm auf einer weiter östlich gelegenen Landzunge. Also auf in’s Auto und los geht… “Komm schon liebes Auto! Spring an! Kriegst auch nen Keks.” *Wroamm* “Na also, geht doch. Dreckskiste!” Der kleine Schreckmoment ist schnell vergessen, als wir uns entscheiden müssen, ob wir die Gondel zum besagten Berg nehmen oder Treppe steigen wollen. Sportlich, jung, vital und vom Gruppenzwang (Gruppenzwang geht jeden an!) getrieben machen wir uns auf den langen Marsch.
Oben angekommen werden wir mit einer atemberaubenden Aussicht und einer steifen Brise empfangen. Das Wasser ist kristallklar und nimmt Farben zwischen Weiß, Babyblau und Türkis an. Unter dem Leuchtturm könne wir uns über einen Wegweiser in heimische Gefilde freuen. Demzufolge wartet Berlin nun also in 9575 Kilometer Entfernung auf meine Rückkehr. Ein Blick durch ein eigens installiertes Fernglas bringt uns den Walen auch nicht näher. Ich sehe immer noch keine Schwanzflosse. Naja, man kann eben nicht alles ha… Hehehe, was sehen wir denn da auf der Tafel mit der Karte? Wenn das hier das Kap ist und das hier Cape Point, dann können unsere “Wale” doch nur diese Steinformation in 3 Kilometern Entfernung sein. Hoho, “Schwanzflosse”, “Das sind sogar zwei.” Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken. In Gedanken wird der Radiergummi raus geholt und unsere Hab-ich-gesehen-Liste korrigiert.
Auf dem Rückweg haben wir uns dann nicht Verfahren. Da wir noch genügend Zeit hatten legten wir sogar noch einmal Pause ein und legten uns an den Strand, um das atlantische Meeresrauschen zu genießen. Man hätte natürlich auch das Wasser genießen könne, aber dieser Versuch scheiterte schon im Ansatz, da der Atlantische Ozean einfach mal zu kalt ist. (Sowas wie einen Golfstrom gibt es hier Unten ja leider nicht.) Trotzdem war’s ganz angenehm und nach einer Stunde machten wir uns auf den Weg zurück nach Kapstadt.
Die Abendplanung sollte aus einem letzten Treffen mit Chris&Anna und einem leckeren Essen an der Cape Towner Waterfront (der Touristischen Hafenmeile) bestehen. Die beiden waren aber nicht zu erreichen und so sind wir nach einer kleinen Shoppingtour in einem mexikanischen Restaurant gestrandet um uns mit schmackhaften Maeeresfrüchten den Gaumen umschmeicheln zu lassen. Na erfolgreicher Füllung unserer Mägen machten wir uns gegen 23:30 Uhr auf den Weg nach Hause. Von Chris war immer noch nicht zu hören und ich machte mir ein wenig sorgen, ob wir die Gutscheine für das Shark Diving noch bekommen würden. Wenn nicht, könnte der übermorgige Tag etwas teuer werden (für meine Mutter versteht sich ;oD). *Ring* Na also, da ist er ja auch schon. Zehn Meter von unserer Haustür entfernt klingelte mein Handy. Aha… Akku alle gewesen… Blue Ocean Backpackers… auf ein Bier vorbei kommen… passt…*klick* Also schnell das Mütterchen ausgeladen und los geht’s. Nach einer kleineren Odyssee durch die Straßen von Kapstadt (auf der Karte war da eine Abzweigung) komme ich gut gelaunt in der besagten Unterkunft an. Wir quatschen noch bis 1:30 Uhr und verabschieden uns dann erstaunlich schnell voneinander. Die nächste Winterurlaubsplanung sollte definitiv einen Abstecher zu Chris beinhalten. Man muss ja seine Auswanderungskanäle offen halten, falls nach den deutschen Wahlen doch mal Anarchie ausbrechen sollte.
Tag 3: Pünktlich um 8:00 Uhr heißt es Aufstehen. Da der Wetterbericht für heute Wolken und 60% Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt hat, haben wir uns entschieden das Shark Diving auf Sonntag zu verschieben und uns stattdessen das Wetter schön zu trinken. Die Winelands um Kapstadt sind ja quasi berühmt-berüchtigt und für so ein Wetter genau das Richtige. Da man ja bekanntlich nicht selber Fahren und gleichzeitig diverse Weingüter abklappern sollte, geben wir uns wieder einmal in die Hände der örtlichen Tourismusindustrie. Wir werden also vom Haus abgeholt und in einen Bus mit einem Franzosen und einem englischen Päarchen gesteckt. Anschließend gehts noch zum Blue Ocean Backpacker um 4 Anwältinnen aus Großbritannien aufzusammeln. Die 4 nehmen die Zeit nach ihrem Studium war um sich auf eine monatelange Weltreise zu begeben. Als nächster Anlaufpunkt steht angeblich Neuseeland auf der Liste. Das ist ein Leben! Eng zusammen gequetscht machen wir uns auf den Weg zum ersten Weinberg. Dazu geht es zuvor jedoch durch die Stadt, wobei wir einiges Wissenswertes erfahren.
Als weiterer interessante Tatsache wird aufegführt, dass der Bahnhof an dem wir gerade vorbei Fahren früher einmal der Hafen der Stadt war. Dafür gibt es meines Erachtens ja nur zwei mögliche Erklärungen. Erstens: der Mehresspiegel ist gesunken oder aber die Landmasse wurde künstlich erweitert. Für letzteres kommen ja eigentlich nur zwei Nationen in Frage. Die Vereinigten Arabischen Emirate (oder besser gesagt die Herren aus Dubai) oder aber die Holländer, die ja tarditionell ein Händchen für Anbaugärten dieser Art haben. Des weiteren werden wir auf ein etwas weiter nordwestlich gelegenes Einkaufszentrum aufmerksam gemacht, das mehr als 800 (!) Läden beinhaltet und damit wohl mehr als nur einen abendfüllenden Einkaufsbummel verspricht.
Der Tag verläuft ganz lustig. Zum Aufwärmen gibt es eine kleine Flasche Sekt, der auf (fast) traditionelle Weise mit einem Grillbesteck der Flaschenhals abgeschlagen wird. Die original französische Variante wäre natürlich mit einem Säbel. Dafür gäbe es dann auch noch einen wohlklingenden Namen, den ich aber schon wieder vergessen habe. Bevor wir den ersten Wein zu uns nehmen bekommen wir noch eine kleine Einweisung. Wenn der Wein fruchtig-süß und einen herben Nachgeschmack hat dann beschreibt man das nämlich in etwa so: *räusper* “Der Wein ist fruchtig-süß und hat einen herben Nachgeschmack.” Spielereien wie: “Ach, das ist Kieserde, ein 1995er Jahrgang und am Nordsüdhang angebaut.” kann man sich getrost sparen. Einfach das sagen was man denkt… Mit einer Ausnahme: Wenn der Wein scheußlich schmeckt, dann schreien wir nicht “Bäh, Scheußlich!!!” sondern Stellen das Glas wieder hin und sagen anerkennend: “Das ist ein sehr ‘eleganter’ Wein.”. So ein Winzer hat ja schließlich auch eine Seele, die nicht verletzt werden möchte.
Mit diesen Ratschlägen bewaffnet klappern wir mehrere Weingüter ab. Außerdem kaufen wir insgesamt einen Käse (schön gelb mit Blauschimmel), eine Salami (wurde angeblich auch mit Wein gemacht) und einen Portwein, der jetzt hoffentlich in Berlin auf mich warten wird. Zwischendurch kehren wir in ein Restaurant ein und versuchen ein wenig feste Nahrung zu uns zu nehmen. Nachmittags gegen 16:00 Uhr ist die gesammte Weintour wieder vorbei. Wir haben 5-6 Weingüter abgeklappert und in jedem 1-5 Gläser Wein probiert. Dabei waren sowohl traditionelle Familienbetriebe als auch moderne neureiche Hobbywinzer vertreten. Zwischendurch machten wir einen kurzen Stopp in einer Stadt und haben uns bei strahlendem Sonnenschein die Gegend samt Hugenottendenkmal angeguckt… Alles in allem ein gelungener Tag, auch wenn die Müdigkeit überwälltigend ist.
Nach einem kleinen Nickerchen in den eigenen 4 Wänden kommen auch schon die ersten Mitbewohner reingeschneit. Die Ansage, dass heute Abend wieder einmal eine Bombenparty steigt, erfüllt mich mit Sorge und meine Mutter vermutlich mit Verzweiflung. Vor so einer Party muss natürlich erst einmal aufgewärmt werden und so schaffen es die 3 Herren doch tatsächlich eine 1,75 Flaschen Vodka zu leeren. Das ganze ging natürlich nicht besonders leise zu. Da ich garnicht erst versuchte mich schlafen zu legen, sondern mich lieber gleich mit in die Küche setzte, war mir der Lautstärkepegel im Grunde egal. Meiner Mutter erging es leider nicht so glücklich. Mit dem Gedanken an die morgige Aufstehzeit (Um 8:00 Uhr geht das Shark Diving im 2 Stunden entfernten Gansbaai los) hatte sie sich früher ins Bett gelegt um etwas Schlaf zu bekommen. “Rechnung ohne den Wirt gemacht” sagt man dazu und wieder einmal wird klar, dass man sich nicht in einem Hotel befindet. 1,5 Stunden nach dem Auftritt meiner Mutter in der Küche begeben sich die Herrschaften endlich auf die Piste. Zu dem Zeitpunkt trafen nämlich die letzten Gäste ein, Wer schon einmal vor einem betrunkenen bulligen 2-Meter Marzahner gestanden hat, der weiß, dass ein Dialog prinzipiell in Stadionlautstärke ausgetragen wird.
Trotzdem hab ich an dem Abend wieder ein paar Geschichten zur Kriminalitätsstatistik gehört. So wurde letzte Woche eine deutscher Arzt in einem Müllsack von Tafelberg geworfen. Ob das wirklich der Wahrheit entspricht kann ich nicht sagen, da ich von der angeblich starken Polizeipräsenz auf dem Berg nicht mitbekommen habe. Außerdem hatte sich angeblich am Tag zuvor ein Autofahrer druch die Fahrbahnbegrenzung am Hang eines Berges gebort und ist daraufhin mit einer Beschleunigung von 9,81 Metern pro Quadratsekunde unsanft in der Bucht gelandet. Diese Geschichte hätte meiner Mutter vermutlich nicht gefallen, da mein Fahrstil wie bereits in anderen Beiträgen erwähnt nicht gerade friedlicher geworden ist.
Nachdem die Meute abgedampft war und man beruhigt davon ausgehen konnte, dass wir weg sein würden bevor sie den Rückweg antreten würden, machte auch ich mich auf den Weg ins Bett. Mir entgegen kam jedoch noch das geliebte Mütterchen mit einem Enterbungs-und-Vierteilungs-Gesicht. Hmmm….
Tag 4: Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr und damit nur wenige Stunden nach meinem friedlichen Wegnicken. *Huaaahhhh* Okay, auf geht’s. Heute gibt’s schließlich einiges zu tun und du willst schließlich nicht dabei einschlafen, wenn dir ein Hai das Bein abbeist. Das spärliche Frühstück (angeblich bekommen wir vor Ort noch eines) wird schweigend hinunter geschlungen. Der Adrenalienspiegel scheint sich anscheinend immer noch nicht gelegt zu haben. Kommt Zeit kommt Rat denke ich mir. Eventuell löst der Hai das Problem ja von selbst ;o)) (nee-nee, ist ja nur Spaß) Erstaunlich munter machen wir uns auf den Weg in das etwa 200 km entfernte Gansbaai. Die Sonne geht gerade über den Bergen Auf die wir überqueren müssen und blendet einen so doll, dass man unfreiwillig an den armen Kerl in der Bucht denken muss, der hoffentlich im Gegensatz zu seinem Auto aus dem Meer gezogen wurde. Nach einem kleinen Kontrollanruf bei “Shark Diving Unlimited” finden wir auch endlich den Weg und könne erfreut feststellen, dass sich dieser genau am hafen befindet. Das Einlösen der Gutscheine funktioniert reibungslos, dem Frühstück kann ich auch einiges Abverlangen und eine halbe Stunde später sind wir auf dem Weg in die eine viertel Stunde entfernt gelegene Bucht. Der Himmel über uns ist strahlend blau. Am Horrizont schwebt ein Wolkenband an uns vorbei. Naja, dann kann’s ja losgehen. Die Information über den Shuttle-Service, der alle halbe Stunde Leute vom Boot zurrück an Land bringen kann nehmen wir lächelnd zur Kenntniss. Wird schon nix passieren. Ist doch gutes Wetter.
Diese Einschätzung scheint sich auch zu bestätigen, denn der Weg zur Bucht ist ein Heidenspaß. Die Wellen sind zwar höher als erwartet (ca. 2,5 Meter) aber noch fühlen wir uns gut. Die Hab-ich-gesehen-Liste wird wieder ausgekramt als 10 Meter neben uns plötzlich ein Wal auftaucht. Die Schwanzflosse hat er zwar nicht rausgucken lassen und einen Bauchklatscher war auch nicht zu sehen, aber immerhin. Als wir in der Bucht vor Anker gehen und uns volle Breitseite in die Wellen stellen schwant mir schon übles. Erst einmal werden aber die Haie angefüttert. Der angenehme Geruch halb verwester Fischeingeweide und geronnenen Blutes macht sich auf dem Boot breit, als die ersten Plastiktüten aufgerissen werden. Nun heißt es also abwarten. Die Zeit wird genutzt uns darüber aufzuklären, warum es hier auf jeden Fall Haie gibt. In der direkten Nachbarschaft gibt es nämlich eine Reihe von Inseln, die sowohl von Robben als auch Pinguinen bewohnt werden. Das sind also schätzungsweise 15.000 Gründe, warum sich ein Hai hier aufhalten sollte.
Das war aber im Grunde auch nicht schlimm, da sich die vollkommen unterkühlten Taucher nach einer halben Stunde aus dem Wasser machten ohne einen Hai gesehen zu haben. Zwei von den war der Wellengang im Wasser so stark, dass sie sich in einer fließenden Bewegung aus dem Käfig zur gegenüberliegende Reling eilten. Ihr Magen machte freilich noch einen weiteren Schritt nach vorne. Kein besonders schöner Anblick. Den kleineren Fischen hat es aber dafür trotzdem geschmeckt. Lecker!!! Meine Mutter hatte inzwischen schon das Shuttle aufgesucht und auch für mich stand fest, dass ich mich in meinem aktuellen Zustand (leichte Überkeit) nicht in die kalten Fluten stürzen würde. Zumal die Chance auf einen Hai rellativ gering zu sein schien.
Stattdessen hab ich die Zeit genutzt und mir in der Nähe der Reling einen Standplatz zu sicher und mich mit einem der Passagiere zu unterhalten. Der 150 Kilo-Kolloss hatte außer seiner Körperfülle auch noch umfassende Sprachkenntnisse in Deutsch, Afrikaan, Englisch, Zutu, Sesotho und Setswana zu bieten. Wie ich erfuhr immigrierte sein deutscher Großvater 1930 nach Südafrika und war so stolz auf sein Land, dass die deutsche Sprache noch immer eine fester Größe in der Familie ist. Lustigerweise fing er dann plötzlich an auf Deutsch zu singen. Sprachlich war das alles perfekt, nur die Tatsache, dass er die Lieder vermutlich aus den Jugendjahren seines Großvaters entliehen hat, brachte mich zum schmunzeln. Anschließend Sang er irgendetwas auf Sesotho, was in soweit beeindruckend ist, dass ich noch nicht einmal in der Lage bin einen kompletten Satz in Sesotho vernünftig nachzuplabbern, da irgendwelche Klick-Geräusche mit zum Vokabular gehören. Auf jeden Fall hatte er mich überzeugt: Hier steht ein Mann vor mir, dem es richtig gut geht… Als er 10 Minuten später ebenfalls seinen Ärger in die See brüllte, war ich mir nicht mehr so sicher.
Durch das Kollabieren von 60% der Passagiere motiviert beschloss ich mich in das nächste Shuttle zu begeben und meiner Mutter auf dem Festland Gesellschaft zu leisten. Toller Nebeneffekt der Sache: Mit einem kleinen Schlauchboot über die inzwischen 4 Meter hohen Wellen springen und den frischen Wind genießen. Alles in allem also ein gelungener Ausflug. Ich wäre zwar nicht bereit dafür 800 Rand zu bezahlen, aber mit einem Gutschein bewaffnet gibt es für mich keinen Grund die Fahrt zu bereuen.
Am Land angekommen wecke ich mein Mütterchen auf und wir machen uns auf den Weg zum Kap Agulhas. Dabei handelt es sich nämlich tatsächlich um den südlichsten Punkt Afrikas, was auch gleichzeitig die offizielle Grenze zwischen Indischem und Atlantischem Ozean bildet. Das Kap ist etwa 200 Kilometer von Kapstadt entfernte und hat abgesehen von einigen Ferienwohnungen, einem Markierungsstein und einigen Restaurants nicht viel zu bieten. Das sollte uns aber trotzdem nicht stören. Wenn man schon mal in der Nähe ist, muss man schließlich auch vorbei fahren und ein Foto machen. Genau das Taten wir dann auch. Außerdem kann ich jetzt behaupten im südlichsten Restaurant des Kontinent eine Muschelsuppe und ein Steak vertilgt zu haben. ;o))
Nach einem kleinen Mittagsschläfchen (linke Körperhälfte vor dem Indischen und rechte Körperhälfte vor dem Atlantischen Ozean) war ich auch wieder halbwegs munter und wir konnten uns auf den Weg in die (Quasi-)Heimat machen. Auf dem Weg dorthin gab mir das Auto ein wenig zu denken. Dass die Temperaturanzeige in unregelmäßigen Abständen anfing zu Leuchten und anschließend wieder aus ging, konnte ich ja noch auf den allgemeinen Zustand des Volkswagens schieben. Als auf dem Weg jedoch 3 Mal die Ölwarnleuchte mit lauten Krächzen an ging, war da schon beunruhigender. Da Sie allerdings auch immer wieder aus ging, machte ich mir keine größeren Sorgen und beschloss, den Ölstand morgen früh zu prüfen.
Zwischen “morgen früh” und “gerade jetzt” lag aber noch ein Abend, denn ich mit den anderen Mitbewohnern an einer Strandbar verbringen sollte. Meine erste Assoziation: Strandbar – Sandstrand – Liegstühle – Cocktails – Bikinis sollte sich jedoch als klassische Fehlinterpretation der Begriffes herausstellen. Die Bar war im Grunde eine mit jungen Leuten überfüllte Bar mit Tanzfläche. Die Preise hatten es in sich und da morgen schon wieder Montag war, wollten sich meine Mitbewohner/innen nicht allzu lange dort aufhalten. Trotzdem war’s ein netter Abend. Zu meiner Überraschung/Freude fingen kurz vor 22:00 Uhr die ersten Damen in feinster “Coyote Ugly”-Manier auf dem Tresen zu tanzen. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher auf den Lionshead um das Lichtermeer zu betrachten, dass bei Tage Kapstadt genannt wird.
Tag 5: Da am 5. Tag ja schon wieder der Rückweg anstand, gab es keine extra Pläne. Wir wollten es ein wenig ruhiger angehen lassen, ausschlafen und in aller Gemütlichkeit zum Strand vor Robben Island begeben um ein paar richtig kitschige Bilder zu machen.
Vorher jedoch noch einmal schnell das Öl überprüfen. Nicht, dass uns hier noch am letzten Tag die Karre verreckt. Ein prüfender Blick auf den Ölstandsmesser und ich weiß, was ich zu tun habe. Merksatz: “Wenn auf dem Metallstab kein einziger Tropfen Öl erkennbar ist, sollte man schleunigst Nachfüllen”. Der Tankstellenangestellte kam zu der selben Schlußfolgerung, als er seine Messung völlig verdutzt ein drittes Mal durchführte. Nach 4 Dosen Öl sah die Sache schon wieder besser aus. Das sollte uns doch hoffentlich über die nächsten paar Stunden bringen. Danach kann uns das ja eh egal sein. Dann sitzen wir ja schon im Flugzeug… Hehe
Der Rückflug nach Jo’burg verläuft problemlos. Wir fliegen zwar direkt durch ein Gewitter und werden gut durchgeschüttelt, der Pick-up-Service durch Johann erfolgt aber reibungslos und so kommen wir pünktlich nach zweistündigem Flug und halbstündiger Fahrt in Pretoria an.
FAZIT: Wer in Südafrika ist sollte ja sowieso nach Cape Town kommen. Das ganze ist zwar ziemlich Tourismusgeschwängert, es ist aber gut zu sehen, dass es in diesem Land Gegenden gibt in denen die Kriminalitätsrate oder zumindestens der Umgang damit eher an europäische Zustände erinnert und man sich so Abends auch einmal zu Fuß aus dem Haus wagen kann. Wer soviel Glück hat wie wir und Kapstadt bei perfektem Wetter erleben darf, erlebt eine malerische Landschaft und eine Stadt, die vor allem in Vergleich mit Jo’burg überraschend sauber ist. Die Leute sind sehr locker und gehen alles ein wenig relaxter an, als man es in Deutschland gewöhnt ist.
Wenn ich noch einmal wieder komme werde ich mehr Zeit mitbringen, so dass ich der Garden Route einen Besuch abstatten kann. Wenn man dann noch genügend Geld dabei hat kann man den höchsten Bungeejump der Welt wagen (216 Meter – Bloukrans River Bridge), kann sich in diversen Nationalparks rumtreiben, sich für 1400 Rand aus einem Flugzeug stürzen oder ähnliche verrückte Sachen machen. Zu tun gibt’s auf jeden Fall eine Menge zu tun.
Warum habe ich eigentlich Reise-Tagebuch geführt, he? Es war mir ein unbeschreibliches Vergnügen, die ersten Tage unseres Urlaubs noch einmal aus deiner Sicht Reveu passieren zu lassen (woher wusstest du von meinem Adrenalinspiegel – lag der da offen rum?)
Hoffe auf weitere Berichte … Ma.
Enterbungs- und Vierteilungsgesicht, klasse Beschreibung! Aber sei gewiss, DICH hätte ich nicht gevierteilt! Dazu hab ich dich vieieie..l zu lieb!
(Danke für diese köstliche Urlaubserinnerung, ich hab ja so gelacht)
Na Janek, das war doch mal noch das I-Tuepfelchen auf deinem Aufenthalt da unten, oder? Hoert sich ja wunderschoen an und ich glaube ich muss da unten auch mal Urlaub machen. Wuerdest Du Dich als Fremdenfuehrer bereit erklaeren?
Im Gegenzug wuerde ich Dir dann das halbwegs zivilisierte Australien zeigen
Wuensch Dir noch ein paar schoene letzte Tage und einen guten Flug nach Berlin.
Robert