Vorfreude, Aktuelles und Nachtrag

Vorfreude, Aktuelles und Nachtrag

Hello my good people.
Es ist schon wieder Mitte der Woche und der Besuch des Kruger Nationalparks rückt immer näher. Da kommt es nicht nur zu Vorfreude, sondern auch zu nervösen Zuckungen am rechten Zeigefinger. „FOTOS!!!“ Hör ich die Stimmen in meinem Kopf sagen und ich werd alles versuchen sie nicht zu enttäuschen. Aber noch ist es ja nicht so weit. Die Bilder derjenigen, die schon da waren, werden zwar schwer zu übertreffen sein, aber ich werde mein Bestes geben. Zur Not kann man ja immer noch retuschieren.

Die Vorfreude zielt aber noch über das nächste Wochenende hinaus. Die Buggy-Tour in St Lucia (ein Ort der nicht etwa mit südländischem Temperament ausgesprochen wird, sondern eher wie San-Luscha) kündigt sich an. Die Reisebeschreibung lautet ungefähr so: „The weekend overnight adventure leaves from St Lucia on Saturday at +/- 09h00 and we discover the beauty and challenges on the way to the beach where we have a braai, then continue on to our way to Mapelane, on the beach where we will spend the night. The next day we explore more beach and challenging sand driving and river crossings, arriving back in St Lucia at about 16h30.“ So aufgeregt war ich das letzte mal als… lassen wir das. Noch zur Erklärung: Ein Braai ist so ziemlich das gleiche wie BBQ in Amiland oder Grillen in Deutschland.

Gestern hab ich dann doch tatsächlich mal meine Miete bezahlt. Die ist zwar etwas höher ausgefallen, als ich es mir erhofft habe, aber das Prospekt mit Billardtischen auf dem Küchentisch läßt mich mit Zuversicht in die nahe Zukunft blicken. Schön, wenn man sieht, dass die Miete, die man zahlt, auch wieder zurück geflossen kommt.

Was gibt’s sonst neues? Am Montag war bei mir Kochen angesagt. Es gab einen kulinarischen Leckerbissen: Nudeln mit Gorgonzolasoße. Dazu zwei Flaschen original südafrikanischen Wein, von dem ich mir im Nachhinein hab sagen lassen, dass da das Beste aus allen Weinen zusammen kommt. Hat Charl gesagt „das Beste“? Naja, auf jeden Fall kommt aus allen Weinen was rein. Wir hatten aber offensichtlich Glück, denn der rote Fusel, passte herrvorragend zum nicht ganz ausgereiften Parmesan, der so weich war, dass man ihn in backenzahngroße Stückchen zerteilen konnte. Auf jeden Fall haben wir viel gelacht und für nächste Woche auch wieder was ausgemacht (*Applaus für den Reim*). Da sollte es dann eigentlich Schoko-Fondue geben. Der wird nun aber vermutlich dem original Wiener Schnitzel von unserem österreichischen Chef du cuisine Platz machen müssen. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. :o )
Gestern war ich mal wieder im Kino und hab mir zusammen mit Heike, Christian und zwei Französinnen „Hotel Rwanda“ oder auf Deutsch „Hotel Ruanda“ (zum zweiten mal) angeguckt. Nach dem Besuch im Apartheid-Museum und der Gegend durch die man ständig fährt, erscheint einem dieser Film noch viel Realistischer. (Mag vielleicht daran liegen, dass der Film der Wahrheit entspricht.) Wer ihn schon gesehen hat, weiß was ich meine. Wer nicht, der sollte ihn sich unbedingt angucken.
Anschließend ging’s ins „Tinges and Times“ (Hoffentlich hab ich das jetzt richtig geschrieben.). Das ist die Kneipe in der ich schon am ersten Pretoriatag war. Hier hingen immer noch Bob Marley Poster rum und die Karte ist eine eigene Zeitung in der du dich neben dem Essen und den Getränken auch noch über der Unschädlichkeit des Canabis-Konsums informieren lassen kannst. Ein kleines Schmunzeln muss ich mir bei folgendem Spruch abringen: „Ich glaube nicht, dass Computerspiele das Verhalten von Kindern beeinflusst. Wenn uns Pac-Man beeinflusst hätte, dann würden wir uns alle in dunklen Räumen zu stupider Musik bewegen und lauter gelbe Pillen einwerfen.“ Wer das witzig findet darf es behalten… Nach ein paar Bierchen gings dann auch wieder mehr oder weniger direkt auf den Weg nach Hause. Letztendlich war ich um 1:00 Uhr in heimatlichen Gefilden und hatte noch unglaubliche fünf Stunden zum Schlafen.

Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich in meinem letzten Beitrag noch was vergessen hatte. Nicht unerwähnt bleiben sollte nämlich die Polizei. Wenn man auf der Straße bewaffnete, uniformierte und in schicken Autos sitzende Typen sehen sollte, dann kann man davon ausgehen, dass man es hier nicht mit Polizisten zu tun hat. Diese fahren nämlich in verrosteten Kisten durch die Stadt und kassieren vermutlich die ganze Zeit Schmiergelder (Wobei das natürlich ein Vorurteil ist, das ich und meine Anwälte als vollkommen unbegründet unterstreichen wollen.) Sollte man einmal in die Situation kommen, die Polizei zu alarmieren, so kann man sie unter der eingängigen Nummer 10111 erreichen. Als Alternative dazu kann man aber auch dir 911 wählen. Diese Nummer ist aber nicht etwa für eine staatliche Einrichtung reserviert, sondern für die ADT-Company (American District Telegraph). Diesen privaten Wachschutz findet man im Gegensatz zur Polizei überall. An so ziemlich jedem Haus hängt hier ein Schild mit den drei goldenen Buchstaben. Dabei drängt sich einem der Verdacht auf, dass dieser Verein der bedeutenste Arbeitgeber des Landes ist.
Die Polizei ist auch nicht für die Überwachung des Straßenverkehrs zuständig. Dafür gibt es eine extra Verkehrsbehörde. Die Blitzer fotografieren dich hier übrigens von Hinten. Das hat zwei Nachteile: Erstens kann man die Blitzer nicht rechtzeitig sehen und zweitens kann man nicht sagen, dass man nicht selbst gefahren ist (denn das interessiert eh niemanden). Gelasert werden kann man natürlich auch. Eine geringe Geschwindigkeitsüberschreitung kostet ungefähr 300 Rand. Auf Verhandlungsbasis versteht sich. Eigentlich müßten dir die beamten nämlich einen Zahlungsbescheid geben, mit dem du die nächste Polizeistation ansteuerst. Da das aber viel zu umständlich ist und nur Bargeld lacht, bekommst du meistens einen Umschlag mit der Rechnung. Wenn da 300 Rand drauf steht legst du 100 rein und gibst den Umschlag zurück. Wenn das zu wenig sein sollte, wiederholst du das Spielchen nochmal mit 200 Rand. Angeblich ist es relativ unüblich tatsächlich die kompletten 300 zu zahlen. Auf Diskussionen sollte man sich allerdings auch nicht einlassen. So sind Erzählungen zufolge auch schon mal zwei BMW’ler Studenten haarscharf an einem Gefängnissaufenthalt vorbei geschrammt, weil sie sich standhaft geweigert haben ihre Strafe zu bezahlen.
Tja, das war’s auch schon wieder. Mir geht’s immer noch gut. Gesundheitlich Schwächel ich zwar noch ein bisschen, aber davon sollte man sich ja nicht beeinflussen lassen, gelle?

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