Urlaub 2. Teil

Wie kann man die Zeit im Flugzeug besser nutzen als die letzten Reiseberichte zu schreiben? Ich weiß es nicht, weshalb ich jetzt auch ziemlich versnoppt hier sitze und versuche meine Akkulaufzeit auszureizen. Naja, wir werden sehen wie weit wir kommen.
Wer geglaubt hat, dass nach meinem Ausflug nach Kapstadt Schluss war, der hat die letzten 2,5 Monate anscheinend nicht richtig gelesen. “Da geht schließlich noch was.” Außerdem hatte mein Mütterchen noch lange nicht vor ab zu reisen und wir waren erst Montag Abend nach Pretoria zurück gekehrt. Die nächste Etappe sollte natürlich in feinster Touristenmanier der Krügerpark sein.

Vielleicht sollte es mir ja diesmal gelingen einen Löwen, oder wenigstens irgendeine andere Katze zu finden. Also gleich am Dienstag morgen los? Nee nee, nicht so schnell bitte. Am Dienstag Abend stand schließlich noch die Farewellparty von Fred(ericke) an. Die gute fliegt Donnerstag zurück nach Frankreich und unsere Bleibe ist ja quasi schon von vornherein als Austragungsort ausgerufen worden. Wer sich jetzt fragt, wie ich meiner Mutter schon wieder eine Partynacht antuen kann, dem sei gesagt: “Ist doch alles nicht so schlimm. Wir benehmen uns ja schließlich auch.”

Aber was machen wir denn den ganzen Dienstag über? Ausschlafen ja wohl kaum… Tja, da man natürlich auch schöne Souveniers mit nach Deutschland nehmen muss, machen wir uns auf den Weg nach Britz. Britz liegt westlich von Pretoria und ich kenne diesen Ort nur, weil wir dort mal auf dem “Britz-market” gewesen sind. Ich hab natürlich keinen Schimmer wie ich da genau hinkomme, aber wir haben ja den kompletten Tag Zeit um das herraus zu finden. Britz ist auf der Karte schnell gefunden und schon lösen wir die Handbremse und rollen aus der Einfahrt herraus. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt haben wir Britz erfolgreich durchquert und wissen jetzt “Der Britz-Market ist offensichtlich nicht in Britz.” Da ich mich noch leise an einen schicken Staudamm erinnern kann machen wir uns also in der näheren Umgebung auf die Suche. Siehe da: nach einigen U-Turns und wohlkalkulierten Abkürzungen taucht der besagt Markt, der im Grunde ja nur aus einem Parkplatz, einem Spar-Markt und einem Haufen von Ständen besteht, vor uns auf. Ich weiß ja schon genau was ich mir hohlen will. So hatte ich mir bei meinem ersten Besuch drei Holzaffen zugelegt (solche Viecher die sich die Augen, die Ohren und den Mund zuhalten). Dummerweise hatte sich einer davon in Luft aufgelöst, was natürlich sofort behoben werden musste. Meiner Mutter traute ich derweil alles zu. Ich würde eine 2-Meter-Giraffe zwar nicht zum Flughafen schleppen, aber die Verlockungen können einen ja eventuell schon mal übermannen oder in ihrem Fall überfrauen. Zu meiner großen Freude hielt sich die Kaufwut jedoch in Grenzen. Die 5 Holzfiguren sehen sogar ganz gut aus, obwohl ich sie mir vermutlich schona us prinzip nicht geholt hätte. Kurioserweise gestaltete sich das verhandeln wesentlich schwieriger als beim letzten Mal. Das mag vielleicht daran liegen, dass sich an einem Dienstag nicht so viele Touristen auf dem Markt blicken lassen. Eine kleine Einweisung meinerseits gibt es natürlich auch: “Auf keinen Fall jemanden die Hand geben. Du wirst den dann nicht mehr los.”… “Hello, my friend! My name is Basabadalakumba.” werde ich angesprochen (Name von der Redaktion geändert). Und schon hab ich ihm (oder er mir) die Hand gegeben. Der gute Mann ist angeblich am Spenden sammeln. Er hällt mir einen zerfledderten Zettel vor die Nase auf dem oben etwas von Aids-Fons steht. Anschließend zeigt er mir eine Liste mit bereits eingesammelten Spenden… Nee, is klar! Auf diesem Markt ist heute nix los und die Leute feilschen um jeden einzelnen Rand, aber trotzdem hat er sowohl einen Britten, einen Amerikaner, einen Holländer und einen Deutschen gefunden. Und alle haben zwischen 300 und 800 Rand gespendet. Verarschen kann ich mich alleine. Ich erkläre ihm, dass ich erstmal noch ein wenig rumschaue und mich anschließend nochmal bei ihm melde. Mit viel Mühe überwindet man seine angelernte Höflichkeit und lässt den Knaben stehen, obwohl dieser immer noch weiter redet.
Als wir uns nach getätigtem Einkauf wieder auf den Weg nach Hause machen wollen, werden wir von seinem Kollegen “überfallen”. Diesmal geht’s um blinde Kinder und wieder einmal stellen wir uns die Frage, ob das ganze vielleicht doch der Wahrheit entspricht. Letztendlich siegt die Skepsis und wir machen uns wieder auf den Weg nach Pretoria um dort nach einem kleinen Abstecher zur Church-Square und dem atemberaubenden Anblick der Lila blühenden Bäume in den heimischen Gefilden anzukommen. Dort heißt es erstmal lecker essen und anschließend ein wenig ausruhen um sich auf die Party vorzubereiten. Zum Leidwesen aller Südafrikaner war diese aber erst zu 20:00 Uhr angesetzt, was den örtlichen Gepflogenheiten (18:00 Uhr) nicht wirklich entgegen kam.
Die Party war auf jeden Fall wieder mal sehr lustig. Allerdings auch etwas ruhiger, denn so langsam macht es sich schon bemerkbar, dass diverse Leute nicht mehr da sind. Ins Bett ging es dann gegen 3:30 Uhr.
Der Mittwoch steht also im Zeichen des Krüger Parks. Entgegen der guten Vorsätze machen wir uns nicht etwa schon am frühen Vormittag auf den Weg zum etwa 4 Stunden entferneten Freiluftzoo, sondern erst gegen 11:00 Uhr. Eine Unterkunft für die Eine Nacht haben wir natürlich schon längst gebucht, nämlich wieder einmal das Olifantscamp, dass sich ja genau in der Mitte des Parks befindet. Perfekter Ausgangspunkt um an je einem Tag eine Hälfte des Parks zu überfliegen. Bei angenehmen 27�C fahren wir in Pretoria los und müssen schon zwei mal auf das Außenthermometer des Autos gucken um zu glauben was wir dort lesen. 43�C sollen es draußen sein? Ein kurzes Öffnen des Fensters und fühlen uns wie von einem Balken getroffen. Gut, dass wir eine Klimaanlage haben. Die wird zwar reichlich Sprit fressen, aber wir müssen ja sowieso gleich mal tanken. Dieb Suche nach einer Tankstelle erweist sich als eine Geduldsprobe. nicht weniger als 80 Kilometer müssen wir zurück legen um schließlich mit einem fast leeren Tank neben einer Zapssäule zu halten. “Unleaded full, please.” “Sorry.” sagt der Herr im schicken Tankstellen-Einheits-Outfit und zeigt auf das innere des Gebäudes. Ich sehe da nicht und langsam dämmert es mir: Stromausfall! Das ist ja Klasse. Wesentlich erleichtert müssen wir jedoch feststellen, dass sich auf der anderen Straßenseite ebenfalls eine Tankstelle befindet die offensichtlich keine Probleme hat.
Guten Mutes nähern wir uns dem Gate zum Krüger Park und erleben die nächste Überraschung. Da wir nämlich schon recht spät dran sind, im Kruger Park nur 50 km/h erlaubt sind und sämtliche Tore ab 17:00 Uhr geschlossen werden, will er uns nicht rein lassen. Zumindest nicht, wenn wir vor haben im Olifants Camp zu übernachten. Als Alternative wird uns ein anderes weiter südlich gelegenes Camp angeboten, das wir dankend annehmen.
Die ersten Tiere begegnen uns nach ca. 3 Kilometern: Impalas. Da mein Mütterchen diese noch nicht gesehen hatte halten wir erst einmal an. Sämtliche Tiere afzuzählen, die wir gesehen haben wäre etwas überflüssig. Erwähnenswert ist höchstens die Reaktion meiner Mutter als wir nur wenige Meter neben zwei Nashörnern anhalten. Um es in einem Wort zu sagen: Angst. Um es freundlicher auszudrücken: großen Respekt.
Nach einigen Stunden kommen wir ohne von wilden Tieren angefallen worden zu sein im Skukuza Restcamp an. Mit der vollen Zuversicht, dass der Parkwächter am Eingang unsere Buchung im Olifantscamp umgebucht haben wird, erfragen wir unsere Schlüssel. Natürlich wäre es zu schön gewesen, wenn mal etwas ohne erklärungen ablaufen könnte. Unsere Buchung wurde nämlich nicht verändert und wir sind der Dame an der Rezeption gänzlich unbekannt. Nachdem wir ihr verständlich gemacht haben, dass wir gerne hier übernachten wollen, wird sie langsam freundlicher. Vielleicht aber auch nur, weil uns als Ausländer ein mehr als doppelter Eintritt in Rechnung gestellt wird. Den kulinarischen Höhepunkt bildet ein Topf mit Nudeln der aufgrund des fehlenden Küche im Bungalow in der Gruppenküche des hiesigen Zeltplatzes zubereitet wurde.
Bei immer noch 25�C geht der Abend zu Ende, wobei wir noch Besuch von einem “Dickschwanger Nachtaffen”, der nach intensiver Recherche und Ignorierung des parkeigenen Touristenführers als Galago oder noch korrekter als “Nagapies” enttarnt werden konnte. Nach einigen Anfütterungsversuchen bekommen wir Besuch von nicht weniger als 4 Stück dieser nachtaktiven eigentlich recht scheuen Gattung. Den getrockneten Aprikosen meiner Mutter konnten sie jedoch offensichtlich nicht widerstehen.
Nach einer viel zu warmen Nacht und nur wenigen Minuten Schlaf ist es an der Zeit sich auf die Socken zu machen. Ein Platz für den heiß begehrten “Morning Walk” war eh nicht mehr zu bekommen und so versuchten wir unser Glück auf eigene Faust. Da ich jedoch viel zu müde war, kam meine Mutter in den Fahrgenuß des Linksverkehrs. Nicht dass das im Krügerpark wirklich von großer Bedeutung wäre, aber immerhin ist das Lenkrad auf der anderen Seite und ich konnte mich ausruhen. Selbiges tat ich dann auch, denn schließlich stand noch ein anstrengender Rückweg auf dem Programm, den ich aus versicherungstechnischen Gründen nicht an meine Mutter abgeben konnte und wollte. Einige Tiere liefen uns auch hier wieder über den Weg. Unseren Mittagssnack verspeisten wir vor einer Panoramaaussicht auf eines der wenigen wasserführenden Flussbetten. In diesem tummelten sich auch prompt drei Elefanten und einiges anderes Getier. Bei einem solchen Anblick wollte man garnicht schnell essen, was allerdings schon aufgrund des grauenhaften Essens nicht möglich gewesen wäre. Nach einem kleinen Spaziergang machten wir uns auf den Weg zum nächstbesten Aussichtspunkt. Neben frischer Luft und ausstreckbaren Beinen gab es da sogar noch ein paar Affen, denen ich mich sofort widmete während ich das Parken meiner Mutter überlies. Nach drei Schnappschüssen erfolgte auch gleich die Schrecksekunde.
“Ich glaub mich laust der Affe! Was machen diese haarigen Biester in meinem Auto. Natürlich hatte ich nicht daran gedacht eine Belehrung zum Thema Affen anzubringen. Da diese Viecher nicht nur hungrig sondern auch frech sind, haben sie auch keine Bedenken in schönster Südafrika-Manier in fremde Autos einzusteigen. Solange die noch nicht wissen was Smash’n'Grep ist, hab ich damit auch kein Problem. Sollte man jedoch wie mein Mütterchen die Autotür zwecks Durchlüftung offen lassen, darf man sich über einen Besuch nicht wundern. Glücklicherweise lag im Inneren noch etwas eßbares, sonst hätten sie womöglich nach etwas anderem gegriffen. Leider war ich nicht schnell genug, sonst hatte man ein Foto von der Aktion an Snickers verkaufen und damit den Urlaub finanzieren können.
Auf dem Rückweg nach Pretoria wurden wir nach der majestätischen Landschaft auch von einem Gewitter Willkommen geheißen, dass sich gewaschen hatte. Zuerst waren die Blitze nur in beruhigender Entfernung und Höhe zu sehen. Bald wurde aus dem Wetterleuchten jedoch ein handfestes Gewitter mit Bächen, die vom Himmel Fallen, Windböen und einem Blitzspektakel, das den Himmel bis zu 5 Sekunden lang taghell erscheinen ließ. Bei einem solchen Wetter gibt es bekanntlich nur eine Devise beim Auto fahren: “Schnell raus da!” ;o)) Die 120 km/h bis 150 km/h (bergab) machten meiner Mutter vermutlich weniger Spaß als mir, jedoch erreichten wir Pretoria glücklich und unversehrt.
Fazit: Auch diesmal hatte es mit den Löwen nicht geklappt. Trotzdem war es wieder mal ein netter Besuch im Kruger Park, der diesmal allerdings von wesentlich weniger Alkohol begleitet wurde. Müde war ich natürlich trotzdem. Für meine Mutter sollte es der letzte Ausflug in Südafrika gewesen sein. Für mich selbst sollte sich am kommenden (letzten) Wochenende noch die Chance auf einen Trip nach Durban eröffnen. Diesen Trip mit 20 Franzosen und meinen Housemates in die zweitgrößte Stadt Südafrikas konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Aber das ist eine andere Geschichte… ;o))

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