So, jetzt mal noch schnell ein paar Worte zu meiner letzen Wochen.
Wo fang ich denn am besten an? Da ich keine Übersicht mehr habe, wie das ganze chronologisch abgelaufen ist, werd ich mich einfach mal an ein paar Kategorien entlanghangeln. Mit ein bissel Glück bekomme ich noch alles auf die Reihe.
Kriminalität: Immer ein gern erwähntes Thema und von mir in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt. Da es aber nicht so wirken soll, als ob hier inzwischen der Frieden eingekehrt wäre: Hier ein paar Stichpunkte. Frank, ein Mitarbeiter von Siemens den ich schon das ein oder andere mal auf einer Party getroffen habe, ist inzwischen um ein Auto ärmer. Irgendjemand meinte ihm sein Auto aufknacken und sich damit aus dem Staub machen zu müssen. Ich will nur hoffen, dass mir sowas nicht auch blüht.
Weitere Neuigkeiten gibt’s von der Smash’n'Grep-Front. Eine Trainingseinheit dieses Extremsports wurde am Auto der Schwester meines Vermieters (oder auch kurz Annelie) verübt. Das bedeutet: Handtasche weg und folgerichtig Geld weg, Ausweis weg, Führerschein weg, Schlüssel weg, Telefon weg.
Der Farewell von Edouard war ein einziger Hammer und ich hoffe, nicht nur für mich, dass mein Farewell ähnlich spektakulär wird. Allerdings werd ich bei mir hoffentlich noch den Pool mit einbinden können. An besagtem Abend war ich so müde, dass ich mir fest vorgenommen hatte nicht allzu lange auf zu bleiben. Hingehen musste ich aber auf jeden Fall. Schließlich wollte ich ja noch unsere drei Französinnen kennen lernen, die um darauffolgenden Wochenende bei uns einziehen wollten. Die Begrüßung viel allerdings etwas überraschend aus: “Ach du bist derjenige in dessen Zimmer wir einziehen?” …. Dabei hatte ich noch nicht einmal nachgefragt. ;o)) Realistischerweise hab ich dann einfach mal unterstellt, dass ich zuvor ausziehen müßte. Schade eigentlich.
Tja, letztendlich hab ich mich dann auch früher von der Party verabschiedet. Da war es dann aber trotzdem schon 3:40 Uhr und das Aufstehen um 6 machte mir ein “wenig” sorgen. Getreu nach der Rechnung: 1 h verschlafen minus Dusche minus ausgiebieges Frühstück plus minimales Frühstück plus Fahrstil eines Verzweifelten ist gleich pünktlich auf Arbeit ankommen, begann ich den nächsten Morgen. Um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen musste ich mich nur noch leise an den schlafenden Körpern im Wohnzimmer und auf der Terasse vorbeikämpfen. Erstaunlicherweise war ich an diesem Tag ziemlich munter.
Der Farewell von Heike einen Tag zuvor war glücklicherweise nicht ganz so ausufernd, weshalb ich mich schon gegen 1:00 Uhr in die heimischen Kissen drücken konnte. Lediglich die Suche nach einem Geschenk gestaltete sich schwierig. Die Idee ihr ein “U-Turn verboten”-Straßenschild zu besorgen (lange Geschichte) scheiterte leider am mangelnden angebot. Ich kämpfte mich durch sämtliche Läde. Haushaltswarenladen, Spielzeugeladen, Buchladen, Plattenladen, Postershop, Heimwerkerladen. Alles Vergebens. Irgendwann kommt man sich auch komisch vor, wenn man nach einem Straßenschild fragt und ständig die Antwort bekommt, dass die Dinger doch quasi auf der Straße liegen. Im Heimwerkerladen wollten sie mir noch ein passenden Schraubenschlüssel verkaufen, damit ich das Schild möglichst schnell abmontieren kann. Hab die Idee dann aber doch verworfen, als ich an die Erklärungsnöte dachte, in die Heike am Flughafen geraten würde, wenn sie so ein Schild exportieren würde wollen.
Der darauffolgende Abend sollte wieder etwas ruhiger angegangen werden, weshalb wir uns bei unserem Amischwaben Fritz zum Braai trafen. Highlight dieses Abends war das Straußenei, dass Tim aus Swasiland mitgebracht hatte. Die Schale, die in sich die Masse von etwa 24 handelsüblichen Eiern verbarg, war mehr oder weniger schnell aufgebohrt. Fazit: Straußenei ist unbedingt zu empfehlen. Vielleicht nicht unbedingt als Frühstücksei, aber das Omelett hat definitiv besser geschmeckt, als jedes normale Ei. Lange wollte ich jedoch nicht bleiben und verkroch mich gegen 21:30 Uhr in mein Auto um mich auf den Weg nach Hause zu machen. Die Nacht war für mich vermutlich zu lang, denn der Freitag war nicht mehr Feierlich. Meine gesamte Abteilung hatte sich in einen Tagungsraum eingemietet und wir ließen uns von verschiedenen Präsentationen berieseln. Diese waren noch nicht einmal uninteressant und kurzzeitig wurde ich wieder wach, als sie von der Speicher-Kapazitäten im hiesigen Serverraum sprachen. Um 16.000 Terabyte Speicherpaltz voll zu bekommen muss man als Privatmensch schon eine Stolze Musiksammlung haben oder sich Vollblutcineast nennen. Trotz alledem war ich so müde, dass ich Probleme hatte meine Augen so zu justieren, dass sich der Redner nicht plötzlich in zwei Exemplare aufteilte. Ebenfalls eine sehr interessante Erfahrung, die mir hoffentlich das erste und letzte Mal widerfahren sein wird. Als ich schon drauf und dran war mich zu entschuldigen und nach Hause zu fahren, sah ich einen Getränkemarkt um die Ecke. Einen Red-Bull später sah die Welt wieder einmalig und dreidimensional aus und ich konnte den Tag zuende bringen.
Damit hatte ich jedoch die Recchnung ohne den Wirt gemacht. Die Deutsche Schule Pretoria rief nämlich zum Oktoberfest auf und ein richtiger Vollblutpatriot folgt natülich diesem Ruf. Ich bin diesen Vollblutpatrioten dann einfach mal hinterher gewatschelt und fand mich gegen 20:00 Uhr vor einem Bierzelt wieder in dem eine “echte deutsche Rumpa-Band” ihr Gesangeskunst zum besten gab. Ich weiß nicht waran es lag. War es die Müdigkeit? War es der fehlende Alkohol? War es die Anton-aus-Tirol- oder Wofgang-Petri-Musik? Ich weiß es nicht auf jeden Fall wollte sich bei mir nicht die richtige Stimmung einstellen. Als dann ein paar Typen am Nachbartisch auch meinten sich abwechselnd zuprosten und anschließend in einer viel zu bekannten deutschen Handbewegung zu Grüßen war die Schwelle schon fast erreicht. Aber auch nur, weil ich mir sagte, dass hier das geschichtliche Hintergrundwissen nicht so stark ausgeprägt ist, wie in Deutschland. In Berlin wäre ich dort keine Minute länger bei den grölenden Massen geblieben. Als dann der typ schräg vor mir auf den Tisch stieg und seine Weißwurst präsentierte, war für mich nicht nur klar, dass ich abhauen sollte, sondern auch, dass ich das Original-Oktoberfest in München meiden würde (bzw. nur mit mehr Schlaf und Alkohol ertragen könnte.) Das Wochenende war diesmal nicht vollständig verplant und so konnte ich endlich einmal ausschlafen. Das hatte die sogar für mich stolze Aufstehzeit von 15:30 Uhr zur Folge. Muss aber auch mal sein und so vebrachte ich den Nachmittag mit einem Sonnenbad und dem Sortieren/Löschen meiner inzwischen 3,5 GB großen Fotosammlung. Am Abend ging es noch einmal nach Hattfield, wo ich mir als ausgleich zu einem Caipirinha aus Zitrone, Rum, Eiswürfel (Kein Cachaca, keine Limetten, kein Rohrzucker) noch zwei Pangalagtische Donnergurgler genehmigte (Farbenfroh, unten warm, oben Eis, lecker). Der Drink blieb mir zwar kurz im Hals stecken, als plötzlich ein bulliger Kerl im roten Minikleid vorbei kam und offensichtlich/hoffentlich seinen Jungesellenabend feierte.
Der Weg nach Hause wurde nur kurz von der Polizei unterbrochen. Während ich auf der Rückbank des Autos saß veranstaltete Pieter (ein neuer Praktikant) einen Spurwechsel, der dem Herren im Streifenwage offensichtlich nicht gefiel. Der schnautze uns oder sagen wir mal besser ihn an, ob er denn wüßte, dass er vor einem Polizeiwagen fahre. Nachdem er mitkriegte, dass wir aus Deutschland kamen, wurde er jedoch wieder etwas ruhiger. Vermutlich weil er wußte, dass er sich nicht dem Papierkram eines Bußgeldes für Ausländer aufhalsen würde.
Den (Wahl-)Sonntag verbrachten wir in Pilanesberg. Ermutigt von den zahreichen teils atemberaubenden Fotos, machten wir uns gegen 5:00 Uhr in der Frühe auf den Weg zum etwa 130 km entfernten Nationalpark. Auf der Straße zum Park sahen wir am Straßenrand zwei tote Esel liegen und sollten uns eigentlich glücklich schätzen ein tier aus der Entfernung sehen zu dürfen. Unsere Erwartungen wurden im Park leider weitesgehend enttäuscht. (eventuell bin ich inzwischen auch schon etwas abgestumpft) Einzige Highlights waren eine Zebraherde, die direkt vor uns die Straße überquerte und ein Elefant, der sich offenbar von uns gestört fühlte und sich uns auf weniges Meter näherte. Vermutlich wäre er auch noch näher gekommen, aber nachdem mir Annelie am Freitag nach dem Oktoberfest bei einer Flasche Wein erzählte, wie Elefanten ihre Feinde töten, wollte ich nur ungern Bekanntschaft mit dem Dickhäuter machen und legte den Rückwärtsgang ein. Die grauen Riesen zertrampeln dich nämlich nicht etwa, sondern gehen vor dir auf die Knie und zerquetschen dich langsam aber dafür umso gründlicher mit der Stirn.
Auf dem Rückweg machte ich meinerseits noch Bekanntschaft mit der Polizei. ebend noch mit 150 km/h unterwegs, sah ich einige Hundert Meter vor mir einen Polizisten mit einem Laser. “Nu aber mal ganz fix runter auf die erlaubten 120 km/h dachte ich mir uns stieg in die Eisen.” Angehalten wurde ich trotzdem. “Naja, so schnell kann ich ja jetzt nicht mehr gewesen sein.” “Sie fahren zu schnell. Das ist eine 80er Zone.” “Upps!” Diese Geschwindigkeitsbegrenzung macht auf einer schnurgerade Strecke ohne Seitenstraßen oder Häuser, Schlaglöcher oder ähnlichem Zeug natürlich keinen Sinn, aber das ist ja bekanntlich auch nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Geschwindigkeit. “Wo kommen sie denn her?” “Deutschland.” “Ahh, Bayern Munich, Championsleague, bla bla” Trotzdem legt er mir die Tabelle vor. 900 RAND !?!?!?!?! Aua, lass mein Bein los! “Tja, was können wir denn da jatzt machen?” *Schweigen* “Wieviel kannst du denn bezahlen?” Ich tue auf abgebrannt und nehme einen der 25 Hundert-Randscheine aus meiner Tasche. Der Blick, des “Gesetzeshüters” ist noch nicht zufrieden. Ein fragender Blick in die Gesichter der drei anderen Passagiere. Jeder holt die kleinsten Scheine raus, die er so finden kann. Nachdem der Herr in dunkelblau sicher gegangen ist, dass jeder einen kleinen Obolus eingezahlt hat, ist er zufrieden. Insgsamt waren wir bei 310 Rand angekommen. Das ist eine Erfahrung, die man in Südafrika vermutlich mal gemacht haben sollte. Strafzettel auf Verhandlungsbasis sind garnicht so schlecht und der Polizist hat sich garantiert einen schönen Abend mit den 40,- Euro gemacht.
Janek, darf ich mal ein Foto von Dir und Deinen Augenringen sehen? Pures Interesse!
Wieviele Schraenke mit Festplatten habt Ihr denn da, wenn Ihr 16.000 Terabyte an Speicherplatz habt. Sind es vielleicht “nur” 16.000 Gigabytes (=16TB)?
Ich haette auch gerne jemanden zum Verhandeln gehabt, als ich letzten Freitag einen kleinen gruenen Zettel an meinem blauen Auto vorfand (haessliche Farbkombination). $50 Dollar fuer 1x Vergessen das Parkticket zu kaufen. Ganz schoen happig, aber da kann man wohl nix gegen machen.
Sind die Franzoesinnen nett? Und wann ziehen sie denn nun bei dir ein?
Bis denne
Robert
Tut mir “leid” dich enttäuschen zu müssen Robert. Aber wenn ich von 16.000 Terabyte spreche, dann mein ich die auch. Ich hab aber auch erstmal gestutzt als ich das gehört habe. Aber da die Grafiken genau das selbe besagten, gehe ich davon aus, dass ich mich nicht verhört habe.
Dass ich nicht der einzige bin, der mit dem Gesetz in Konflikt gerät find ich beruhigend (Obwohl, ein Konflikt war es ja nicht wirklich.)
Laut offiziellen Angaben sollen die Französinnen heute einziehen. Ich glaub aber inzwischen schon nicht mehr dran.
Allerdings sind heute ca. 7 Franzosen bei uns eingeladen. Unter den 5 Damen werden dann hoffentlich unsere Mitbewohner sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt…