Rhino & Lion Nature Reserve

Halbwegs ausgeruht und mache ich mich am nächsten Morgen auf die Socken. Kaum am Haus der anderen Teilnehmer angekommen gibt’s auch schon die erste Hiopsbotschaft. In der Nacht von Freitag zu Samstag wurde bei Philipp eingebrochen. Folgendes wurde geklaut: Alle Klamotten bis auch zwei Hosen, ein Hemd und einen Anzug, alle Schuhe, die Bettdecke, die Koffer, der Labtop, das Ladegerät für die Kamera und und und… Letztendlich waren nur noch, die Fotos seiner Freundin und das Portmonaie in dem Zimmer vorhanden. Letzeres aber auch nur, weil es in einem Schubfach lag und die Einbrecher offensichtlich gestört wurden. Mit einem flauen Gefühl muss ich an meine nicht verschließbaren Fenster denken. Naja, statistisch gesehen ist es doch bestimmt unwahrscheinlich, dass mir jetzt noch was passiert. (Oder was für eine Verteilung war das nochmal?)

Zurück zum Thema: Bis zum “Rhino & Lion Nature Reserve” dauert es etwa eine dreiviertel Stunde. Der Park selbst ist etwa 15 Minuten von einer asphaltierten Straße entfernt und kann mit erstklassigen (Hinkel-)Steinen auf den Wegen aufwarten. Unser erster Stopp bringt uns jedoch nicht gleich zu den Tieren, sondern erst einmal in die örtlliche Tropfsteinhöhle. Wir kommen pünktlich zu Führung *Juchhe* und werden sogleich davon informiert, dass das Essen in Höhle 35 Meter unter uns verboten ist. Ich fand es irgendwie viel schlimmer mein Eis daraufhin in Rekordzeit essen zu dürfen, aber ich wollte mich ja auch nicht mit dem Typen anlegen. Der hatte so eine ruhig-psychopatische Art.

Den anwesenden Rentnern hat das aber offensichtlich gefallen. (Obwohl die Hälfte von denen so stark nach Alkohol gestunken hat, dass man deren Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit ernsthaft in Frage stellen konnte. Mit einer Konstanten Geschwindigkeit von einem “Scherz” alle 5 Sätze wird uns die Höhle erklärt. “Aha, das Braune ist also Schlamm, das Weiße ist Kalk und das Rote ist Rost.” Hat der echt studiert um uns solch offensichtliche Dinge zu erklären. “Aha, und dieser riesige Brocken ist also von 1,5 Monaten von der Decke gefallen?” “Ach, doch nicht? Vor 1,5 Millionen Jahren?” Witz komm raus du bist umzingelt!!! Irgendwann neigt sich aber auch diese Führung dem Ende zu. Beim rausgehen bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mehr Mitleid mit uns oder mit dem Führer haben sollte? Die Gedanken kann ich jedoch nicht zu Ende führen denn schon muss eine Entscheidung getroffen werden. Das Auto von Philipp hat kaum noch Sprit, was meinen “geräumigen” Smart zur einzigen Fortbewegungsalternative aufsteigen läßt. Tatsächlich passen alle 5 Personen in die Kiste und schon sind wir (Mittags um 12:00 Uhr) auf dem Weg in die verschieden Reviere.Der Smart erweist sich dabei als das wohl schlechteste Auto um auf den hiesigen Straßen voran zu kommen. Unterstützt durch das zusätzliche Gewicht, macht der Unterboden mehr als einmal Bekanntschaft mit den Herrausragenden Steinen und Erdhügeln. Ohne eine professionelle Ausbildung als Pfärtenleser zu haben, kann man im Sand komplette Geschichten lesen. ‘Hier ist das Auto also aufgesetzt. Aha, das muss dann wohl die Ölwanne gewesen sein. Danach ist er dahin gefahren. Und hier war das Öl dann wohl alle.’ Eine spannende Geschichte, die uns glücklicherweise erspart blieb.

Die Suche nach den Tieren gestaltet sich bis auf eine Ausnahme recht einfach. Die Löwen warten zum Beispiel bereits am Eingang zu ihrem Gehege. In 1,5 Stunden findet die offizielle Fütterung statt. Bis dahin können wir uns noch den Rest angucken. Ein anderer Besucher verbrachte die Zeit lieber damit, den Reifen seines Geländewagens zu wechseln. Verspielt wie Katzen nun einmal sind, meinte einer der Löwen, er müßte sich mit dem rechten Hinterrad vergnügen. Das der Reifen daraufhin die Grätsche macht, war bestimmt nicht im Sinne des Tieres.

Abgesehen von Löwen sehen wir noch einige Hyänen, einige Aasgeier samt Aas (Puh, stingt das scheußlich!), ein Nashornweibchen samt Kind, einige Sträuße (nicht die mit den Blumen, sondern die mit den riesigen Eiern ;o)), ein paar Gnus, Springböcke und andere Fleischtheken auf vier Beinen und zu guter letzt auch noch ein paar Warzenschweine.

Letztere erinnern einen nicht nur an den “König der Löwen” und Hakuna Matata sondern auch an die schädliche Wirkung von dauerhaft ausbleibenden Nackenmassagen. Diese Viecher schaffen es nämlich offensichtlich nicht, ihren Kopf nach unten zu senken. Das bedeutet, dass sie immer die vorderen Beine einknicken müssen um mit dem Gesicht im Dreck/Essen zu landen. “Flachköpper macht Laune!!!”
Die Fütterung der Löwen gleicht einem altrömischen Gladiatorenkampf… Nur, dass nicht gekämpft wird. Eine ewig lange Karawane aus Touristenautos schlängelt sich um den Schauplatz. Die Autos kommen jedoch nur langsam vorwärts, da die Löwen stilgerecht auf der Straße laufen müssen. In glühender Hitze und dem eigenen Saft warten wir auf das Schauspiel. Die Tiere sind 150 Meter von uns entfernt, als plötzlich ein Geländerwagen die Ruhe stört. Das Gnu wird vom Pickup runter geworfen und damit ist das Spektakel auch schon wieder beendet. Man sieht nur noch einen Berg von Löwen über dem Kadaver und freut sich, dass man nicht noch einmal in die Versuchung geraten wird sich eine Raubtierfütterung anzugucken.
Der krönende Abschluss bildet der Zoo, des Parks. Hier kommen wir abschließend in den Genuss uns ein paar Nilpferde, Zebras, weiße Tiger und Hyänen anzugucken, die laut Beschriftung ritteraktiv sind (“active at knight” ). Die Tiere sind mindestens
genauso müde und hungrig wie wir, weshalb wir sie nicht lange stören wollen. Der Versuch einem kleinen Südafrikaner die korrekte Ausprache des Namens “Haubentaucher” nahe zu bringen, scheitert an an seiner offensichtlichen Vorliebe für das Wort “duck”. Eigentlich schade, aber andererseits hätte er mit “Haubentaucher” sowieso nix anfangen können.Am frühen Vormittag verlassen wir den Park und machen uns auf den Weg zum nächsten Markt. Auf diesem bekommen wir nicht nur etwas zu essen sondern auch zahlreiche Holzfigürchen angeboten. In bester “Leben des Brian”-Manier wird hier gehandelt, was das Zeug hält. “Wieviel kosten denn diese drei Figuren?” “Ich hab eine Figur für 20 Rand eingekauft.” “Okay, dann nehm ich die drei für 10 Rand.” “Nein, das kann ich nicht machen.” “Wieviel denn dann? Sagen wir alle drei für R30.” “Nein, dann treffen wir uns lieber in der Mitte. Bei 15 Rand.” “Nein, 20 Rand. Darunter kann ich wirklich nicht verkaufen.” “Na gut, Ich muss sie ja auch nicht kaufen. auf wiedersehen.” “Halt, warten Sie. Okay, für 15 Rand. *grummel*” ” Super. ich hab leider nur einen Zwanziger. Können sie wechseln?” “Hmmpphhh. *doppelgrummel*”
Das beste Schnäpchen hat aber wohl Carolina gemacht. Eine Holzgiraffe die bei (lass mich lügen) 380 Rand gestartet ist, hat sie letztendlich für 50 Rand, eine Packung Kaugummi, ein paar Bonbons und einem halben Labello ersteigert.
Die einzige unangenehme Erfahrung ist die extreme Aufdringlichkeit einzelner Verkäufer. So ist mir ein Typ über den kompletten Marktplatz gefolgt um mir ein Holznashorn anzudrehen. Das Dumme ist, dass er den natürlich auch nicht mehr so einfach zurücknehmen will, wenn er dir den erst einmal in die Hand gedrückt hat. In bester Oliver Kahn Manier hindert er dich auch daran das Figürchen auf eine leere Stelle seines Tisches abzustellen. Wenn man dann noch, wie ich, an einen Typen gerät, der nicht nur durch seine Zudringlichkeit, sondern auch durch seine gelben Augen besticht, weiß man, dass man hier nicht nur Hartholzfiguren bekommst, sondern auch ein bissel Hepatitis, wenn du mal freundlich anfragst.
Obwohl ich nicht zu den Leuten gehöre, die aus Afrika wieder kommen und sich einen original Eingeborenenspeer samt Schild und Kriegermaske an die Wand hängen, bin ich nun Besitzer von drei Holzaffen und einem langen Lulatsch in Denkerpose. Das heißt, einen der Affen find ich nicht mehr. Dummerweise ist es ausgerechnet der, der sich die Ohren zuhällt. Nach ihm zu rufen bringt also garnichts.

Am Abend waren wir dann noch im Kino und haben uns “The Island” angeguckt. Viel mehr kann man an einem Tag nun wirklich nicht machen.

Noch etwas Wissenswertes zum Schluss: Wer in Südafrika heiraten will, der muss nicht nach traditionell europäischer Art beim Vater der Braut anfragen (nicht zuletzt, weil der ja, dem Klischee entsprechend, die Hochzeit bezahlen darf). Nein, in Südafrika muss der Bräutigam seine Angebetete aus dem Elternhaus freikaufen. So wird die Tochter zur Geldanlage und die Hochzeit zu einer wohl überlegten Investition. (Ob man bei einem Harem den Lohmann-Ruchtii-Effekt anwenden kann, sei einmal dahingestellt.)

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