Lesotho Anfahrt & Vormittag (1.Tag)

Puh, war das ein Wochenende. Glücklicherweise ist der 9. August in Südafrika ein Feiertag, weshalb ich diesen Tag zum Ausruhen benutzen werde. Aber beginnen wir mal ganz am Anfang. Also am letzten Freitag dem 5. August.
Nach dem Just-in-Time-Prinzip hab ich bei meiner Chefin angefragt, ob ich den heute schon um 15:00 Uhr das Weite suchen dürfe. Ihr schien das rellativ egal zu sein. Mir allerdings nicht und so wurden wir uns schnell einig: Kein Ding. ALSO AUF NACH LESOTHO!!!

Mit zwei Autos (Smart for Two & Smart for Four) machten sich also 6 Männer auf den Weg in die Wildnis. Weibliche Unterstützung hatten wir leider nicht mehr auftreiben können. Nicht nur weil diese hier etwas spärlich gesäat ist, sondern auch, weil das lange Wochenende einige Alternativen zu bieten hatte (zum Beispiel ein Besuch in Cape Town). Mit kiloweise Wasser, Brot, Spagetthi, Aufschnitt und Bier bestückt sollte es auf den Weg in das 550 Kilometer entfernte Lesotho gehen. Unser genaues Ziel war die Malealea-Lodge. Von hier aus nach einer ersten Übernachtung mit Pferden/Ponys zu einem kleinen Dorf in der Nähe eines Wasserfalls und am letzten Tag würde dann der Rückweg anliegen. Mit vollem Tank, guter Laune und Weisheiten wie “In the night, when you are lonely, your only friend is the pony.” bewaffnet ging die Reise los.
Die Fahrt war rellativ unspektakulär. Es gibt tatsächlich eine Autobahn, die in die Nähe der Grenze führt. Diese ist zwar nur einspurig und man fühlt sich nicht besonders wohl, wenn man einen Truck, der freundlicherweise auf den Seitenstreifen fährt, überholt, aber man ist ja einiges gewohnt, wenn man Smart fährt.

Anders als in Deutschland gibt es in Südafrika (und vermutlich allen anderen Ländern) eine durchgängige Geschwindigkeitbegrenzung. Das ist ziemlich ungewohnt und so muss man sich des öfteren zusammenreißen um nicht zu schnell zu fahren. Geschichten von Gefängnissaufenthalten wegen überhöhter Geschwindigkeit inklusive Vergewaltigung machen schließlich nicht nur im Touristenkreis die Runde. Der kurze Zwischenstopp an der Tankstelle wird zum Abendessen ausgebaut und nach einer guten Stunde und einem Fahrerwechsel geht die Reise weiter. Zwei Mautstationen kreuzen unseren Weg (wieso eigentlich kein Satellitengestütztes?), wir entrinnen nur knapp zwei Blitzern und einer Polizeikontrolle und gegen 21:30 Uhr kommen wir an der Grenze an… “So, Jungs! Passport raus und auf zum Ausreiseschalter..” STOPP!!! “…Nun wird’s haarig.” Mein kleine wasserdichte Hülle, in der meine Ausweise ihr Dasein fristen gibt zwar einges her, aber nicht meinen Reisepass. FUCK!!! Ich weiß genau wo der sich rumtreibt. Der liegt noch immer in der Seite meiner Laptoptasche. Ich hatte ihn am Flughafen dort rein gesteckt. Okay, Reisepass nicht dabei. Komme also nicht über die Grenze. An der Grenze übernachten ist keine Alternative, da die Leute, die sich um die brennenden Tonnen versammeln nicht aussehen, wie der freundliche Hotellier von nebenan. Also zurück fahren. Und zwar mit dem kleinen Smart, damit wenigstens nur eine weitere Person auf das Abenteuer verzichten muss. DOCH HALT. Versuchen kann man es ja trotzdem. Immerhin hab ich meinen Personalausweis, meinen internationalen Führerschein, meine ADAC-Karte und meinen Bonus Coupon von der Pizzeria Mini-Perle dabei. Da muss doch was zu machen sein. Aus Südafrika rauszukommen ist auch kein Problem. Aber die Situation hat sich nun auch nicht wirklich gebessert (hier im rechtslosen Niemandsland). Leider ist es den Leuten wesentlich wichtiger, wer in ein Land reinkommt, als wer daraus verschwinden will. Aus diesem Grund sind wir wenig später auch schon an einen stiernackenbestückten Beamten geraten. Gut, dass wir einen IBA-Studenten aus Stuttgart dabei haben. Die Leute von der International Business Administration sind wesentlich abgebrühter und beherschen die Sprache auch wesentlich flüssiger als meiner-einer. Die Erklährungsversuche verlaufen trotzdem erstmal im Sande. Auch die Frage nach “einem speziellen Visum” bleibt erfolglos. (Vermutlich, weil eine Kollegin neben dem Knaben steht.) Irgendwann glaubt er uns zwar, dass der Personalausweis eine gültige ID ist. Aber er kann dort keinen Stempel rauf machen. “Zugang verweigert!” Irgendwann klappt es dann doch. Die Knaben können ja zum Glück kein Deutsch, weshalb sie auch keine Silbe auf meinem internationalen Führerschein übersetzen konnten. ZACK!!! Stempel ruff, schnell zurück ins Auto und weiter geht’s.
Der Grenzübergang namens Maseru Bridge schließt direkt an die Hauptstadt des Königreichs an. Natürlich darf man vorher noch ein paar Townships durchqueren. (Wissenswertes: Während der gewaltsamen Niederschlagung eines Putschversuches im Jahre 1998 wurde die geammte Innenstadt von Maseru durch Brände und Plünderungen verwüstet. Die Verwüstungen sind inzwischen weitesgehend beseitigt. Meiden sollte man laut Resieführer aber immer noch das Gebiet um das Victoria-Hotel, da es hier immer wieder zu Ausschreitungen kommt.) Wir haben uns dann für die Umgehungsstraße entschieden und hatten so die Ehre eine gute Stunde lang auf dem insgesamt 800 km umfassenden asphaltierten Straßennetz zu verbringen. Mit einem Ausschnitt der restlichen 4700 unasphaltierten Kilometer machten wir anschließend Bekanntschaft.
Die Fahrt auf der Dirtroad ist an sich ganz lustig und bei strahlendem Sonnenschein auch weit weniger abschreckend als in dieser stockfinsteren Nacht. Psychologisch ausgeklügelt plaziert finden wir immer dann einen Wegweiser zur Lodge wenn wir beinahe überzeugt sind eine Abfahrt vepasst zu haben. Nach bangen Minuten erreichen wir endlich unser Ziel. Die Angestellten, durch unsere Internetvorbestellung bereits informiert, zeigen uns unsere 3-Zimmer-Lehmhütten. Schnell die Schlafsäcke und Taschenlampen ausgepackt und schon fühlt man sich wie Zuhause. Inzwischen ist es Mitternacht und uns wird ein Sternenzelt inklusive Milchstraße geboten, dass man nicht allzu oft zu Gesicht bekommt. Nach jeweils zwei Bierchen machen wir uns auf den Weg ins Bett und warten auf den nächsten Morgen, der um 6:30 Uhr beginnen soll.

Der nächste Morgen beginnt so wie ein morgen auf dem Lande beginnen sollte. Zwar hätte ich in Afrika nicht mit Hahnengeschrei gerechnet, aber das Schlimmste ist es nun auch nicht. Als auch noch mein Wecker in das Getöse einstimmt wird auch dem letzten klar: Es ist Zeit aufzustehen.
Langsam kommt die Sonne hinter den Bergen hervor und wir haben die Chance unsere Hütten im Tageslicht zu betrachten. Der Teigklumpen, der vor dem Verstauen noch ettliche Toastbrote war, schmeckt trotzdem und die Transporttaschen für die Esel stehen auch schon vor der Tür. Pünktlich um 8:30 Uhr machen wir uns auf den Weg.
Noch ist es ziemlich kalt und wir machen nicht wirklich einen souveränen Eindruck auf unseren Pferden. Dieser Eindruck wird auch nicht besser, als man uns plötzlich ein paar Reithelme anbietet. “Made in Germany” steht drauf, so dass ich mir auf unserem Weg über die Felder ein bisschen gebrandmarkt vorkomme.
Mein Pferd “Matepu” ist anscheinend sehr ausgeschlafen, denn es denkt garnicht daran eine der hinteren Postionen einzunehmen. Nach einigen Tipps von unserem Führer gelingt es einem zunehmend besser das Pferd unter Kontrolle zu bekommen. Anders als bei irgendwelchen Pseudo-Reitveranstaltungen in Deutschland bei denen man noch nicht einmal ansatzweise einen Einfluss auf die Richtung oder Geschwindigkeit seines Pferdes hat, lernt man seit Pferd langsam kennen und, nach 1,5 Stunden über ebenes Gelände, auch schlagartig zu vertrauen. Plötzlich stehen wir nämlich an einem Abgrund. “Da runter?” “Ja, mach ich. Aber vorher absteigen!” Der erste Gedanke weicht aber denkbar schnell dem Testosteron. “Na klar reit ich da runter. Im gestreckten Galopp! *grunz*” Außerdem habe die Pferde das schon hundert mal gemacht und bezahlt haben wir auch noch nicht. Sie müssen uns also heil zurück nach Hause bringen. Verständlicherweise konnte ich von den wirklich beunruhigenden Stellen keine Fotos machen. Festhalten wollte ich mich dann nämlich schon noch irgendwo. Im Tal angekommen belohnen sich die Tiere auch gleich mit einem Schluck aus dem Fluss, den wir quasi gleichzeitig durchqueren. Anschließend beginnt der Aufstieg. Dieses Spiel wiederholt sich noch einige male, bis wir uns schlussendlich unserer Unterkunft nähern.
Auf dem Weg durch die anderen Dörfer kommen uns immer wieder Kinder nachgelaufen. Was wir erst als Bye-Bye verstehen wollen, stellt sich später als Bon-Bon heraus. Einige haben auch etwas englisch auswendig gelernt. “Give me some sweets!” tönt es plötzlich aus allen Richtungen. Was soll man da machen? Gibt man einem etwas muss man dem Rest auch was geben. Aber ist es überhaupt sinnvoll ihnen etwas zu geben? Da fällt mir plötzlich die Tafel in unserem Startcamp auf. Dort stand, dass man den Kindern nichts geben soll. Schön, wenn einem die Entscheidung abgenommen wird. So ganz wohl fühlt man sich aber trotzdem nicht, denn schließlich sehen die Kinder nicht besonders gut genährt aus.
Abgesehen von den Kindern streifen immer wieder andere Tiere unseren Weg. Kleine Dörfer, bestehend aus 4 Häusern erscheinen wie aus dem Nichts und verschwinden auch genauso schnell wieder. Was aber permanent da ist, ist ein atemberaubender Ausblick. Die Sonne knallt auf einen herab und erinnert einen daran, dass man eine Menge Klamotten anhat, die einen am Morgen notdürftig gewärmt haben.
Unsere Unterkunft erreichen wir geschft aber glücklich am frühen Nachmittag. Es gibt kein Strom und kein fließend Wasser, aber dafür eine Menge Fotos und weitere Erzählungen…

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