Abschiede & neue Freunde
So nun noch ein paar Worte zur letzen Woche. Wie ich ja bereits erwähnte stand diese Woche im Zeichen der Missgeschicke. Glücklicherweise jedoch nicht solche, die mir zuteil wurden, sondern jene, die anderen Widerfahren. Neben den Missgeschicken gibt es allerdings auch noch Farewellpartys. Und zwar feierten gleich von 4 Leuten. Chris, David, Philipp und Tim feierten ihren Abschied. Das heißt, sie fliegen nicht gleich nach Hause, sondern machen vorher noch Urlaub.
Aber immer der Reihe nach. Der Montag glänzte mit strahlendem Wetter am Morgen. Sollte bei dir jetzt der Neid aufsteigen, so lass dir gesagt sein, dass sich das warme Klima gegen Mittag in eine schweißtreibende Angelegenheit verwandelte. Gegen 17:30 Uhr veränderten sich die Bedingungen aber auf einmal, denn auf einmal war Armageddon angesagt. Schwarze Wolken verdunkelten den Himmel und die Vorzeichen eines Sommergewitters machten sich breit. Starke Böen wehten sandsturmartig durch die Straßen. Äste stürzten von den Bäumen und die Menschen rannten um ihr Leben. Da kommt auch schon der erste Blitz. Nur der Regen fehlt. Tja, besagter Regen wollte sich auch irgendwie nicht zeigen. Ich vermute mal, dass der es aufgrund der Temperaturen nicht bis zum Boden geschaft hat. Ein Schauspiel war es aber allemal.
Zuvor hatte man mal die Gelegenheit die Freundin von Chris kennen zu lernen, die sich vom fernen Österreich aufgemacht hatte, ihn hier ab zu holen. Quasi als Willkommensveranstaltung hatten wir wieder einmal vor Hatfield unsicher zu machen. So dachte ich zumindest. Also schnell nach der Arbeit nach Hause, noch eine kleine südafrikanische Hawaii-Pizza in den Ofen geschoben und schon geht es ab nach Pretoria-City. Überraschenderweise kammen wir allerdings nicht bis Hatfield, offensichtlich war vorher noch ein Essen geplant. Hab mich dann also mit einem Salat, einer Cola und einem Bierchen begnügt. Bei dem Wetter war mehr auch einfach nicht drin. Nach Hatfield sind wir trotzdem nochmal kurz, wo ich mir wieder einmal meinen Pangalaktischen Donnergurgler bestellen konnte, der sich langsam aber sicher zu meinem Lieblingscocktail mausert (und dass nicht nur, weil er in einem Hefe-Weizen-Glas serviert wird).
Gegen Eins waren wir dann wieder Zuhause. Am Dienstag war es wieder etwas ruhiger. Eigentlich wollten wir ja in dieses eine Restaurant, das uns schon einmal ausgeredet wurde. Diesmal wollte wir es aber wissen. Die letzten Stunden der Zebras, Krokodile, Elefanten, Springböcke und von mir aus auch Erdmännchen sollte geschlagen haben. Der lieber Herrgott, oder wer auch immer dafür verantwortlich ist, hatte aber offensichtlich ein Herz für Tiere, da Chris Freundin auf einmal von Magenschmerzen geplagt wurde und es generell zu spät geworden wäre. Chris musste schließlich noch einen Großeinkauf für die morgige Farewellparty tätigen. Flexibel wie die betagte Jugend von Heute ja bekanntlich ist, sind wir (wieder einmal) ins Rapsodys gegangen. ;o)
Eigentlich ist dieser Abend nicht wirklich erwähnenswert, wenn man die südafrikanischen Kochkunst außer acht lassen würde. Ich bestellte mir also einen Steak in Pfeffersoße. Natürlich medium, wie sich das gehört. Was ich aufgetischt bekam war wirklich köstlich. Ich hab noch nie ein Steak gegessen, dass dermaßen zart war. Die Konsistenz änderte sich auch nicht, als ich mich zum vollkommen rohen Teil des Muskels vorarbeitete. Dieser Teil war allerdings so roh, dass es noch nicht einmal mehr Körpertemperatur besaß. Kein kulinatischer Hochgenuss, obwohl es vermutlich möglich gewesen wäre, diesen Rinder-Sushi-Verschnitt zu verspeisen.
Na gut. Der Abend endete auf jeden Fall recht zeitig und wir waren frohen Mutes genügend energiereserven für die anstehende Farewell-Party gesammelt zu haben.
Diese Feier am Mittwoch hatte eigentlich nicht wirklich viel mit Farewell zu tun, weil ja nicht nur eine einzige Person im Mittelpunkt stand. Das brachte es mit sich, dass alle Flaggen und Nummernschilder (traditionelle Geschenke zum Farewell offen auf dem Tisch lagen, da ja noch diverse Leute unterschreiben mussten. Ich denke mal Chris war das ganz Recht, da man ihn sowieso nicht als absoluten Farewell-Fanatiker umschreiben würde. Ich schätze mal, dass wir so um die 20-25 Personen waren, von denen ich 20 bereits 23 bereits kannte. Lustigerweise hab ich auch mal wieder diverse Leute getroffen, die ich über zwei Ecken oder auch direkt kenne. In der (Ex-)Bleibe von Tim treibt sich nämlich gerade Franzi herum, eine Dame, die einen Jahrgang über mir war und ihr BA-Studium somit gerade beendet hat. Sie zieht jetzt auf jeden Fall nach für ein Jahr nach Pretoria zu ihrem Freund, den sie hier vor einem Jahr beim Praktikum kennen gelernt hat. Tja, und ihre zwei Freundinnen sind in eine Schule mit meinem BA-Banknachbarn gegangen. Die Welt ist ein Dorf!
Als quasi permanente Ehrengäste kann das Haus mit zwei Hunden aufwarten, die jedem Einbrecher das fürchten lehren. Shaka, dessen Name wohl nicht umsonst von Shaka Zulu abgeleitet ist, ist ein extrem bulliger Fleischhaufen. Wenn ich dem Tier mal meine mütze aufsetzen würde, würde er sich vermutlich beshweren, dass die zu eng sitzt. Da ich aber weder eine Mütze besitze noch irgendwelche suizidal angehauchte Experimente starten möchte, wird das vermutlich ewig ein Geheimniss bleiben. Seine etwas kleinere „Freundin“ steht dem stattlichem Tier in nichts nach und ich kann gut verstehen, dass unsere beiden Locals Busi und Tuli eine Heidenangst vor den Kollossen hatten.
An dem Abend hat man auch noch so einiges anderes Erfahren. So hab ich angeblich vor einigen Wochen bei einem Farewell eine junge Dame getroffen, die letztens Opfer eines überfalls wurde. Ca. 100 Meter von ihrem Arbeitsplatz entfernt, meinte ein mehr oder weniger freundlicher Zeitgenosse ihr eine Pistole vor das Gesicht halten zu müssen und sie zu bitten aus dem Auto aus zu steigen. Kann man ja quasi noch von Glück reden, dass ihr selbst nichts passiert ist. Das Auto war aber auf jeden Fall weg. Diese Geschichte läßt sich natürlich super durch eine Anekdote meinerseits ergänzen. So wunderte sich Charl einen Abend vorher, wer den in unserer Nachbarschaft eine Party mit Feuerwerk feiert und nicht daran denkt, dass es auch Leute gibt, die schlafen wollen. Am nächsten Morgen konnte er dann in der Zeitung lesen, dass es sich bei dem Krach vielmehr um eine Schießerei gehandelt hat, weil ein Autobesitzer seinen Wagen nicht Kampflos aufgeben wollte. Was aus ihm geworden ist, weiß ich freilich nicht. Vielleicht auch besser so.
Am Donnerstag hatte ich mich wieder einmal zum Essen verabredet. Diesmal allerdings mit Steffie, der Dame die wir in Sabie getroffen hatten. Wir trafen uns also, wo auch sonst, in Hatfield. Mit ihr zusammen waren noch zwei Freunde. Ein Deutscher (Jan) und eine Holländerin (Judith). Der Abend war auch ganz gemütlich. Bis die Dame sich auf einmal fragte, wo denn ihre Handtasche abgeblieben sei. Eine Viertel Stunde später hatte uns eine etwas kräftigere Dame in gelben Klamotten nach der Uhrzeit gefragt. Zu dem Zeitpunkt dachten wir uns natürlich nichts dabei. Ihr Kumpane scheint sich allerdings in dem Moment bedient zu haben. Willkommen in Südafrika! In der Handtsche waren neben dem Portemonaie (mit 200 Rand = 25 Euro), dem Telefon und der Brille auch die Wohnungsschlüssel. Dummerweise stand die Addresse auch gleich noch mit auf dem Schlüsselbund. Der Abend war also denkbar schnell vorbei. Schließlich befand sich die Wohnung gleich um die Ecke. Ihre Mitbewohner waren zur Zeit im Urlaub, was ein betreten der Wohnung merklich erschweren sollte. Inzwischen hab ich über ein paar Ecken erfahren, dass das Schloss schon am nächsten Tag ausgewechselt wurde. Also kein Grund zur Panik. Mehr weiß ich allerdings nicht. Über Telefon ist sie ja schließlich nicht mehr zu erreichen.
Mit der Holländischen Freundin hab ich mich auch flugs zum Besuch des Woodstock-Festivals am Wochenende verabredet. Man muss seinen Kindern später mal erzählen können, dass man in Woodstock war, ne? ;o) Hatte uns sogar noch ein Zelt ranorganisiert. Andere Dinge soll man da angeblich sowieso nicht brauchen und die Anweisungen auf der Homepage vermittelten ein Gefühl von Sicherheit. (Beispiel: „What must I leave at home? Drugs, guns, weapons (traditional or otherwise), ghetto blasters, spray-paint, ALL pets, glass bottles of any description, firecrackers, weapons of mass destruction, bad attitude“)
Am Samstag morgen kam dann leider die Absage für das Festival. Die Judith hat sich nämlich entschuldigen lassen, da sie sich anscheinend sowas wie die Grippe oder eine Lebensmittelvergiftung eingefangen hat. Das brachte es dann mit sich, dass ich am Samstag bis 13h00 geschlafen habe und mich mehr oder weniger direkt nach dem Aufstehen zu einem Braai beim Fritz dem Amischwaben eingeladen habe. Corn, die Freundin von Charl wollte an diesem Wochenende eigentlich nach Durban um da ein wenig zu surfen. Ist aber leider nichts geworden, und so konnte man die ersten zaghaften Surfversuche in unserem Pool starten, die mehr oder weniger erfolgreich verliefen. Das Surfboard hat nun auf jeden Fall einige Schrammen mehr. Der Braai (BBQ) bei Friz war sogar ganz witzig, da wir ja jetzt zwei neue Praktikanten haben, denen die Boerwurscht und die Braai-Kultur etwas näher gebracht werden mußte.
Am Sonntag hab ich mich dann doch nochmal mit der besagten Lebensmittelvergiftungsgeplagten Dame getroffen. Sie und 6 Freunde haben sich im Hattfielder Freibad (ja, sowas gibt’s) getroffen. Hoffe also gestern ein wenig Farbe abbekommen zu haben (die Hoffnung stirbt zuletzt). Auf jeden Fall war’s ziemlich international. Ein Deutscher, ein Holländer, ein Italiener, zwei Holländerinnen und zwei Tschechinnen auf einem Haufen (im übertragenem Sinne. Die Holländer haben zwar ständig Dutch gesprochen, was ich leider (aufgrund des geringen Blutalkohols) nicht verstehen konnte, aber lustig war’s trotzdem. Am Abend haben wir uns dann noch auf den Braai getroffen, bis 12:00 Uhr gequatscht und ne Menge Spaß mit einem der Locals gehabt. Ist schon lustig, wie man hier Leute über 4 Ecken kennen lernt. Hab auf jeden Fall schon angekündigt, die Herren und Damen zu meiner Farewell-Party einzuladen.
Als Beweis, dass die Italiener auch über sich selbst lachen können, gilt die Reaktion unseres Italieners auf folgenden Witz: “Wissenschaftler glauben, dass Jesus ein Italiener war. Warum? Nur ein Italiener kann glauben, dass seine Mutter eine Jungfrau ist. Jesus lebte bis zu seinem 34. Lebensjahr zuhause. Und: Nur eine Italienische Mutter kann glauben, dass ihr Sohn der Auserwählte ist.” Luigie oder wie auch immer er hieß (Ich und Namen) hat sich förmlich weggeschmissen vor Lachen. Alles sehr lustig. Im Bett war ich dann gegen Eins ohne einen Tropfen Alkohol zu mir genommen zu haben. (Ich bitte um Applaus ;o))))
Tja, das war auch schon wieder die recht kurze Zusammenfassung meiner letzten Woche. Eine Menge neue Leute kennen gelernt. Nicht ganz solange auf geblieben wie sonst. Vielleicht auch besser so. Die nächsten zwei Wochen verbringe ich wohl mit meiner Mutter, die mich ab Mittwoch besuchen kommt. Da geht’s dann wie ein echter Touri nach Cape Town. Wir werden sehen, wie das Wetter mitspielt.

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