So, und schon wieder ist ein Wochenende vorbei. Vielleicht schaff ich es ja mal nächstes Wochenende auszuschlafen. aber ich wage das mal zu bezweifeln. Ich bin ja aber auch zum Arbeiten hier und nicht zum Faulenzen. Das Wochenende war gefüllt mit Geschichte, Kultur, Subkultur und animalischen Einflüssen. Wie das ganze zusammen passt werde ich wieder einmal versuchen zu erläutern. Damit ich nicht so durcheinander komme beginnen wir doch einfach mal am Freitag
Den Feierabend nun entgültig vor Augen mache ich mich pünktlich um kurz nach 5 aus dem Staub. Das Werksgelände sollte ich aber erst 1,5 Stunden später verlassen, denn nun war erstmal Social-Club angesagt. Der Social-Clup ist eine kleine Bar auf dem Werksgelände und einer der Orte, an dem man seine Kollegen (abgesehen vom Fitnessstudio) auch mal privat erleben kann. Dass man sich mal eben so zufällig beim bummeln auf der Straße trifft ist schließlich sehr unwahrscheinlich. Nach einem Bier verabschiede ich mich von den Südafrikanern, Indern, Amis, Israelis, Östereichern und Deutschen und mach mich auf den Weg nach Hause. Heute geht’s mal früh ins Bett. Schließlich muss ich morgen pünktlich in Midrand sein um mich mit meiner Soweto-Tour-Partnerin zu treffen… Tja, das war die Theorie. Die Praxis sah eher anders aus. “Hast du Lust heute Abend mit in nen Club in Pretoria zu kommen?” werd ich von Charl gefragt. “Naja, ich weiß nicht. Ich muss morgen früh raus. Könnte also nicht so lange bleiben.” Ist alles kein Problem. Schließlich muss Johann morgen auch früh aufstehen. Dann fahr ich also mit ihm gemeinsam früher nach Hause.
Der Club hieß “Zeppelin” und lag genau in der City. Ich ließ mich belehren, dass dieser Club erst seit einiger Zeit in dieser Location zu finden ist. Er war nämlich so erfolgreich, dass die Betreiber eine größere Räumlichkeit suchen mußten. Da ich leider keine SMS bekommen habe, mit der ich kostenlos reingekommen wäre, mußte ich auch tatsächlch die 20 Rand ( 2,50 �) löhnen. Die nette Dame in Schwarz hinter der Kasse spricht mich auch gleich an. “Kommt näher! Wir beißen auch nicht. Wir trinken nur ab und zu ein bisschen Blut.” OKAY! Lustiger Laden denk ich mir und gehe rein. Zuvor muss ich mich aber nochmal als Grünschnabel outen. Will die Dame doch echt meine Telefonnummer haben, damit ich das nächste Mal auch eine Freiticket-SMS bekomme. Mönsch, ich bin doch erst seit zwei Wochen hier. Da muss ich doch nicht meine Handy-Nummer auswendig kennen. Naja, ist ja alles kein Beinbruch und schon stürmen wir den Laden. Der erste Eindruck: Ziemlich groß und ziemlich dunkel. Die Musik veranlasst einige Leute dazu, ihre Läuse aus den langen Haaren schütteln zu wollen. Mit einem weinenden Auge denke ich an die morgige Tour. Da sind doch Nackenschmerzen schon wieder vorprogrammiert. Wir gehen ein paar Meter und treffen auch prompt ein paar Bekannte. Allesamt lustige Leute und dazu noch sehr spendabel. So läßt es sich eine der Damen zum Beispiel nicht nehmen eine kleine Runde zu spendieren. 2 cl Brombeerlikör (oder so) rinnen die Kehle hinunter. Alles kein Ding. Mit ein bissel Phantasie schmeckte das sogar. Kaum abgesetzt, steht auch schon der nächste Becher vor mir. Einmal mein Vertrauen erschlichen denke ich nicht weiter darüber nach und setzte an… BÄÄÄHHHH !!! Das war das mit Abstand (!) schlimmste Gesöff, dass ich jemals getrunken habe. Zu viel Alkohol, zu viel Kaffeearoma, zu wenig auf menschliche Geschmackszellen abgestimmt. Bin ich jetzt ein Weichei? Ich schaue mich um und kann mich beruhigt meinem Ekel hingeben. Die anderen winden sich mit schmerzverzerrten Gesichtern. Der Würgreflex wird schnell mit einem Schluck Bier hinunter gespült. Okay Freunde, das war aber wirklich nicht notwendig. Als Ausgleich bekomme ich eine Führung durch den Club. Beim weggehen sehe ich, wie die Barfrau eine Flasche Stroh 80 unter dem Tresen hervor holt. Puh, gerade nochmal rechtzeitig, denk ich mir und stürze mich in den hinteren tiefschwarzen Teil der Disco. Der erste Floor erschien mir für eine Metall/ Gothik/ Industrial/ Was- weiß- ich- wie- man- das- noch- weiter- abstufen- kann- Disco schon etwas zu groß. Als ich die Rolltreppe erblicke dämmert es langsam. Wir befinden uns doch wohl nicht etwa in einem alten Kaufhaus? Die 4 (!) Etagen werden durch 7 Floors gefüllt, von denen sich einer als der Hauptfloor herausstellt. Um dem Kaufhausmotto treu zu bleiben, besteht sogar die Möglichkeit sich an einem Shop mit passender Kleidung ein zu decken (Falls man doch mal mit Jacket und weißer Krawatte aufgetaucht ist.) Die Beamer werfen Musikvideos an die Wand und die Leute gehen zu Klassikern wie Nirvana genauso ab, wie zu irgendwelchen Bands, die ich nicht kenne. Die Zeit vergeht wie im Flug und irgendwann machen wir uns auf den Weg nach Hause.