Unglaublich aber wahr. Ich hab es doch tatsächlich mal geschafft mich hin zu setzen und die letzen 7 Tage zusammen zu fassen. Natürlich weiß ich mal wieder überhaupt nicht wann was abgelaufen ist, weshalb ich einfach anfange zu schreiben und hoffe, alles unter einen Hut zu bekommen. Generell stand diese Woche im Zeichen der Missgeschicke… Aber beginnen wir doch einfach mal mit dem Wochenende.
Es ging nach Sabie! Sabie ist eine für die Gegend recht große Stadt im Norden von Mpumalanga. Neben der relativen Nähe zum Kruger Nationalpark, bietet die Gegend atemberaubende Panoramaaussichten, glasklare Flüsse und das ein oder andere Township in dem man sich nicht zu lange aufhalten sollte. Allerdings kann man da auch als Weißer ohne Probleme tanken (Wie der aufmerksame Leser ja schon erfahren hat.)
Stilgerecht wie wir nun einmal sind haben wir uns in der Sabie Backpackers Lodge eingenistet. Das ganze war für mich ziemliches Neuland, da ich mich diesmal weitestgehend alleine um die Organisation kümmern musste. Als Reisegesellschaft standen nämlich „nur“ Kerstin und Pieter zur Verfügung. Der Rest war nämlich (wie es sich gehört) schon einmal da. Ein Blick auf www.sabiextreme.co.za und schon ist man „bestens“ über die Möglichkeiten informiert. Am Donnerstag noch schnell eingekauft und schon kann es pünktlich nach Feierabend losgehen. Wirklich los gekommen sind wir dann aber erst mit einer ¾ Stunde Verspätung. Denn zuerst sollten die Koffer (!!!) verstaut werden. Während ich mich mit meinem Rucksack und einer kleinen Plastiktüte ausreichend für das Wochenende gewappnet fühlte, sollten es bei den anderen beiden schon mal zwei Koffer sein, die auch prompt den kompletten Kofferraum des gift-grün-gelben Smarts belegten. „Sei’s drum.“ – Wir sind ja nur zu dritt. Ein kurzer Blick auf die Karte und schon wird klar: „Aha, nach Osten also!“ Die angepeilten 4 Stunden Autofahrt sitzt man ja eh auf einer Pobacke ab und für genügend Billtong und Bier ist auch gesorgt. Da ich ja inzwischen Alteingesessenenrecht genieße blieb mir das eigentliche Fahren erspart. Außerdem traute sich sonst keiner zu die Karte zu lesen.
Die Fahrt vergeht wie im Flug und nach lediglich drei U-Turns finden wir uns vor der Pforte unserer Unterkunft wieder.
„Wir haben auf den Namen Niefeldt gebucht.“ „Haben wir nicht. Gibt’s hier nicht.“ Na super Janek. Da glaubst du mit ein paar Mails ist alles erledigt. Aber nee, Pustekuchen! Hoffentlich ist noch was frei. Gerade werden wir in eine Zimmer verfrachtet, als plötzlich der Besitzer vorbei kommt und sich an meine Buchung erinnert. Er wusste meinen Namen nicht mehr, deshalb stand da auch kein Niefeldt. Wie man bei janek.niefeldt@daimlerchrysler.com nicht auf meinen Namen kommt ist mir zwar ein Rätsel, aber nun ist ja alles gut.
Anscheinend kommen wir zu spät um den Abend noch zu beg-/genießen, weshalb wir uns zeitig ins Bett machen. Morgen um 8:00 soll’s ja schließlich losgehen. Wir haben uns für das Weekend-Special entschieden und kommen so in den Genuss von drei Aktivitäten. Für uns bedeutet das einen vollen Terminplan.
Der Morgen graut und der Wecker reißt uns unsanft aus dem Schlaf. Wir sind offensichtlich nicht alleine in der Unterkunft und so verbringen wir einen Teil unseres Frühstücks mit einem Päarchen (?) aus dem Süden Deutschlands. Er wirkt sehr unkompliziert und ist auch recht gesprächig. Trotzdem gerät man ins grübeln, ob das neben ihm nun seine viel jüngere Freundin ist, oder ob er ein zu jung geratener Vater ist. Auf jeden Fall wohnt sie in Hatfield, Pretoria. Das passt ja super. Mit Hinblick auf die nächste Woche anstehenden Farewell-Partys muss man sich ja langsam nach neuen Leuten für die Abende umsehen. Also noch schnell Nummern ausgetauscht und schon geht’s weiter.
Der Trip an sich war sehr lustig, auch wenn nicht so viel Wasser wie im Sommer den Fluss hinunterläuft. So kommt es schon einmal vor, dass wir unsere Reifen das ein oder andere Mal tragen müssen. Trotzdem macht es Spaß. Vor allem wenn man plötzliche samt Reifen 5 Meter tief ins Wasser springen soll. Ein Heidenspaß! Gegen 14:00 Uhr sind wir wieder zurück im Lager. Zeit zum Verschnaufen haben wir aber kaum, denn schon geht es weiter zum „Bridge Swinging“. Noch schnell die Badelatschen angezogen und auf geht’s.
Wie ich aus Erzählungen gehört hatte, muss man sich dabei von einem kleinen Felsvorsprung stürzen. Dabei ist man natürlich an einem Seil befestigt, das wiederum an einer Brücke verankert ist, die ca. 30-40 Meter von dir entfernt ist. Sobald du gesprungen bist, bist du also dazu verdammt an dem Seil wie ein Pendel hin und her zu schwingen. Ist ja nicht so wild. Ist ja quasi eine etwas zu groß geratene Schaukel…. DENKSTE. Da haben mich meine „Informanten“ wohl ausgetrickst. Wir hatten die Ehre uns direkt von der Brücke stürzen zu dürfen. Dies beinhaltet dann einen etwa 10 Meter tiefen freien Fall und weitere 20 Höhenmeter bei denen man (Gott-sei-Dank) merkt, dass man an einem Seil hängt. Ich schätze es ist einem Überschuss an Testosteron geschuldet, dass ich mich als erster von der Brücke stürze. Dabei macht man dann am besten das, was ich sowieso am besten kann: Nicht nachdenken! ;o)
Eine tolle Erfahrung, wie man auch auf den Fotos die wir gemacht haben sehen kann. Auf der Brücke treffen wir doch dann tatsächlich noch zwei andere Deutsche. Sie kommt aus Berlin und ihr Freund besucht sie aus Ich-weiß-nicht-wie-die-Dörfer-im-Süden-heißen. Die Welt ist doch verdammt klein. Bei Siemens arbeitet sie. Mensch, dann kennt sie ja bestimmt Heike. Ja, tut sie. Ob sie hier auch ein Praktikum macht. Nee, die Dame, die Ich auf maximal 24 geschätzt hätte, ist 27 Jahre alt und arbeitet schon seit 4 Jahren bei Siemens. Herunter geklappter Unterkiefer auf meiner Seite.
Während sich Pieter wider erwarten traut den Schritt in die Tiefe zu wagen, überlegt es sich Kerstin im letzten Moment noch einmal anders. Kurz vor unserem Rückweg gibt es noch einmal eine andere Variante des Sprungs. Normalerweise springt man nämlich rückwärts runter, damit sich die Sicherungsseile nicht um den eigenen Körper wickeln. Beim Suicide-Jump muss man deshalb darauf achten, dass man bei den ersten Metern einen Salto hinlegt. Hört sich schwieriger an als es ist. Sollte man sich überwunden haben den Sprung zu wagen (und das ist wirklich ein Unterschied) geht alles wie von selbst.
Kurz vor Sonnenuntergang bringt uns Jaja wieder zurück in unsere Unterkunft. Jaja, der auch schon beim White Water Tubing dabei war kommt aus Israel und arbeitet hier eher durch Zufall. Das aber auch schon seit zwei Monaten. Ich hab leider keine Ahnung, was „Jaja“ in Israel bedeutet. In Deutschland heißt das ja bekanntlich „Leck mich am A****!“ Das wollten wir ihm natürlich nicht vorenthalten. Er wusste das allerdings schon. – Sachen gibt’s!
Den Abend starteten wir zuerst mit 5 Niederländerinnen und einem Amsterdamer. Bei einem Besuch eines „Konzertes“ in der Stadt trafen wir auch wieder auf eine Familie, die wir schon beim Bridge Swinging getroffen hatten. Mit den beiden Töchtern machten wir uns gegen 22:00 Uhr auf den Weg nach Hause um den Rest des Abends in unserer Lodge zu verbringen. Dort war inzwischen auch Leben eingekehrt.
Die Feuerspucker oder besser gesagt Fireplayer, die eben noch auf dem „Konzert“ waren, hatten den Weg in unsere Bleibe gefunden. Einige spärliche Versuche meinerseits uind schon haben sich alle Utensilien um meinem Arm gewickelt. Nur gut, dass ich das nicht mit brennende Pendeln gemacht habe. Irgendwann hat es dann aber doch geklappt. Wer weiß. Vielleicht versuch ich das ganze ja nochmal auf meiner Farewellparty in drei Wochen. Gegen 23:00 Uhr kam plötzliche ein Bus mit 20 weiteren Gästen an. Diese machten sich sofort in den geheizten Pool und ließen es sich gut gehen. War schon eine etwas kuriose Situation. Gerade steht man noch mit einem Bier an der Bar und unterhält sich mit den Holländern und auf einmal kommen da 17 schwarze Mädels im Bikini hinter dir lang gehüpft und stürzen sich in die warmen Fluten. Besonders faszinierend fand ich dabei die eine Dame, die inmitten der Gruppe durch ihre helle Haut auffiel. Bis jetzt hab ich noch nie einen „schwarzen“ Albino gesehen. Moment! Hab ich überhaupt schon mal einen Albino gesehen? Is ja auch Wurst.
Ich hätte ja auch gerne mal ein Foto gemacht, aber das wäre dann wohl doch etwas zu dreist gewesen (obwohl es toll ausgesehen hätte: der leichte Nebel über dem Pool, die Feuerspucker im Hintergrund, die ihre Fackeln herumschleuderten…)
Gegen 1:30 Uhr machte ich mich dann auch mal in den inzwischen verhältnismäßig leeren Pool. Als ich gegen 2:30 Uhr wieder an der Bar saß und mich mit den beiden Musikern des vorangegangenen Konzertes unterhielt, traf mich fast der Schlag. So wollte ich mir doch eben noch die Bilder des vergangenen Tages angucken.
Hat ja auch nicht wirklich Sinn den Typen eine Standpauke zu halten. Würde die Sowieso nicht interessieren. Ich habe mich lieber dafür entschieden das ganze am Morgen beim Chef kurz zu erwähnen. Der reagierte alles andere als erfreut. Ich bin mir also sicher, dass es da noch ein paar Konsequenzen geben wird. Nicht zuletzt, weil er auch ein paar von meinen Fotos zu Werbezwecken haben wollte. Tja, daraus wird wohl nichts.
Prinzipiell hab ich ja nichts dagegen, dass sie meine Kamera benutzen (sonst hätte ich sie wegschließen müssen), aber man sollte schon wissen was man tut. Wenn ich merke, dass ich nicht weiß was ich tue, drücke ich auf Power und lass die Sache auf sich beruhen. Ich… ich reg mich schon wieder viel zu sehr darüber auf. Schließlich hatte ich der Familie unserer beiden Begleiterinnen versprochen ihnen einige Bilder als Mail zuzuschicken. Alles Futsch! *Schluchz*
Wird wohl also noch einmal da hin müssen. Wie traurig ;o))
Trotz alledem war’s noch ein sehr lustiger Abend mit den Holländern. Das Bett hab ich dann so gegen 4:20 Uhr gefunden. Also noch genug Schlaf um drei Stunden später aufzustehen und erneut in das wurstpellenartigen Ganzkörperkondom namens Neoprenanzug zu gleiten. Naja, eigentlich ist das kein „Gleiten“ sondern eher ein Hineinzwängen. Ist ja aber auch egal.
Jaja war schon wieder wohl auf und ich bereute die Auswüchse der vergangenen Nacht. Diese Bar war gefährlich, die Holländer waren trinkfest, die irischen Barkeeper waren erbarmungslos und bezahlt hab ich an dem Abend überhaupt nichts. Die Knaben waren eben doch nicht die geborenen Buchahlter. – Sollte mir recht sein.
Als krönender Abschluss des Wochenendes sollte das „Kloofing“ herhalten. Kloofing heißt frei übersetzt wohl sowas wie „durch-eine-tiefe-Schlucht-laufen“. Feinstes Englisch ist das zwar nicht gerade, aber immer noch besser als „Abseiling“, das bei mir einen Ehrenplatz im Wortschatz gefunden hat. Mit flauem Magen und einem spärlich Frühstück machen wir uns auf den Weg. Ich hätte jedoch nicht damit gerechnet, dass wir vom Parplatz aus noch ca. 2 Kilometer laufen müssen um bei unserem Einstiegspunkt ins Wasser zu springen. Als wir endlich am Wasser aufschlagen kommt das Wasser einer Erlösung gleich. Durch den Fluss machen wir uns auf den Weg in Richtung Mac-Mac Falls, einem der größten Wasserfälle der Umgebung. Als wir schlussendlich in der Schlucht ankommen ist es nicht nur kalt, windig und nass, sondern auch verdammt Janek-feindlich. Trotzdem: durch den Wasserfall muss man jetzt erstmal durch! Mit Pieter mache ich mich auf den Weg zu den tobenden Wassermassen, die aus 65 Metern auf uns hinabprasseln. Wofür diese Strapazen? Natürlich für ein Foto. Was denn sonst?
Erschöpft aber glücklich es hinter mir zu haben mache ich mich auf den Weg an Land. „Wie kommen wir jetzt eigentlich nach oben zu unserem Parkplatz?“ Jaja zeigt nach oben. „Nee jetzt, oder? Gibt’s denn hier kein Lift?“ Mit letzter Kraft zerren wir uns den Berg hinauf. Wider erwarten bin ich nicht der Langsamste und so bleiben mir nach gelungenem Aufstieg noch ein paar Minuten auf einem Felsvorsprung zu verschnaufen.
Auf der Fahrt nach Hause versuchten wir noch einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Wer mit Namen wie God’s Window um sich wirft, sollte ja einiges zu bieten haben dachten wir uns und kamen nach einem kleinen Umweg von 35 Kilometern gesund und munter am Aussichtspunkt an. Was uns dort erwartete war… ähm… eine Aussichtsplattform, wie man sie Fast überall finden kann. Fotos zu machen war aus zweierlei Gründen überflüssig. Erstens: Die Luft ist sowieso so verstaubt, dass man kein scharfes Panoramabild hinbekommt. Und Zweitens: Wir hätten uns sonst mit den ganzen Chinesen gleichgestellt, die scharenweise, alle mit einem Hut ausgestattet zum göttlichem Fenster pilgerten.
Modisch gesehen konnte an diesem Tag nur Pieter mit ihnen mithalten, was das obligatorische Gruppenfoto eindrucksvoll beweist.
Pünktlich gegen 22:00 Uhr sind wir wieder zurück in Pretoria und können sagen, dass uns dieses Wochenende zumindest bis zum nächsten in Erinnerung bleiben wird.
Fazit: Auf einem Gummireifen einen Fluss hinunter geglitte, sich von einer Brücke gestürzts ein wenig Fireplay geübt (wenn auch ohne Feuer), unter einem Wasserfall lang geschwommen. Und viele nette Leute kennen gelernt (Obwohl ich mir nicht sicher mit, ob ich die Idioten von der Bar dazu zählen soll.)